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Dieser Artikel wurde am 14. Januar 2009 um 05:20 Uhr in der Rubrik Titelthema veröffentlicht. Sie können diesen Artikel auch ausdrucken.

Wie man sich bettet, so liegt man

Ehrenamtsstreit eskaliert in Sassnitzer Begegnungsstätte

Ob sie zu Recht sauer sein kann, das muss sie wohl selbst entscheiden. Jedenfalls sehen die Sassnitzer „Grünen Damen“ keinen Grund, sie zu tadeln. Schließlich waren sie es, die im Jahre 2001 in Zusammenarbeit mit der Kirche begannen, die maroden Räume im Gerhart-Hauptmann-Ring wieder nutzbar zu machen, nachdem die Kirche diese vertraglich von der Stadt zur Nutzung erhielt. Rund 25.000 Euro aus Spenden und Fördermitteln sind durch die „Grünen Damen“ in das Objekt geflossen, um Instandhaltungs- und Reparaturarbeiten zu realisieren. Die wurden 2001 durch die Kirche in Auftrag gegeben. Doch bezahlt wurden die Rechnungen eben durch die „Grünen Damen“ und zu einem großen Teil auch aus dem Privatvermögen von Gertraud Ciminski. „Das mussten wir ja. Die Arbeiten wurden durch Rügener Firmen ordnungsgemäß abgeschlossen und erst später mussten wir feststellen, dass die Kirchgemeinde kein Geld hatte. Also haben wir dann, wenn wir Geld hatten, Teilbeträge bezahlt“, so Gertraud Ciminski, die seit 2000 den Sassnitzer „Grünen Damen“ vorsteht. Sie selbst hat eine Erbschaft beigesteuert, eine Summe aus ihrem Bausparvertrag und auch 4.000 Euro aus einer Prämie, die sie von SuperIllu für ihr soziales Engagement erhalten hatte.

Nachdem die Kirche zum 1. Juni 2008 den Vertrag zur Nutzung des Objektes nicht verlängert hat, mussten die „Grünen Damen“ ihre Räumlichkeiten und die Leitung der Einrichtung aufgeben, allerdings in der Hoffnung, dass sie weiterhin ein Zimmer als Treffpunkt nutzen können. Daraus ist nichts geworden. „Die Aufforderung, den Schlüssel zum 1. Juni abzugeben, hat uns sehr getroffen“, sind sich die „Grünen Damen“ einig. Doch was sein soll, müsse wohl so sein. Also wurde die Kleiderbörse an das Rügener DRK zur weiteren Nutzung übergeben und das Café beräumt. Das wird durch Gertraude Gebauer stark kritisiert. „Wir hätten die Kleiderbörse dringend gebraucht, um weiterhin die Betriebskosten einzufahren“, begründet sie ihren Groll. Doch die Frage, wie das mit dem Eigentum denn sei, muss sie sich wohl gefallen lassen. Denn aufgebaut wurden Kleiderbörse und Café eben auch durch die „Grünen Damen“.

Den Vorwurf, dass sie gar eine Anzeige am Hals hätte, mag Gertraude Gebauer mit sich selbst ausmachen. Jedenfalls entspricht es nicht Recht und Gesetz, wenn im November Paketsendungen aus München, die für die „Grünen Damen“ bestimmt waren, auf ihre Veranlassung angenommen und genutzt werden.

Letztlich mag ein durch Gertraude Gebauer veranlasster Akt Anfang des Jahres ein Schlag ins Gesicht der Spender für den G.-H.-Ring 50 sein: „Eines Tages stand ein Karton mit 50 Holzbausteinen vor meiner Tür. Die waren bisher dort im Eingangsbereich angebracht. Als Dank an die Spender enthielten diese die Namen derer, die mehr als 50 Euro für die Entwicklung des Objektes zur Verfügung gestellt haben“, schüttelt Gertraud Ciminski mit dem Kopf. Gertraude Gebauer räumt ein, dass sie vielleicht überreagiert habe. „Ich finde das nicht gut, dass man diese ehrenden Bausteine abgemacht hat“, so Bürgermeister Dieter Holtz. Doch die Stadt habe keine Möglichkeit, hier tätig zu werden, da sie inhaltlich nicht am Projekt mitarbeite.

Was bleibt? Die Hoffnung, dass sich die Stadt Sassnitz vermittelnd und als Schlichter in einen Ehrenamtsstreit einmischt und ebenso die Hoffnung, dass Verständnis füreinander und fairer Umgang die ehrenamtliche Tätigkeit bestimmt. „Denn auch die ’Grünen Damen’ brauchen Ruhe für ihre Tätigkeit - jetzt im AWO-Seniorenzentrum in der Mukraner Straße“, so Gertraud Ciminski.