“Was lehrt uns dieser Sommer?”
Land M-V mit Zuwächsen im ersten Halbjahr beim Tourismus zufrieden, aber . . .
Von Robby Günther
Bergen auf Rügen. Zuwächse auf Rekordniveau, meldet das Schweriner Wirtschaftsministerium für das erste Halbjahr im Tourismus! Der zuständige Tourismusminister Jürgen Seidel (CDU) überschlug sich förmlich in der letzten Woche mit seinen Meldungen zu den aktuellen Zahlen, die vom Statistischen Landesamt kamen. Dort hieß es, dass von Januar bis Juli 9,8 Millionen Übernachtungen im Land Mecklenburg-Vorpommern generiert werden konnten, das sind 12,7 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2006.

Wohin geht die Reise des Rügener Tourismus? Der durchwachsene Sommer hat gleich mehrere Probleme des hiesigen Fremdenverkehrs offenbart: Es wird dringend Zeit für ein Verkehrskonzept und die Schlechtwetter-Angebote müssen besser verknüpft werden. Foto: Archiv
Besonders hohe Zuwachsraten verzeichneten dabei die Ferienregionen Rügen/Hiddensee, Ostvorpommern und die Seenplatte rund um die Müritz, so Seidel. Aber auch Hansestädte wie Wismar und Stralsund profitieren von der Reiselust der Deutschen, das nordöstliche Bundesland näher kennenzulernen. Eine Blitzumfrage dieser Zeitung unter einigen Hoteliers brachte durchweg positive Einschätzungen bis jetzt. Von einer guten bis sehr guten Auslastung ist hier die Rede. Mit Ende der Ferien in vielen Bundesländern in der vergangenen Woche sind allerdings wieder vermehrt Schilder mit der Aufschrift Zimmer frei an den Straßen zu sehen. Nun beginnt das Hoffen auf einen schönen Spätsommer und Herbst, der viele Gäste noch bis Ende Oktober/Anfang November auf die Insel bringt. Für die Perspektive reicht das aber nicht, war der Tenor des Wirtestammtisches des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Rügen am Montag dieser Woche. Was lehrt uns dieser Sommer?, schwelte eine Frage in der Runde der anwesenden Hoteliers und Wirte.
Fürwahr, dieser Sommer hatte es in sich nicht nur wegen der Wetterkapriolen. Verstopfte Straßen, ungenügende Informationen für Gäste betreffs Schlechtwetter-Alternativen, Hiobsbotschaften wie Bau eines Kohlekraftwerkes in Lubmin und Streichung sämtlicher Nacht- bzw. saisonaler Autoreisezüge, verschlechterte Situation mit Arbeitskräften, unpassende Qualifizierungsprogramme für ältere Arbeitnehmer im Tourismus und Service am Gast diese und mehr Themen bewegten die touristischen Leistungsträger am Montag. Dazu kommen Preissteigerungen für Lebensmittel aller Art, die sich auf die Gewinnspanne der Wirte niederschlagen. Wir brauchen einen zentralen Einkauf für den Tourismus, so Olaf Mertens von der Aquamaris Strandresidenz. Allein können wir gegen die übermächtigen Konzerne nichts mehr machen, appellierte er mit angekündigten Preissteigerungen bei Fleisch und Gemüse. Wir müssen die Politik auffordern, endlich Hausaufgaben zu erledigen und Grundlagen zu schaffen, die wirklich speziell dem Tourismus helfen, kritisierte Ernst Heinemann vom Rügenhof Putgarten seiner Meinung nach ungeeignete Förderprogramme für Qualifizierung und Weiterbildung. Unser Problem ist der Service, so seine Warnung in die Runde. Ein Gast von heute ist bereit Geld auszugeben, aber der Service ist das A und O, damit er diese Entscheidung gern trifft, so Heinemann.
Eine neue Geißel trifft die Hoteliers mit dem Arbeitnehmer-Entsendegesetz, das jetzt für Gebäudereinigungsfirmen ab 1. Juli in Kraft getreten ist. Wir müssen als Auftraggeber mit dafür Sorge tragen, dass der Unternehmer seine Angestellten nach Tarif bezahlt, beklagte Lothar Beyer vom Central-Hotel Binz. In diesem Zusammenhang wurde eine Liste von DeHoGa-Regionalchef Wilfried Rothkirch vorgetragen, was dem Auftragnehmer theoretisch abzufordern wäre, um sich zu vergewissern, dass es sich um eine seriöse Firma handelt. Die Anwesenden hatten dafür ein gequältes Lachen über, aber die Probleme sind da . . .
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