Tiefenbohrung an der Steilküste
Untersuchung der geologischen Verhältnisse am Lohmer Hafen
Von Wolfgang Urban
Lohme. Am 19. März 2005 stürzten in Lohme vor und in der Nähe des Gebäudekomplexes Haus Rügen der Evangelischen Suchtkrankenhilfe Mecklenburg gGmbH ca. 100.000 Kubikmeter Material von der Höhe der Steilküste in die Tiefe. Inzwischen hat diese gGmbH ihren Namen mit Vorpommern erweitert und ihre Tätigkeit von Lohme in das einstige Diabetes-Dorf nach Dreschvitz verlagert. Das im März 2005 durch den Uferabbruch unmittelbar an die Kliffkante oberhalb des Lohmer Hafens geratene Gebäude der Evangelischen Suchtkrankenhilfe Mecklenburg-Vorpommern gGmbH ist nach wie vor versiegelt und wartet auf seinen Sturz in die Tiefe. Aber wann wird dies sein? Wie stabil ist der Hang vor diesem Gebäude und weiter entlang des Dorfes?

15. Januar 2007: Tiefenbohrung in der Nähe der Treppe, die zum Lohmer Hafen führt. Am Kran schwebt das Entnahmegerät, das zuvor aus dem Bohrloch gehoben wurde und den Bodenfund aus einer Tiefe von 55 bis 56 Metern beinhaltet. Von links Diplom-Ingenieur Bruno Heppner sowie von der Firma Vormann & Partner Bohrgesellschaft mbH Bohrgeräteführer Wolfgang Matz und Mitarbeiter Eberhard Poschmann.
Die Frage bewegt seit den Kliffabbrüchen viele. Schritt für Schritt wurde das Wissen auf diesem Gebiet seit dem Jahr 2005 erweitert. Bereits am 19. April 2005 fand das sehr gut besuchte Kolloquium Kliffabbrüche Ursachen und Folgen statt. Dessen Beiträge und neuere geowissenschaftliche Ergebnisse liegen seit der zweiten Hälfte 2006 als Fachpublikation in Form eines Doppelheftes der Zeitschrift für Geologische Wissenschaften (ISSN 0303-4534) vor. Besonders wichtig waren hierbei die neuen bis zu 60 m tiefen Bohrungen in Lohme, schätzt Prof. Dr. Ralf-Otto Niedermeyer, Leiter des Geologischen Dienstes im Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie M-V, ein: Sie gaben wertvolle, bisher unbekannte Informationen zu den geologischen Verhältnissen im Bereich der Abbruchstelle. Z.B. konnte eine unterhalb des Gebäudes verlaufende geologische Störung erkannt werden. Außerdem wurden die komplizierten Lagerungsverhältnisse der dortigen Erdschichten genau untersucht und sind nun bekannt. Im Dezember 2006 wurde der nächste Untersuchungsabschnitt in der Ortslage Lohme in Angriff genommen. Dazu gehörte auch eine Tiefenbohrung in der Nähe der Treppe, die hinunter zum Hafen führt. Dort entstanden am Montag dieser Woche die. Mehr Infos dazu in den Bildunterschriften.

Wolfgang Matz hält den Topf mit der Bodenprobe aus einer Tiefe von 55 bis 56 Metern in der Hand, die aus dem Entnahmegerät stammt. Erklärend sagt er: Das ist Feinsand, schluffig, stark Wasser führend. Eigentlich habe er eine Mergelschicht erwartet. Von den Bohrungen gelangen die Bodenproben zur weiteren Untersuchung in ein Labor. Fotos (2): Urban
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