Seebrücke Sellin, wie kaputt ist sie?
Streit ums Geld entfacht sich besonders an gravierenden baulichen Mängeln
Ostseebad Sellin (gü). Die gute Nachricht zuerst: Die Sellin Seebrücke GmbH betreibt nach der Meldung der vergangenen Woche über eine fristlose Kündigung seitens der Gemeinde die Seebrücke weiter! „Einwohner und Gäste können sich auf die gewohnte Qualität der gastronomischen Versorgung auf dem Wahrzeichen weiter verlassen“, so Heinz Gräpel, Geschäftsführer der GmbH. Die schlechte Nachricht: Pächter und Verpächter streiten sich um die fristlose Kündigung, die Anwälte werden sich in den kommenden Wochen mit der rechtlichen Situation zu befassen haben. Nach Informationen dieser Zeitung haben Bürgermeister Reinhard Liedtke (SWG) und Kurdirektorin Brigitte Pisch am Morgen des 6. Mai versucht, eine sofortige Schlüsselübergabe zu erzwingen. „Wir akzeptieren die Kündigung nicht, stattdessen müssen sich die Gemeindevertreter fragen lassen, ob sie alle Details des schwelenden Streits kannten und kennen, um diese Entscheidung zu treffen“, formuliert es Heinz Gräpel.
Er hatte vor der Sondersitzung noch Unterlagen verteilt, die eine Aufstellung der von der Seebrücke Sellin GmbH getätigten Zahlungen an die Kurverwaltung beinhalten. Hinzu kommt eine Bürgschaft aus dem Jahr 2007, die „am Tag der Sitzung in Höhe von 45.000 Euro um 16 Uhr an den Bürgermeister übergeben wurde“, unterstreicht Heinz Gräpel die Position der GmbH, die zur Hotelgruppe Dr. Hutter gehört.
Bürgermeister Liedtke wurde am 7. Mai in der örtlichen Tageszeitung mit der Forderung zitiert, dass der Pächter der Kurverwaltung als Verpächter Forderungen in Höhe von 138.000 Euro schuldet. Dem scheint eine Vereinbarung zwischen der Kurverwaltung und dem Pächter zu widersprechen, in der umfangreiches Zahlenmaterial über geleistete Zahlungen aufgelistet ist. Diese wurde im August des letzten Jahres unterzeichnet: Von Dr. Michael J. Hutter und Heinz Gräpel für die Seebrücke Sellin GmbH und Reinhard Liedtke als Bürgermeister der Gemeinde Ostseebad Sellin. Der Streit ums Geld entzündet sich augenscheinlich am schlechten Zustand der Seebrücke als Pachtobjekt. Zwar sind im Pachtvertrag jährliche Investitionen durch den Pächter zu tätigen. Doch hat der Verpächter ein technisch einwandfreies Objekt zu übergeben, zeigt sich Heinz Gräpel über die Auffassungen der Gemeinde verwundert.
Dieser Zeitung liegt ein Gutachten vor, das bauliche Mängel in Größenordnungen aufzeigt: Schadhafte Dacheindeckung und Außenwände, undichte Fenster, schadhafte Sanitärinstallation und technische Ausrüstung, ausgetretene Treppen und schadhafte Bohlen und Geländer an der Seebrücke, um nur einige Punkte zu benennen. Diese Mängel sollen alle durch den Pächter behoben werden . . ?
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