Yachthafenresidenz Rügen soll in Sassnitz neu entstehen
Breite Zustimmung von Landes- und Bundesbehörden - innovative Lösung zur Stärkung des Tourismusstandortes

So könnte der Blick auf die Yachthafenresidenz Rügen und in den Sassnitzer Stadthafen in Zukunft aussehen. Die Planungen gehen voran und warten auf Genehmigung. Montage: privat
Sassnitz (apf). „Ich war im Juni 2011 in Sassnitz. Die Steganlage ist verschwunden, ein Anlegen nur noch an der Ostmole möglich. Von dort sind es zu den Sanitäranlagen 1,3 Kilometer Fußweg, einfache Strecke. Aber geöffnet sind diese nur von 7 bis 9 und 18 bis 20 Uhr. Für diesen Service mussten für ein 11-Meter-Boot 17 Euro Liegegebühr bezahlt werden. Dies finde ich überzogen. Der einzige Vorteil von Sassnitz ist die einfache Ansteuerbarkeit bei Tag und Nacht.“ - dies ist eine Bewertung, welche der Sassnitzer Stadthafen auf den Seiten www.marina-guide.de von Seglern erhalten hat. In vielen weiteren Blogs und Foren stehen ähnliche Eindrücke geschrieben, die insbesondere nach Rückbau der Brücke II und misslungenem Versuch der Errichtung einer Marina durch „Bellamer“ niedergeschrieben wurden.
Dieser Zustand kann sich ändern, denn Investor Thomas Kaul hat die Idee des städtebaulichen Wettbewerbes in Sassnitz aufgegriffen, der am 13. Februar 2002 ausgewertet wurde und den die Berliner Büros Reidemeister - Glässel und Böhning - Köpp gewonnen hatten - eine Marina außerhalb der Westmole zu errichten. Und der Investor hat seine Planungen von Anfang an allen Interessierten im Internet unter www.yachthafenresidenz-ruegen.de zugängig gemacht. Denn Transparenz sei bei Projekten solcher Größe von entscheidender Bedeutung für deren Realisierbarkeit, weiß der Unternehmer. So hatte er mehrfach sein wachsendes Projekt vorgestellt, letztlich auch vor über 60 Anwesenden auf einer öffentlichen Veranstaltung des Sassnitzer Gewerbevereines.
Eine moderne Marina, die dem Standard der Zukunft entspricht und welche den Tourismusstandort Sassnitz stärken wird, solle entstehen, war da zu hören - und leuchtete auch dem Laien ein. Denn insgesamt reiht sich dieses Marinaprojekt offensiv in die gesamte Stadtentwicklung mit Kurgebiet, Terrassenpark (Kistenplatz) und Entwicklung des Westhafens ein. 350 Liegeplätze, 30 schwimmende Häuser, eine Hotelanlage, eine Landgewinnung für den Bau einer Passage und 26 exklusive Ferienwohnungen, eine Segelschule mit entsprechenden Schulungsräumen, Fitness und Sauna, Restaurants, Boutiquen, Einkauf (täglicher Bedarf), Bars und Kneipen, eine Tiefgarage für 300 Pkw unter der Mole, diverse Serviceeinrichtungen, Krananlage, Wassertankstelle, Außenpier für Großsegler und Luxusyachten, bis hin zu einem Strand sind Bestandteil der Planung geworden. Ein Bedarfslandeplatz für Hubschrauber wurde vorgesehen.
Die Stadtvertretung Sassnitz hatte im vergangenen Jahr mit Beschluss die Verwaltung beauftragt, dieses Projekt vorrangig zu begleiten. Landesbehörden begrüßen und unterstützen das Projekt und auch Bundesbehörden wie die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes stehen dem Vorhaben unterstützend zur Seite. „Ich habe keine Probleme erfahren, die wir nicht lösen könnten“, so Thomas Kaul. Innenminister Lorenz Caffier hatte sich am 18. Juli in Begleitung des Landratskandidaten Ralf Drescher und Burkhard Lenz (MdL) vor Ort ein Bild davon gemacht, was hier wachsen könnte - im Beisein des Investors, versteht sich. Und der Minister sieht die positiven Wirkungen für die Region, die von der Marina ausgehen können. „Man muss auch Mut haben zum Risiko - nur so kann man sich entwickeln“, gab er Kaul mit auf den Weg. Und Ralf Drescher hob hervor: „Wir sind auf private Investitionen immer angewiesen.“
Da mutete eine Veranstaltung mit Verkehrsminister Volker Schlotmann, den Landtagskandidat Norbert Benedict (SPD) eingeladen hatte, am 28. Juli schon irgendwie eigenartig an, bei der es um Chancen und Risiken des Projektes Yachthafenresidenz gehen sollte - allerdings ohne Einladung an den Investor. Das Verkehrsministerium hatte bereits mit Schreiben vom 30. Mai diesen Jahres nach Einsicht und Prüfung der Unterlagen dem Bund mitgeteilt, dass das Land M-V vorsieht, das Nutzungsrecht der entsprechende Fläche zum Bau der Marina (Inkommunalisierung) in Anspruch zu nehmen und beabsichtige, dieses auf die Marina Sassnitz Projektentwicklung GmbH & Co.KG zu übertragen. Also alles im Lot?
Dem ist nicht so, wenn man die Diskussionen auf Facebook verfolgte, in der Stadtvertreter Norbert Benedict bemerkte: „Volker Schlotmann hat drei Dinge klargestellt: Vom Verkehrsministerium wird die Stellungnahme zu dem Projekt negativ ausfallen. Von Seiten des Ministeriums werden uns neutrale Gutachter empfohlen, von denen wir einen zur unabhängigen Prüfung heranziehen sollten. Außerdem wird Volker Schlotmann Kontakt zum Wirtschaftsministerium aufnehmen, um dort die Sinnhaftigkeit dieses Projekts zu hinterfragen.“ Und vorher: „Die Meinung des Ministers ist folgende: der zentrale Hafen hat so viel Potenzial für eine Marina, warum muss die eigentlich am Eingang entstehen, wo Probleme für andere Nutzungen offensichtlich und vorprogrammiert sind? Es geht also nicht darum, ob eine Marina oder nicht, sondern wo sie entstehen soll.“
Das erweckt den Eindruck, dass das Schweriner Verkehrsministerium der Errichtung der Yachthafenresidenz Rügen am durch den städtebaulichen Wettbewerb vorgesehenen Ort ablehnend gegenüber stünde.
Auf Nachfrage bei Thilo Schelling, Abteilungsleiter Verkehr im Schweriner Verkehrsministerium, kann diese Äußerung allerdings relativiert werden. Das Ministerium war einigermaßen erstaunt, dass die Projektentwickler zum Termin mit dem Minister nicht eingeladen waren, sondern offensichtlich nur Leute, die das Projekt, aus welchen Gründen auch immer, ablehnen. Dies sollte wohl den Minister negativ beeinflussen, was so aber nicht gelungen sei.
Allerdings habe der Minister deutlich gemacht, dass für den Fall, dass die Sicherheit der Ansteuerung des Stadthafens Sassnitz gefährdet würde, was durch autorisierte Gutachten nachzuweisen sei, Handlungsbedarf bestünde. Doch dass dem nicht so sein dürfte, geht aus der Stellungnahme der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes vom 30. Juni deutlich hervor. Das Verkehrsministerium stünde nach wie vor dem Projekt offen und vor allem loyal gegenüber, so Thilo Schelling. Schließlich sei dies auch das Herangehen, welches Minister Schlotmann in seiner täglichen Arbeit praktiziere. Und dies würde genau so auch von ihm als Verkehrsminister erwartet.
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