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Das Titelthema vom 23. Mai 2012
Gerüchteküche um Scandlines-Verkauf brodelt
Belegschaftsversammlung am 30. Mai könnte erste Aufklärung bringen

Seit 103 Jahren verkehrt die Königslinie zwischen Sassnitz und Trelleborg - das sollte auch so bleiben. Foto: Pfaffe
Sassnitz (apf). Die Gerüchteküche brodelt: Scandlines will sich möglicherweise von seinen Frachtrouten trennen und habe diese zum Verkauf ausgeschrieben, heißt es seit Wochen in den Medien. In einem knappen Statement antwortete der CEO von Scandlines, Søren Poulsgaard Jensen, bezüglich der Berichterstattung über mögliche Routenverkäufe darauf: „Wie bereits früher mitgeteilt prüft Scandlines zu jeder Zeit verschiedene Optionen, das Geschäft weiter zu entwickeln, inklusive der Möglichkeit eines Verkaufs von Unternehmensbereichen. Darüber hinaus kommentiert das Management der Reederei die aktuelle Berichterstattung über einen möglicherweise kurz bevorstehenden Routenverkauf nicht.“
Weitere Informationen gäbe es hierzu nicht, so Lea Weber von der EHRENBERG Kommunikation GmbH, welche für Scandlines die Pressearbeit realisiert.
In einer Mitteilung vom 19. April diesen Jahres informierte die Reederei unter dem Titel „Effizienter in die Zukunft: Scandlines mit strategischer Umstrukturierung“ darüber, dass sie ihre landseitige Organisation umstrukturiere. Durch diese notwendigen Veränderungen in den administrativen Bereichen entstehe ein effizienteres Unternehmen mit optimierten Prozessen in einem umkämpften Markt. „Trotz der Umstrukturierungsmaßnahmen werden wir weiterhin eine der größten Reedereien des Ostseeraums bleiben. Scandlines ist ein gesundes Unternehmen mit einem ausgewogenen Geschäftsmodell. Wir handeln jetzt proaktiv, um sicherzustellen, dass Scandlines auch vor dem Hintergrund eines schwierigen Marktumfelds gut für die Zukunft aufgestellt ist. Leider wird sich die notwendige Umstrukturierung der landseitigenOrganisation auch auf die Anzahl unserer Mitarbeiter auswirken“, so Bengt Pihl, CEO von Scandlines.
Scandlines hat insgesamt 2.200 Mitarbeiter. Der größte Teil von ihnen sei von der Umstrukturierung nicht betroffen. Für einige Mitarbeiter werde es die Möglichkeit geben, in anderen Positionen oder anderen Bereichen des Unternehmens Aufgaben wahrzunehmen. Eine unklare Situation ist das schon, nicht nur für die Mitarbeiter. Immer wieder gab es schon Kaufangebote bezüglich der Scandlines Linien, die aber nie zum Tragen kamen. Wie es jetzt aussieht, ist völlig offen.
Detlef Kobrow, Gesamtbetriebsratsvorsitzender der Scandlines Deutschland GmbH in Rostock, erklärte auf Anfrage, dass die Gespräche mit der Geschäftsführung derzeit erst am Anfang stünden. Am 30. Mai werde es Belegschaftsversammlungen in Puttgarden und auch Rostock (wo die Sassnitzer Mitarbeiter zugegen sind) geben. „Vielleicht wissen wir danach schon mehr.“
Auch Sassnitzer befürchten Schlimmes, sollte es zu einem spekulierten Verkauf der Frachtlinien kommen. Kobrow geht jedoch nicht davon aus, dass Sassnitz mit der 103-jährigen Königslinie davon betroffen sein könnte. Er glaubt daran, dass das speziell für diese Linie gebaute Fährschiff Sassnitz hier weiter fahren wird. Die „Trelleborg“, zur STENA LINE gehörend, dürfte bei einem Verkauf durch das deutsch-dänische Unternehmen Scandlines ohnehin außen vor sein, da bereits 2000 STENA LINE Eigner der schwedischen Anteile von Scandlines wurde. Was bleibt ist Hoffen, denn die Hoffnungslosigkeit wäre schon die vorweggenommene Niederlage.
Der RÜGANER ANZEIGER erscheint jeweils mittwochs in einer Trägerauflage von 37.000 Stück.




