Strandspaziergang und “Flagge zeigen”
Aktionstag im Seebad Binz / Tourismusverband traf sich zur Mitgliederversammlung
Ostseebad Binz/Vaschvitz (gü). Der Zeitpunkt für Aktionen ist gekommen, unterstrich Thomas Wuitschik, Vorstandsvorsitzender des Tourismusverbandes Rügen (TVR), gegenüber rund 100 touristischen Leistungsträgern. Diese trafen sich am letzten Freitag zu ihrer jährlichen Mitgliederversammlung im Radisson SAS Resort Rügen, um nach den Ereignissen rund um den 14. Februar den Blick nach vorn zu richten. Nach der medialen Okkupation der Insel, bei der ein überwiegend negatives Bild gezeichnet wurde, heißt es für private Vermieter, Hoteliers und Gastronomen, Anbieter touristischer Leistungen und weiterer vom Tourismus partizipierender Unternehmer, die Folgen abzumildern und ins Positive umzukehren, so der Vorstandsvorsitzende weiter.
Er verwies darauf, dass sich auf Initiative des TVR sowie der Sparkasse Rügen ein so genanntes Projektteam gebildet hat, das finanzielle Mittel einwirbt und Marketingaktionen und -kampagnen vorbereitet. Neben den beiden genannten arbeiten auch der Landkreis Rügen, die Tourismuszentrale Rügen (TZR), die Kreishandwerkerschaft und der Kreisbauernverband mit. Dies macht deutlich, so Wuitschik, dass alle Wirtschaftszweige der Insel betroffen sind. Die Sparkasse Rügen als Kreditinstitut mit großem Finanzierungsvolumen im Tourismus hat in den Topf 150.000 Euro eingezahlt. TVR und TZR hatten in den entsprechenden Gremien ein finanzielles Engagement von jeweils 20.000 Euro beschlossen. Hierbei wurde während der Mitgliederversammlung allerdings aufgrund des vorgelegten Doppelhaushalts für 2006/07 des TVR nach der Verhältnismäßigkeit seitens einiger Hoteliers mit Blick auf andere Ausgaben gefragt. Nach einer putzmunteren Diskussion einigten sich die Anwesenden darauf, aus den geplanten 20.000 Euro des TVR immerhin 28.000 Euro zu machen. Somit sind in dem berühmten Topf jetzt 198.000 Euro zu finden, die für entsprechende Kampagnen eingesetzt werden können.
Jedoch forderte Wuitschik gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen auch die Solidargemeinschaft aller auf Rügen vom Tourismus lebender Unternehmen, Institutionen, Vereine etc. ein. Der Kommunale Arbeitskreis Tourismus (KAT) hat eine finanzielle Beteiligung in Aussicht gestellt. Auch Sachleistungen werden gern als Hilfe entgegen genommen, in Form von Übernachtungen beispielsweise. Um der Öffentlichkeit zu zeigen, dass ein Aufenthalt auf Rügen nach wie vor eine saubere Sache ist, hatte der Binzer Wirtschafts- und Kulturverein e.V. am letzten Sonntag zur Aktion Rügen zeigt Flagge an den Binzer Strand geladen. Mehrere tausend Menschen versammelten sich zum Spaziergang.
Unter den Spaziergängern war auch Ministerpräsident Dr. Harald Ringstorff (SPD), der mit der Kampagne sympathisierte. Gemeinsam mit Gästen und Einwohnern ging es am Strand entlang, wollten die Gastgeber der Insel ein Zeichen setzen, dass der Rügener Alltag ein ganz normaler sei. In der Hauptstraße sowie an der Strandpromenade spielten zahlreiche Musiker auf, um die Aktion des Vereins zu unterstützen. Mit Fähnchen bewaffnet unternahmen die Menschen einen Spaziergang, um für den Standort Rügen zu werben. Eine finanzielle Hilfe in Form von 750.000 Euro überbrachte Arbeitsminister Helmut Holter (Linkspartei.PDS) während der Mitgliederversammlung am zurückliegenden Freitag in Vaschvitz. Dort überreichte er Landrätin Kerstin Kassner (Linkspartei.PDS) einen Zuwendungsbescheid in Höhe von 500.000 Euro für Lohnkostenzuschüsse für Arbeitgeber, die ab 1. April abgerufen werden können. Diese Hilfe ist auf zwei Monate begrenzt. Weitere 250.000 Euro waren im Gepäck des Ministers für SV-Beiträge der Arbeitnehmer, die im Rahmen der Kurzarbeiterregelegung eingesetzt werden sollen. Diese Unterstützung ist vom 15. April bis 15. Juni begrenzt.
Landrätin Kassner und Vorstandschef Wuitschik dankten dem Minister für die Zuwendungsbescheide. Die Unternehmer können sich auf der Homepage des Landkreises Rügen über die konkreten Antragsformalien informieren (siehe dazu auch nebenstehenden Beitrag Für Tourismusfirmen). Im Verlaufe der Mitgliederversammlung wurde ebenfalls über mögliche Hilfen für Unternehmen des Einzelhandels gesprochen. Hierbei müssten allerdings andere Fördermöglichkeiten ausgeschöpft werden, so Holter. Die überbrachten 750.000 Euro sind ausschließlich für Hotel- und Gaststättenbetriebe vorgesehen. Minister Holter versprach in diesem Zusammenhang, das entsprechende Programm für Einstellungshilfen zu überprüfen.
Wie weiter mit der entstandenen Situation umgehen?, lautete eine Frage, deren Beantwortung promt vom Vorstand kam. Billig ist falsch! Gehen Sie mit dem Preis nicht nach unten, sondern mit der Leistung nach oben. Das ist der richtige Weg für die Insel. Denn der Tourismus auf Rügen hat Schwierigkeiten: Immerhin ist die Zahl der Übernachtungen im letzten Jahr um 50.000 auf 6,97 Millionen gesunken, hieß es im Tätigkeitsbericht des Vorstandes zur Auswertung des Jahres 2005. Auch die Aufenthaltsdauer ist um 0,2 Tage auf 5,2 Tage gesunken. Der Lohmer Hotelier Matthias Ogilvie appellierte an seine anwesenden Kollegen, Geschlossenheit in dieser Zeit zu zeigen. Seiner Meinung nach könne die Insel als touristische Destination nur gemeinsam durch alle Beteiligten gestärkt und erfolgreich vermarktet werden. Vorstandsmitglied Ernst Heinemann: Wir haben Defizite in der Qualität.
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