Springe zu: Navigation | Inhalt | Aktuelle Themen
Dieser Artikel wurde am 01. November 2007 um 04:26 Uhr in der Rubrik Kultur veröffentlicht. Sie können diesen Artikel auch ausdrucken.

Schinkelpreis: Susanna Misgajski

Ich finde, wir brauchen mehr solche Personen auf der Insel.

Bild

Von links Susanna Misgajski, Landrätin Kerstin Kassner und Putgartens Bürgermeister Ernst Heinemann. Foto: Urban

Von Wolfgang Urban

Arkona. Für ihre Verdienste bei der Erforschung der jüdischen und der DDR-Geschichte auf der Insel Rügen sowie ihr Wirken in den damit verbundenen Projekten verleiht die Gemeinde Putgarten und der Förderverein Kap Arkona e.V. den Schinkelpreis 2007 an Frau Susanna Misgajski. Das steht in der Urkunde, die die diesjährige Schinkelpreisträgerin am vergangenen Samstag vor dem Schinkelturm am Kap Arkona erhielt. Ich finde, wir brauchen mehr solche Personen auf der Insel., hatte zuvor Putgartens Bürgermeister Ernst Heinemann in seiner Laudatio für Susanna Misgajski erklärt. Diese wurde 1956 in Eutin in Schleswig-Holstein geboren und machte hier auch 1975 ihr Abitur. Deutsch und Geschichte studierte sie anschließend in Kiel an der Christian-Albrecht-Universität und machte hier ihren Abschluss als Gymnasiallehrerin. Seit 1987 war sie als Historikerin und Pädagogin im Landesarchiv Schleswig-Holstein und Landesmuseum Schleswig-Holstein. Ihre Forschungen konzentrierten sich auf die regionale NS-Geschichte in Schleswig-Holstein. Als sie 1999 mit ihrer Familie nach Rügen zog und begann, sich hier mit der Geschichte Proras sowie auch darüber hinaus mit der NS-Geschichte auf Rügen und in Mecklenburg-Vorpommern zu beschäftigen, war dies nur in regionaler Hinsicht für sie Neuland. Sie betrat es mit dem gleichen Forschungsgegenstand wie in Schleswig-Holstein, was den solide vergleichenden Blick für die beiden Bundesländer an der Ostsee ermöglichte. Angesichts ihres Universitätsabschlusses als Gymnasiallehrerin und ihrer anschließenden Tätigkeit in Schleswig-Holstein begab sie sich auch nicht auf für sie unbekanntes Gebiet, als ihr Engagement für historische Projekte mit Jugendlichen begann, die in erster Linie die NS-Geschichte betrafen. Gerade diese Projekt-Arbeit mit Jugendlichen wurde in der Laudatio von Bürgermeister Heinemann und in den Gratulationsworten von Landrätin Kassner als vorbildlich und besonders wichtig hervorgehoben. Um so nachdenk-licher stimmt es, dass Susanna Misgajski auf diesem Gebiet die Erfahrung machen musste, dass es in den vergangenen Jahren immer schwieriger wurde, dafür auch Projektpersonalmittel zu bekommen. Im Jahr 2001 war sie für die Projektarbeit mit Jugendlichen zur NS-Zeit hauptamtliche Mitarbeiterin des Prora-Zentrum e.V. geworden. Doch dann wurde seit ca. drei Jahren angesichts fehlender Personalmittel aus der hauptamtlichen Mitarbeit im Verein eine weitgehend ehrenamtliche Tätigkeit. Für Susanna Misgajski ist daher der Schinkelpreis auch eine Ermutigung in einer schwierigen beruflichen Lage.

Als eine positive Botschaft von hier charakterisierte Ernst Heinemann am Ende seiner Laudatio die Schinkelpreisverleihung an Susanna Misgajski. Damit verbunden ist für sie auch der Hoffnungsschimmer, dass die vom Schinkelturm am Kap Arkona in die Welt gesandte Botschaft auch jene erreicht, die Projekte zur Aufarbeitung von Geschichte mit Jugendlichen finanzieren können. Vielleicht ist es ja so, sagte sie schmunzelnd, dass der Schinkelpreis auch dazu führt, dass es ein bisschen mehr Fördergelder für Personalkosten gibt. Zuvor hatte sie verdeutlicht, wie sehr sie sich über die Verleihung des Schinkelpreises gefreut hat.

Es war ein sehr schönes Ereignis für mich, sagte sie und betonte dann bescheiden, dass die erwähnen Projekte mit Jugendlichen nie zustande gekommen wären, wenn da nicht die Jugendlichen gewesen wären, die mit mir diese Projekte durchgeführt hätten. Dankbar verwies sie auch darauf, dass sie als außerschulischer Partner an Schulen auf der Insel Rügen die Jugend-Projekte durchführen konnte. Stellvertretend für die von Lehrern erfahrene Unterstützung nannte sie Jana Romanski, eine sehr engagierte Lehrerin des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums. Zudem hob sie die Bedeutung des Prora-Zentrum e.V. als Projektträger hervor. Sie verdeutlichte, dass das Bemühen um Projekte fortgesetzt wird. Das betreffe auch weiterhin die NS-Geschichte sowie die Geschichte der DDR. Eine Zukunftsvision seien auch internationale Projekte. Es sei wichtig, dass Jugendliche von Rügen und anderer Ostseeregionen die Möglichkeit haben, gemeinsam Geschichtsprojekte durchführen zu können.

« Nächster Artikel
Bergen auf Rügen: Neuer Vorstand gewählt

Vorheriger Artikel »
Kunstfest Rügen