Vielleicht der richtige Weg aus der Erwerbslosigkeit
Wir wollen Arbeit und dafür werden wir auch etwas tun, so der Tenor der Teilnehmer
Von Christian Niemann
Bergen auf Rügen. Es ist schon etwas schwierig, auf dem Arbeitsmarkt eine Beschäftigung zu bekommen. Und wenn man dann endlich nach langer Zeit mal wieder eine Anstellung gefunden hat, ist diese oft befristet. Beispiele gibt es viele. Wie zum Beispiel im Gastgewerbe. Dort ist es nun einmal üblich, dass man im Sommer arbeitet und im Winter wieder zu Hause sitzt. Das sind keine vernünftigen Perspektiven. Doch aus dieser Perspektivlosigkeit gibt es auch einen Ausweg. Alle Wege führen nach Rom, sagt man. Doch bis nach Rom muss man nicht unbedingt fahren, um zu einer neuen Beschäftigungsmaßnahme zu kommen. Dabei geht es nicht darum, irgendwo Däumchen zu drehen, sondern man hat ein klares Ziel vor Augen wir wollen alle in Arbeit und das nicht nur für eine Saison, sondern ein unbefristeter Anstellungsvertrag ist unser Ziel. Diesen Satz bekommt man derzeit von den Teilnehmern einer Trainingsmaßnahme in der Grone Schule zu hören. Durchweg positiv ist das Echo auf die Vermittlung von Kenntnissen in der Call-Center Branche. Denn das ist der Bereich, der derzeit vor allen in M-V stetig wächst.
Über 600 neue Mitarbeiter werden gesucht, so die Niederlassungsleiterin Rosemarie Pietsch. Der RÜGANER ANZEIGER war in der vergangenen Woche bei der zweiten Maßnahme dabei und befragte die Teilnehmer zu ihren Einschätzungen, was diese Maßnahme für sie persönlich bringt.
Da wäre zuerst der 36-Jährige Rene Dabels zu nennen, der vom Beruf Möbeltischler ist und unverschuldet in die Arbeitslosigkeit gerutscht ist. Ich sehe diese Maßnahme als eine große Chance für mich wieder Arbeit zu finden. Denn Beschäftigung auf dem Bau zu finden ist sehr schwierig. Was ich suche ist eine geregelte Arbeit. Das ich dabei bis nach Stralsund fahren müsste stört mich wenig, so der Bergener.
Die Jüngste in der Runde ist die 27-Jährige Kerstin Jassmann aus Putbus. Ich habe eine abgeschlossene Berufsausbildung als Restaurantfachfrau. Ich suche einen ganzjährigen Job. Ich möchte nicht in den Wintermonaten zu Hause rumsitzen, sondern ich möchte etwas tun. Ich sehe das als sehr große Chance für mich auf den ersten Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen, erklärt die Putbusserin. Ich habe mich während der Maßnahme schon bei den beiden Unternehmen, die in Stralsund ein Call-Center in betrieb nehmen werden, beworben, fügte sie hinzu.
Aber auch Heiko Schwarz sieht seine Chance in der Call-Center Branche. Ich habe zu DDR-Zeiten in der Landwirtschaft gearbeitet. Doch mit der Zeit wurde es immer schwieriger Anschluss zu finden. Mit vielen Gelegenheitsjobs habe ich mich versucht über Wasser zu halten. Drei Umschulungen habe ich erfolgreich abgeschlossen. Anschließend kam nichts. Im Wachschutz habe ich auch eine Zeit lang gearbeitet. Ich bin angenehm überrascht, sagte er. Auf die Frage warum, antwortete er wie folgt: Man hat viel über die Call-Center Branche gehört und das war nicht immer positiv. Viele Vorurteile sind noch in den Köpfen vieler. Ich habe allein nur durch die Teilnahme an dieser Maßnahme, die von der ARGE finanziert wird, habe ich auch fürs persönliche Leben einiges mitgenommen. Er bringt es auf den Punkt: Hier bekommt man eine Chance für einen sicheren und unbefristeten Arbeitsvertrag in einer Branche, die weiter am Wachsen ist.
Auch die 29-Jährige Sandra Möller sieht in dem Beruf, den sie ursprünglich gelernt hatte, keine Chance. Im Bereich Gebäudereinigung findet man kaum Arbeit. Sandra Möller geht mit einem gesunden Selbstvertrauen an die Sache ran. Ich bin davon überzeugt, dass ich Arbeit in einem der beiden Call-Center bekomme. Denn beworben habe ich mich schon. Das wichtigste Argument für mich sind die unbefristeten, ganzjährigen Arbeitsverträge. Ich habe mich schon während der Maßnahme beworben, sagte sie voller Stolz. Eine mündliche Zusage hat sie schon in der Tasche. Die 49-jährige Gritta Grune aus Bergen wusste zuerst gar nicht was los ist. Ich erhielt lediglich ein Schreiben von der ARGE, dass ich zu einem festgesetzten Termin mich in der Grone Schule einfinden soll. Was soll ich sagen, mir macht es Spaß und ich bin geblieben. Ich könnte mir auch vorstellen, dass ich in der Zukunft mal in einem Call-Center auf dem Festland arbeiten werde, obwohl ich ein kleines Manko habe. Ich besitze kein Auto, sagte sie. Trotzdem sagt sie: Es gibt doch für alles eine Lösung.
Coach und Dozent in dieser Maßnahme ist der 53-Jährige Andreas Dreschler. Er hat selber einmal an solch einer Maßnahme teilgenommen. Ich hatte auch viel Negatives gehört. Doch ich wollte mich selbst überzeugen. Nach einigen Bewerbungsschreiben war es endlich soweit. Ich konnte einen unbefristeten Arbeitsvertrag unterschreiben. Die Arbeit macht mir sehr viel Spaß und ich habe mich von den positiven Seiten dieser Branche überzeugen können, sagte er. Ich bin aber auch über das Interesse der Teilnehmer überrascht. Viele positive Reaktionen bekam ich bisher. Es ist nicht nur kurz- sondern auch langfristig eine Chance auf dem Arbeitsmarkt Anschluss zu finden, führte er weiter aus. Rosemarie Pietsch meint, diese dreiwöchige Trainingsmaßnahme zur Kenntnisvermittlung in Call-Centern ist ein wichtiger Schritt wieder zurück ins Arbeitsleben vor allen Dingen für ältere Rüganer ergibt sich dadurch eine große Chance.
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