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Dieser Artikel wurde am 29. März 2006 um 02:30 Uhr in der Rubrik Allgemeines veröffentlicht. Sie können diesen Artikel auch ausdrucken.

Zwei Rügener Winter-Kinder trauen sich

Hochzeit auf dem Schinkelturm und in den Wolken

Rügen (apf). Es war im eisigen Schneewinter 1978/79. Der Schneesturm peitschte über das Land. Kein Durchkommen mit dem Auto von Lohme in das Krankenhaus Bergen. Kein Durchkommen auch für die Hebamme nach Lohme, wo Gudrun Schanell sehnsüchtig darauf wartete, dass sich etwas tut. Schließlich hatte Sohn Sten sich diesen Tag als den seiner Geburt auserkoren. Dann kam die Rettung förmlich aus der Luft - in Form eines Hubschraubers der Marine aus Parow bei Stralsund. Als Gudrun Schanell in den Hubschrauber einstieg wusste sie zwar noch nicht, wohin die Reise genau ging, denn der Pilot erklärte: Wir müssen erst einmal sehen, wo uns das Wetter landen lässt. Doch das war Sten egal. Er wollte ans Licht der Welt, und das auch, wenn es draußen stürmt und schneit. Und er hat sich von all dem Trubel nicht beirren lassen und erblickte, zwar wegen der Kälte etwas blau, als kleiner Wonneproppen im Sundkrankenhaus Stralsund das Licht der Welt.

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Ein glückliches Paar, Andrea und Sten Bryl kurz vor dem Abheben in den siebten Himmel. Beide haben eine besondere Beziehung zur Insel Rügen. Foto: privat

In Lohme aufgewachsen hatte er eine ganz besondere Beziehung zu seiner Heimat, die Insel Rügen, entwickelt. Doch nach der Lehre erging es ihm wie vielen Jugendlichen: Fehlende Arbeitsplätze auf Rügen und Angebote anderswo locken die Jugend in die Ferne. Auch Freundin Andrea Kleist, die er in Sassnitz kennen gelernt hat, musste der Insel den Rücken kehren. Gemeinsam wohnen Sten und Andrea seit der Jahrtausendwende in Schleswig. Immer aber zog es sie wieder auf die Insel zurück. Als Anfang des Jahres, für die Eltern überraschend, die Mitteilung kam, dass sich Andrea und Sten das Ja-Wort geben wollen, stand auch schon fest: auf Rügen. Da galt auch kein Einwand, dass es im Frühling doch besser sei, weil das Wetter schöner ist. Wir sind eben Winterkinder, so Sten und auch Andrea, die am 9. Januar Geburtstag hat. Also nahm man es in Kauf, sich bei frostigen Temperaturen am Samstag, 18. März, um 10 Uhr auf dem Schinkelturm Arkona das Ja-Wort zu geben. Ein ewig währendes Erlebnis, so die Jungvermählten Andrea und Sten Bryl. Und es sollte noch besser kommen. Die Eltern des glücklichen Paares haben sich eine besondere Überraschung für den schönsten Tag im Leben ihrer Kinder einfallen lassen. Da beide gerne fliegen, Sten schon zu seiner Geburt hin, sollte es ein Inselrundflug sein, erzählt Gudrun Schanell lächelnd. Das Brautpaar war schon überrascht, als man nach der Trauung zum Verkehrslandeplatz in Güttin fuhr. Dort stand eine Cessna für die Jungvermählten bereit, um damit ihren Treueschwur auch in der Luft zu bekräftigen. Flugkapitän Kleinert konnte die Sorgen der Braut schnell zerstreuen, die beängstigt war, nicht mit dem Reifrock ihres Brautkleides in das Flugzeug zu passen. Sachte hob die Maschine vom Flugfeld zu einem romantischen Flug über Rügen ab und begab sich in Richtung Hotel Zum wilden Schwan in Neuhof bei Sagard, wo die Feier stattfinden sollte. Dort wartete die Hochzeitsgesellschaft nicht untätig auf die Ankunft der Cessna. Sie hatten ein großes Herz mit entzündeten Fackeln ausgebreitet, um dem nahenden Hochzeits-Flieger ein besonderes Willkommen zu bereiten. Die Gäste winkten dem Brautpaar mit weißen Tüchern zu und unzählige Wunderkerzen funkelten. Kapitän Kleinert drehte deshalb im langsamen Flug mehrere Schleifen über dem Ort. Bewegt sahen sich Andrea und Sten in die Augen, in denen zu diesem Zeitpunkt ganz sicher Tränchen der Freude zu finden waren. Dann ging der Flug über das elterliche Wohnhaus in Ranzow weiter zur Ostsee hin, wo sich ein herrliches Panorama bot, um über Putbus und Bergen wieder nach Güttin zu gelangen. Dankeschön, das kann man eigendlich nicht in Worte fassen, so das Brautpaar. Wir sind mächtigt beeindruckt von unserer Hochzeit und danken unseren lieben Eltern und Geschwistern, die diesen Tag für uns unvergesslicgh werden ließen. Und wir danken auch unseren Bekannten, Verwandten und Freunden. Lange noch wurde am Hochzeits-Tage über diesen Flug und diesen Tag und die Zukunft gesprochen. Und die möge für Andrea und Sten Bryl stets nur von solch schönen und bewegenden Eindrücken begleitet sein. Das wünschen Eltern, Bekannte und Verwandte und RÜGANER ANZEIGER ebenso.

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