Uferabbrüche und Georisiko an der Steilküste
Land stellt Hilfe zum Küstenschutz vor Sassnitz in Aussicht
Sassnitz (apf). Der Ratssaal des Sassnitzer Rathauses war übervoll, als Stadtpräsident Norbert Thomas am Montag die Sondersitzung der Stadtvertretung zum Thema „Uferabbrüche und Georisiko an der Steilküste der Halbinsel Jasmund“ eröffnete. Doch dies nicht, ohne eine Gedenkminute an die Opfer des Erdbebens und Tsunamiverwüstungen vom Wochenende in Japan einzulegen. Dann nahm die Informationsveranstaltung ihren fast fünfstündigen Verlauf, der mit Informationen zum Thema durch eingeladene Wissenschaftler und Spezialisten begann, bevor dann die anwesenden Einwohner und Stadtvertreter genügend Zeit hatten, ihre Fragen zu stellen.
Dr. Thomas Zarnke vom Schweriner LW-Ministerium, Abteilung Küstenschutz, eröffnete die Vortragsreihe und brachte damit Hoffnung in die Zuschauerreihen. Küstenabbrüche seien nicht ungewöhnlich, weil dies ein natürlicher Prozess sei, der die Natur erst so geprägt hat und weiter prägt. Allerdings liege es in seinem Aufgabenbereich, dort, wo das mit dem Menschen nicht vereinbar sei, den Küstenrückgang zu bremsen. Der Abbruch im Januar diesen Jahres unterhalb der Großen Kummstraße war Anlass, die Küstenschutzsituation in Sassnitz zu prüfen. Eine in den 80er Jahren errichtete Wellenbrecher-Galerie vor der Abbruchstelle ist nicht mehr ausreichend funktionsfähig, da sie zumeist unter Wasser liege. So spülte das Meer die sich entwickelnde Hangausgleichsneigung am Fuß des Kliffes, welche das Kliff stabilisiert, immer wieder weg. Das Kliff sei zudem nicht weiter gesichert, sondern dem marinen Einfluss schutzlos ausgesetzt. „So sehen wir für den bebauten Küstenabschnitt eine Gefährdung und werden Maßnahmen einleiten um diese Gefährdung einzudämmen.“ Eine Vorstudie hierzu gäbe es schon, die vorsehe, die bestehenden Wellenbrecher zu erhöhen und zwei weitere zu errichten und direkt vor dem Kliff einen Geröllwall, vom Kurplatz an in Richtung Norden, aufzubauen um so den Klifffuß zu sichern. Für 2014/15 sollen hier Mittel in Höhe von 5 Millionen Euro in den Haushalt des Landes eingestellt werden.
Damit werde aber nur die marinen Belastungen aus dem Kliff genommen, so Zarnke. Die Wirkungen von Frost, Hitze und Grundwasser müssen ebenso Beachtung finden.
In vielen Beiträgen kam im Folgenden deutlich zum Ausdruck, dass Wasser die Hauptschuld an Küstenabbrüchen trage, Wasser als marine Kraft und Wasser als Niederschlag, wie es Dipl.-Ing. Jörg Gothow (Wastra-Plan) ausdrückte. So habe der Hangabbruch vom 9. Januar an der Promenade eindeutig Wasser aus dem Hinterland als Ursache. In Lohme hatte man durch horizontale Tiefenentwässerung erreicht, einen instabilen Hang, auch durch Senkung des Grundwasserspiegels um bis zu drei Meter, zu stabilisieren.
Auch in der Diskussion spielte das Wasser aus dem Hinterland eine zentrale Rolle. So standen immer wieder Fragen nach künstlichen Vernässungen im Nationalpark im Interesse der Einwohner, die befürchten, dass dieses Wasser in Größenordnungen in den zwischen Kreide und Mergel liegenden Sandschichten versickere und in Richtung Sassnitz abfließe, Druck von „hinten“ auf das Kliff ausübe und schließlich zu Uferabbrüchen führt. Alte, voll gelaufene Kreidebrüche, könnten so auf den Grundwasserspiegel in der Stadt wirken.
Insgesamt zeigte die Veranstaltung das breite Interesse an der Sicherung der Jasmunder Küste. Die Stadtvertreter werden nun die Ergebnisse auswerten und eine Handlungsstrategie entwickeln. Mehr zu den Vorträgen und zur Diskussion lesen Sie nächste Woche.
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