Sassnitz: „Dein Tag für Afrika“ baut Verständnis für fremde Kulturen auf
Nationalparkschule Grundschule „Ostseeblick“ hatte Besuch von jungen Botschafterinnen für Afrika
Sassnitz (apf). Am vergangenen Donnerstag hatte die Nationalparkschule Grundschule „Ostseeblick“ in Sassnitz Besuch vom „aktion tagwerk e.V.“ aus Mainz. Leonie Feldmann und Lisa Janz, die dort derzeit vor ihrem Studium ein Freiwilliges soziales Jahr absolvieren, berichteten den Grundschülern, jeweils in Klassenstufen aufgeteilt, vom Verein und ihren eigenen Erlebnissen, die sie während eines Aufenthaltes im afrikanischen Land Ruanda hatten. Und die Schüler, zum Teil sehr nachdenklich, nahmen diese Informationen interessiert auf.
„Dein Tag für Afrika“ ist eine bundesweite Kampagne für Schülerinnen und Schüler. Organisiert und veranstaltet wird die Kampagne seit 2003 vom Verein „aktion tagwerk e.V.“.
Die Idee von „Dein Tag für Afrika“ ist ganz einfach: Schülerinnen und Schüler gehen an einem Tag im Schuljahr anstatt zur Schule arbeiten und spenden ihren Lohn für Bildungsprojekte in fünf afrikanischen Ländern. Somit setzen sich die Kinder und Jugendlichen in Deutschland für Gleichaltrige in Afrika ein. Unterstützt werden mit dem Erlös der Kampagne Bildungsprojekte des Tagwerk-Projektpartners Human Help Network in Angola, Burundi, Ruanda, Sudan und Südafrika.
Auch 2011 sind alle Schulen bundesweit aufgerufen, sich an der Kampagne „Dein Tag für Afrika“ 2011 zu beteiligen. Der bundesweite Aktionstag findet in diesem Jahr am 21. Juni 2011 statt. Infos unter www.aktion-tagwerk.de.
Nachdem Projekt und Verein durch die Afrika-Botschafterinnen vorgestellt war, ging es dann auch gleich konkret zur Sache. In einem kurzen Film haben sich die Schüler ein Bild machen können, wie Schule in Afrika abläuft und dass das Musizieren auch bei Sprachproblemen verbindet. Dann wurden die Schüler im Rahmen eines Quiz über Ruanda, bei dem man auch die Zahlen 1 bis 3 in Landessprache lernen musste (rimwe, kabiri, gatatu), um sich selbst auf das richtige Antwortfeld zu platzieren.
Oft versetzten die Antworten die Schüler in Erstaunen. Beispielsweise dass die Hauptnahrung im kleinen Ruanda mit großer Bevölkerungsdichte Maisbrei mit Bohnen sei, weil nicht genügend preiswerte Nahrungsmittel zur Verfügung stehen. Auch das für den Schulbesuch bezahlt werden muss verwunderte. Ganz still war es in der Gruppe der 2. Klassenstufe bei einem Foto, das ein Zentrum für 120 Jungen zeigte, die auf der Straße leben mussten, weil sie von den Eltern verstoßen wurden - und im Zentrum einen Schlafplatz und Essen sowie Unterricht erhalten.
Lustig war dann schon die Frage, warum alle Kinder in Ruanda, die in die Schule gehen, kurze Haare haben. Dass dies aus hygienischen Gründen so festgelegt ist, errieten die wenigsten Kinder. Doch Leonie und Lisa erklärten, dass es, besonders auf dem Land, kein fließendes Wasser aus der Leitung gäbe und dieses in Kanistern aus dem Fluss geholt werden muss. So sind kurze Haare besser, gegen Läuse vorzubeugen, die sich bei über 100 Kindern in einer Klasse schnell verbreiten können. Ach so. Und wie unterscheidet man dann Junge und Mädchen? Ganz einfach: Die Jungen haben beige Kleidung und die Mädchen blaue.
Bei einem abschließenden Spiele-Parcours konnten die Schüler anhand originaler Mitbringsel aus Ruanda ihre Sinne im Fühlkasten prüfen, die Geschicklichkeit unter Beweis stellen, ausprobieren wie es sich auf einer harten Schlafmatte liegen lässt oder auch gebastelte Spielsachen bewundern.
Laura, die an diesem Tag ihren 8. Geburtstag beging, Lara, Virginie, Sarah und all den anderen der Klassenstufe 2 hat die etwas andere Unterrichtsstunde sehr gefallen - und auch ein wenig die Augen geöffnet dafür, wie das Leben anderswo so abläuft.
Die Botschafterinnen Leonie und Lisa haben nicht nur großen Beifall von den Schülern erhalten, sondern auch besondere Anerkennung ihrer Art, mit den Schülern umzugehen, vom Team der Schule. Doch den „Zauberstab“, der beim Aufstampfen auf den Fußboden alle Kinder ganz still sein lässt, den mussten sie wieder mitnehmen, denn es warten noch viele andere Kindereinrichtungen auf ihren Besuch.
„In den kommenden Wochen werden wir uns nun noch intensiver im Rahmen von Projekten mit dem Thema ’Afrika’ in allen Klassen beschäftigen“, so Schulleiterin Bärbel Frisch. Und das ist gut so - für das noch bessere Verständnis des Lebens und Lernens der afrikanischen Gleichaltrigen - und des Verstehens!
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