Was für eine Entwicklung braucht der Strand?
Im nächsten Jahr noch mehr Elektroautos am Strand der Schaabe?
Von Wolfgang Urban
Schaabe. Am Naturstrand der Schaabe ist Wandel zu bemerken. Wo einst nur Freunde des FKK anzutreffen waren, sind heute immer mehr mit statt ohne Badesachen am Strand zu sehen. Das funktioniert allerdings als tolerantes Miteinander von FKK-Fans und solchen Badenden, die lieber nicht die Hüllen fallen lassen wollen. Problematischer ist indes ein anderer Wandel am Strand. Früher kam ab und zu einmal eine Eisverkäuferin oder ein Eisverkäufer zu Fuß vorbei. Heute geschieht das in kurzen Abständen und die Zeit, in der es nur Eis am Strand gab, ist auch vorbei. Einig sind sich die Badegäste darin, dass es angenehm ist, zur Erholung am Strand auch noch ein Eis, eine Bockwurst oder einen Kaffee zu bekommen. Unterschiedlich ist dabei aber die Reaktion auf die Breitreifenelektroautos, die seit diesem Jahr am Strand der Schaabe als Verkaufswagen im Einsatz sind. Zu jenen, die verärgert über deren Zulassung an diesem Naturstrand sind, gehört Uwe Cornelius. Der gebürtige Glower organisiert schon seit 20 Jahren den mobilen Eisverkauf am Strand der Schaabe. „Soll ich im nächsten Jahr auch Elektroautos einsetzen?“, fragt er mit Blick auf die Konkurrenz. Seine Verkäufer sind in diesem Jahr noch mit handgeführten Wagen mit Elektrohilfsantrieb zu Fuß unterwegs.
Uwe Cornelius hat vom Staatlichen Amt für Umwelt und Natur Stralsund die Verkaufsgenehmigung für ein Kleinimbissangebot am Strand der Schaabe erhalten. Beschränkt ist diese Genehmigung auf „handgeführte Fahrzeuge mit oder ohne Elektroantrieb und die Einhaltung von maximal Schrittgeschwindigkeit beim Führen am Strand“. Das ist für Uwe Cornelius auch eine sinnvolle Regelung, mit der er zufrieden ist. Sie sollte nach seiner Meinung auch für alle anderen Anbieter am Strand in eindeutiger Weise so zur Anwendung kommen. Verkäufer sollen nach seiner Auffassung nur zu Fuß am Strand unterwegs sein dürfen. „Das hat sich in vielen Jahren bewährt und sollte auch so bleiben“, sagt er. Uwe Cornelius kritisiert in diesem Zusammenhang den in diesem Jahr begonnenen Einsatz von Elektroautos am Strand der Schaabe. Als er diese Fahrzeuge das erste Mal hier in Aktion sah, glaube er, dass dafür keine Genehmigung vorliegt und wandte sich an das Staatliche Amt für Umwelt und Natur Stralsund. Was er von dort erfuhr, ist für ihn unfassbar: „Man tut so als seien die am Strand der Schaabe für den Verkauf eingesetzten Elektroautos genau solche handgeführten Fahrzeuge wie meine. Das ist unglaublich!“
Als Beleg für diese Haltung des Staatlichen Amtes für Umwelt und Natur Stralsund sowie des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz M-V zeigte Uwe Cornelius im Gespräch ein Schreiben, das er von Dietrich Tylla, Abteilungsleiter Wasser und Boden des Staatlichen Amtes für Umwelt und Natur Stralsund erhalten hat. Dort wird auf die Genehmigung für handgeführte Fahrzeuge am Strand der Schaabe eingegangen. Wörtlich heißt es dabei u.a.: „Durch einen Genehmigungsinhaber wurde kürzlich beim Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz M-V eine Überprüfung angeregt, ob durch ihn für das Strandverkaufsgeschäft vorgesehene Eis-Buggies mit der Genehmigungsauflage ,handgeführte Fahrzeuge’ vereinbar seien. Dies wurde abschließend bejaht. Das Staatliche Amt für Umwelt und Natur Stralsund ist an diese Auslegung gebunden und wird sie in seinem Verwaltungshandeln umsetzen...“
Kaum zu glauben! Wussten die Entscheidungsträger in Schwerin, was sie da bejaht haben? Kopfschüttelnd sagt Uwe Cornelius: „Ein Anruf bei der DEKRA oder beim TÜV hätte gereicht, um zu wissen, dass die am Strand der Schaabe eingesetzten Elektrofahrzeuge keine handgeführten Fahrzeuge sind. Diese Autos werden zwar mit der Hand gelenkt, aber nicht zu Fuß von der Hand geführt. Elektroautos sind ein großes Sicherheitsrisiko am Strand. Wenn mit den Elektroautos am Strand zwischen den Urlaubern umhergefahren wird, ist absehbar, dass es irgendwann zu Unfällen kommt. Das kann man in Schwerin doch nicht wollen! Unser Strand darf nicht für Autos frei gegeben werden!“ Indem Uwe Cornelius grundsätzlich gegen Elektroautos am Strand ist, befindet er sich zugleich in einer schwierigen Entscheidungssituation: „Wenn die anderen weiter mit ihren Elektroautos den Verkauf am Strand tätigen dürfen, bin ich eventuell irgendwann auch gezwungen dies zu tun. Gegen Elektroautos kann man als Fußgänger mit wirklich handgeführten Fahrzeugen im Wettbewerb nicht bestehen.“
Noch hofft Uwe Cornelius, dass er nicht auf Elektroautos umsteigen muss, denn dies wäre für ihn „die falsche Entwicklung“ am Naturstrand der Schaabe. „Hier muss die Erholung im Vordergrund stehen. Autoverkehr hat da nichts zu suchen“, meint er. Was sagen sie liebe Leserinnen und Leser? Was für eine Entwicklung braucht der Naturstrand der Schaabe?
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