Springe zu: Navigation | Inhalt | Aktuelle Themen
Dieser Artikel wurde am 15. Juni 2010 um 09:14 Uhr in der Rubrik Allgemeines veröffentlicht. Sie können diesen Artikel auch ausdrucken.

Vorschulgruppe hat es erkannt: „Hauen ist doof!“

Erfolgreiches Projekt der Rügener Kontakt- und Beratungsstelle für Opfer häuslicher Gewalt mit Kita „Löwenzahn“

Bild

Ein freundliches Team: Die Vorschulgruppe der Kita „Löwenzahn“ Gingst mit ihren Erzieherinnen Ela und Karin setzt auf Verständnis füreinander statt Streit. Foto: Pfaffe

„Die Entscheidung, ein Gewaltpräventionsprojekt in der Vorschulgruppe zu gestalten, ging von der Einrichtung aus. Wut, Ärger und Streit gehören zum kindlichen Alltag. Konflikte entstehen aus den unterschiedlichsten Gründen - Streit um Spielzeug, Wut, weil etwas kaputt ging und anderes mehr“, so Marianne Wallis von der KBST. Und die Leiterin der Beratungsstelle, Petra Jans, fügt dem hinzu: „Konflikte zu lösen setzt voraus, dass die Beteiligten über Kompetenzen verfügen, die es ermöglichen, sich miteinander auseinander zu setzen. Aushalten und Durchstehen eines Streits kann ein Kind nur lernen, wenn ihm positive Möglichkeiten geboten werden. Um einen Konflikt möglichst gewaltfrei zu lösen, braucht ein Kind Selbstvertrauen, Einfühlungsvermögen, Sprachkompetenz und ein bestimmtes Maß an Sozialkompetenzen.“

Also hat man sich zusammen gesetzt und einen Plan gemacht, im Ergebnis dessen alle am Thema Beteiligten einbezogen wurden: Eltern, Kinder und die Erzieherinnen der Kita. Für die Erzieherinnen wurden Seminare durch die KBST veranstaltet, wo es um Themen wie häusliche Gewalt und den Zusammenhang zur Arbeit in der Kita ging und auch darum, wie man entstehende Konflikte frühzeitig erkennen und eindämmen kann. Mit den Eltern wurde das Thema „Umgang mit Wut“ erschlossen. Auch für viele Eltern war es neu, Wut nicht „als böse“ abzutun, sondern zu erfahren, dass Wut ein Grundgefühl des Menschen ist, genauso wie Freude, Angst und Trauer. Kinder müssen schon frühzeitig lernen, mit Wut umzugehen. Dazu brauchen sie konkrete Anleitung durch die Erwachsenen.

Die theoretischen Kenntnisse und Anregungen , die durch Frau Jans und Frau Wallis vermittelt wurden, konnten von den Erzieherinnen Ela Hauschild und Karin Wilde in der Vorschulgruppe gemeinsam mit den Kindern auf spielerische Art umgesetzt werden“, so Maike Müller, Leiterin der Kita. Die Kinder erarbeiteten mit den Erzieherinnen Möglichkeiten zur Konfliktbewältigung und machten die Erfahrung, dass die Konfliktlösung weiter bringt als einfache Schuldzuweisung. Ein „Brülleimer“ hat die bösen Worte verschluckt, „denn Schimpfwörter brennen wie Feuer im Herz“, sagen die Kinder selbst. Mit Zornsteinen oder Kissen-Boxen lernten sie, ihre Wut abzubauen und beim Bataka-Kampf, wurden aus Kampfhähnen lachende Kinder. Um sich das Thema vom Grunde auf zu erschließen wurde gemalt und gebastelt, gesungen und geredet. Geschichten, wie z.B. „Der Wutwurm“, oder „Die Meckeroma“ sprachen die Kinder besonders an. So wuchs das Selbstwertgefühl eines jeden Vorschülers und auch die gegenseitige Ansprache und Rollenspiele führten dazu, dass böse Worte, Streit oder auch Gewalt mittlerweile so gut wie Fremdwörter in der Gruppe sind.

Eine ganz wichtige Rolle hatdafür auch der Friedensteppich gespielt. Er ist eine Möglichkeit der Konfliktlösung für Kinder. Die Erzieherin übernimmt die vermittelnde Rolle. Der Teppich hat eine Symbolfunktion für die Kinder. Er kann z. B. aus sechs quadratischen Schaumstofffliesen, von denen je zwei dieselbe Farbe haben bestehen. Die beiden streitenden Kinder stehen sich auf dem Friedensteppich gegenüber und werden von der Erzieherin angeregt, über ihren Streit zu reden, ihren Gefühlen nachzuspüren und auch diese zu benennen.

Beide Kinder werden jetzt gefragt, was sie nun tun wollen. Wenn sie zu einer Lösung kommen, gehen sie auf dem Teppich weiter aufeinander zu und fassen sich z. B. an den Händen. Die Kinder werden nicht zur Lösung gedrängt. Können sie sich nicht einigen, treffen sie sich zu einem späteren Zeitpunkt wieder auf dem Friedensteppich. Die Leiterin der Kita, Maike Müller, betonte nochmal, dass durch die Anleitung der beiden Mitarbeiterinnen der KBST und die engagierte Arbeit der Erzieherin Ela Hauschild die Kinder in ihrer Persönlichkeitsentwicklung einen enormen Sprung gemacht haben.

Ziel ist es, die Erfahrungen dieses Projektes auch weiterh in die tägliche Arbeit in allen Gruppen einfließen zu lassen.

« Nächster Artikel
Königlicher Besuch

Vorheriger Artikel »
1. Fachtag für HorterzieherInnen in M-V