Tourismustag: Kooperationsbereitschaft der Anbieter eingefordert
Prof. Dr. Eisenstein mahnt: „Alle müssen zusammenarbeiten, um Marke Rügen zu stärken“ / Katalog 2012 vorgestellt
Juliusruh (gü). Es geht nur gemeinsam! Das ist die einfache – und doch nicht einfach umzusetzende - Erkenntnis des diesjährigen Tourismustages. Der Vorstand des Tourismusverbandes Rügen konnte am letzten Freitag rund 120 Rügener Vertreter aus Tourismus und Dienstleistung in der Aquamaris Strandresidenz begrüßen. Es sollte an diesem Nachmittag um das Thema „Stärken und Potenziale der Urlaubsregion Rügen“ gehen. Anhand einer repräsentativen Befragung unter 3.000 Teilnehmern sollte den Akteuren auf Rügen vor Augen geführt werden, wie die Markt gemeinsam gestärkt und am hart umkämpften Tourismusmarkt platziert werden kann.
Mit Prof. Dr. Bernd Eisenstein war ein Referent verpflichtet, der den Rüganer bestens vertraut ist. Und er schrieb ihnen abschließend ins Stammbuch: „Zur Umsetzung einer erfolgreichen Marke bedarf es des Kooperationswillen aller Beteiligten - ohne Eitelkeiten. Das ist der entscheidende Faktor im Wettbewerb.“ Eisenstein unterstellte den Anwesenden und Betroffenen: „Da können Sie noch eine Menge machen!“
Die von ihm vorgestellte Studie beleuchtet 134 Feriendestinationen in Deutschland. Anhand der empirischen Daten müssen sich die Rügener Anbieter folgendes fragen: „Wir wen wollen wir was anbieten und wo wohnen die?“, formulierte des der Referent. Seit 2009 sind diese Daten gesammelt worden und werden nun Handlungsgrundlage für den entsprechenden Markenauftritt sein. Rügen steht als Ferienziel Nummer sieben laut der Befragung deutschlandweit unter den TOP 10 da. Übrigens, der direkte Mitbewerber Usedom liegt nach Informationen dieser Zeitung deutlich hinter Rügen.
Soweit, so gut. Die Bettenauslastung ist nach Eisensteins Worten „ok, man klage auf einem hohen Niveau“. Die ist aber kein Grund, sich auszuruhen, wie er betonte. Die Insel Rügen kann in Sachen Bade- und Natururlaub sowie Wellness am meisten bei den Befragten punkten. Der Weiterempfehlungswert ist hoch, Rügen liegt bei der Frage nach einer Kurzreise auf Platz sieben unter den ersten zehn.
Eisenstein stellte fest, dass kaum einzelne Orte von den Befragten genannt wurden, sondern hauptsächlich die Marke Rügen. Immerhin 82 Prozent der Befragten kennen Rügen, 62 haben Sympathie bei der Befragung für die Destination erkennen lassen.Immerhin 35 Prozent sind zu einer Kurzreise bereit, bei den Langreisen sind es noch 23 Prozent.
Mit den Erkenntnissen, dass Bade- und Natururlaub an erster Stelle stehen, muss künftig eine Zielgruppenansprache gestaltet werden, lautet das Fazit in diesem Zusammenhang. Immerhin sind demnach die so genannten Best Ager, junge Leute und Familien die Hauptzielgruppen für Rügener Vermieter, wie der Referent herausarbeitete. Doch durch die Vielfalt auf dem Markt ist die Bindung nicht mehr so groß – man muss Gäste langfristig binden. Und dabei kam noch eine Überraschung heraus: Die Quellmärkte der Zukunft sind Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland für Rügen.
Die Bedingungen sind auf Rügen gut, auch künftig im nationalen und internationalen Wettbewerb mit breiter Brust aufzuwarten. Somit wollen in Zusammenarbeit mit dem Institut für Management und Tourismus der FH Westküste aus Heide der Tourismusverband und auch die Tourismuszentrale Rügen künftig Markenbausteine schaffen, um die Ansprache an neue und bisherige Gäste zu verbessern. Aus diesem Grund müssen alle Anbieter und Leistungsträger der Branche sich unter der Marke Rügen versammeln und ihre Potenziale einbringen. Dies bestätigte übrigens auch Josef Schirgi, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Serfaus-Fiss-Ladis aus Österreich. Er legte anschließend nahe, wie eine erfolgreiche Umsetzung einer Marke in der Praxis aussehen kann.
Referent Eisenstein legte während seiner Ausführungen aber auch den Finger in die Wunde. Es gibt „Baustellen“ auf Rügen, die er als „Schwächen“ bezeichnete. Diese waren während der Befragung deutlich hervorgetreten. Kritisiert wurden von den Befragten das Preis/Leistungs-Verhältnis in der Gastronomie, Angebote beim ÖPNV, mangelnde Beschilderung und auch der Verkehr auf Rügens Straßen. Weiterhin fehlende Schlechtwetterangebote und die Freundlichkeit der Mitarbeiter. Gerade der letzte Punkte veranlasste Eisenstein, den anwesenden Vertretern des Rügener Tourismus ins Gewissen zu reden. „Die Bevölkerung muss den Tourismus wollen. Wenn sich dieses Verhältnis ins Negative umkehrt, wird es für den Standort schwierig“, appellierte er an die Anwesenden, jeden Tag den eigenen Mitarbeitern ein Vorbild zu sein im Umgang mit Gästen.
Die oben erwähnten Markenbausteine sollen in 2012 in die Tat umgesetzt werden. Mit den gewonnenen Daten, die übrigens im Internet auf der Seite des Tourismusverbandes hinterlegt sind, sollen die genauen Ansprachen an die gefundenen Zielgruppen erfolgen.
Während des Tourismustages wurde auch der neue Gastgeberkatalog 2012 vorgestellt. Er ist immer noch das Marketinginstrument neben der ruegen.de, wie es in diesem Zusammenhang hieß. Die knapp 200 Seiten umfassende, von der Tourismuszentrale Rügen herausgegebene Broschüre stimmt den Leser mit einer Reise durch die Urlaubswelten der Insel Rügen ein, gibt im umfassenden Service-Teil einen Überblick über Ausflugsziele, Sehenswürdigkeiten, Freizeitangebote und präsentiert Rügens sonstige touristische Angebote. Im Gastgeberverzeichnis sind wie jedes Jahr Unterkünfte aller Preis- und Ausstattungskategorien – sortiert nach Regionen – aufgelistet.
„Trotz der Konkurrenz aus dem Internet ist und bleibt der Rügenkatalog eines der wichtigsten Werbemittel und Imageträger für die Urlaubsinsel Rügen“, unterstreicht Constance Patrunky, Sprecherin der TZR, gegenüber dieser Zeitung. „Fast 800 Inserenten konnten wir in diesem Jahr gewinnen. Für dieses Vertrauen möchten wir uns bei allen Förderern und Partnern sowie all jenen bedanken, die eine Anzeige in Rügens größtem Gastgeberverzeichnis geschaltet haben“. Der Rügenkatalog 2012 erscheint in einer Auflage von 100.000 Stück – aufgrund wiederholter Gästeanfragen wird ein Teil dieser Auflage in diesem Jahr erstmals auch als digitale Variante auf CD-Rom erscheinen. Sie enthält neben allen Informationen, Texten und Bildern der Printversion auch die Möglichkeit der digitalen Verbindung zu den Kundenplakaten und zur Online-Buchung auf der Internetseite www.ruegen.de.
Mehrere zehntausend Exemplare des Rügenkatalogs werden jährlich von der TZR per Post verschickt. Sie werden sowohl bei Tourismusmessen, so genannten Roadshows und Promotionaktionen als auch durch den Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern vertrieben. Weitere Infos unter: www.ruegen.de
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