Wieder enger zusammen rücken
Grußwort von Landrätin Kerstin Kassner (Linkspartei.PDS) zum Jahreswechsel 2006/2007
Liebe Rüganerinnen und Rüganer,
erinnern Sie sich noch an die Aufregung um den Jahrhundert- und Jahrtausendwechsel? Das war doch gerade erst, möchte man meinen. Dabei geht das erste Jahrzehnt dieses neuen Zeitabschnitts schon wieder auf das Ende zu. Auch meine Amtszeit als Landrätin beträgt bereits mehr als fünf Jahre. Es ist Zeit für erste Analysen.
Im Verlauf der Jahre ist so einiges geschafft worden, aber längst nicht alles erreicht. Es fehlen Arbeitsplätze. Viele Rüganer, vor allem junge Leute, verlassen unsere Insel, um nicht Leistungen der Arbeitsagentur oder unserer Gemeinschaft für Arbeit in Anspruch nehmen zu müssen. Es sind zu wenig neue Betriebe im Bereich des Fährhafens und im angrenzenden Industriegebiet entstanden. Die Zahlen im Tourismus bereiten Sorgen, sie gehen, zum Beispiel bei Gästeankünften, eher zurück als in Richtung erfolgreiche Saisonverlängerung. Ich stelle mir die Frage: Was ist falsch gemacht worden? War die Beratung in der Verwaltung nicht ausreichend? Sind die Wege in den einzelnen Ämtern zu lang? Ist es umfassend genug gelungen, die Kreisverwaltung zu einem Dienstleistungsunternehmen zu gestalten? Ganz sicher gibt es hier Reserven.
Wir Rüganer müssen uns allerdings mehr gemeinsam engagieren. Oft wird nicht über den eigenen Tellerrand hinaus geschaut. Und auch meine Bemühungen, mit den Gemeinden unseres Landkreises zusammen zu arbeiten, haben nicht immer Erfolg. Deshalb wünsche ich mir für 2007, dass wir wieder enger zusammen rücken. Beispielsweise bei der Entwicklung der Dachmarke Rügen, um mit guten Produkten den Namen Rügen noch besser in Szene zu setzen. Das Jahr 2006 war für Rügen ein Jubiläumsjahr. Wir haben den 200. Geburtstag unseres Landkreises gefeiert. Mit kleinen, aber feinen Veranstaltungen. Im nächsten Jahr wird ein Buch erscheinen, das viele der interessanten Geschichtsbeiträge enthält. So bleiben die 200 Jahre in Erinnerung. Auch dann, wenn die Weichen für die Entwicklung unseres Landkreises künftig anders gestellt werden sollten.
Im April nächsten Jahres berät das Landesverfassungsgericht über die Klage bezüglich der Kreisgebietsreform. Bis Juni soll eine Entscheidung fallen. Ich glaube an das Gutachten unseres Prozessbevollmächtigten Prof. Ipsen und hoffe sehr, dass die Interessen der Rüganer in punkto Erhalt der Eigenständigkeit des Landkreises Berücksichtigung finden. Trotzdem muss ich bereits in dem so genannten Aufbaustab für den Regionalkreis Nordvorpommern/Rügen arbeiten, weil das Gesetz es verlangt. Ich sehe diese Arbeit jedoch auch als Chance, nach Kooperationsmöglichkeiten mit unseren Nachbarn zu suchen, die Sinn machen und Kosten sparen. Außerdem kann die Zusammenarbeit sicher auch inspirierend sein und uns gegenseitig Vorteile bringen, zum Beispiel beim ÖPNV oder im Kulturbereich. Unsere Mitwirkung im Theater Vorpommern war 2006 sehr erfolgreich.
Mit den Stralsundern arbeiten wir ja schon länger zusammen. Sie erinnern sich sicherlich noch an die gemeinsame Olympiabewerbung. Nun wollen wir gemeinsam die Inbetriebnahme unserer Rügenbrücke im Herbst 2007 feiern. Darauf freue ich mich sehr, denn es soll ein richtiges Volksfest mit Sport und Spiel werden. Kaum ein Rüganer wird sich dieses besondere Ereignis wohl entgehen lassen. Sie merken, optimistische Aussichten lassen ein gutes neues Jahr erwarten!
Wenn jeder etwas für ein angenehmes Miteinander tut und das beginnt manchmal schon bei der Unterstützung eines Nachbarn oder mit einem freundlichen Wort für den anderen ist unsere Insel nicht nur ein herrliches Ferienparadies sondern auch das Zuhause für uns Rüganer, wie wir es uns wünschen: schön und lebenswert. In diesem Sinne alles Gute und viel Glück für das neue Jahr! Ihre
Kerstin Kassner
Landrätin
Insel-Landkreis Rügen
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