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Dieser Artikel wurde am 13. Februar 2008 um 04:42 Uhr in der Rubrik Lokale Politik veröffentlicht. Sie können diesen Artikel auch ausdrucken.

Rügens Liberale vor dem Scheideweg?

Kreisparteitag der Insel-FDP mit Kandidatenkür zu den Landratswahlen

Bergen auf Rügen (gü). Schicksalstag für die Liberalen! Die Parteiseele kocht, am 1. März findet ein Kreisparteitag sowie eine Mitgliederversammlung statt, auf der ursprünglich der Kandidat für die Wahlen zum neuen Landrat am 22. Juni gekürt werden soll. Aus heutiger Sicht wird die Tagesordnung wohl aber um die Wahl eines neuen Kreisvorstandes erweitert werden müssen, wie aus Parteikreisen gegenüber dieser Zeitung heißt. Hintergrund dafür ist der Rücktritt von insgesamt acht Vorstandsmitgliedern am 4. Februar (der RÜGANER ANZEIGER berichtete).

Ausschlaggebend für den Rücktritt der Vorstandsmitglieder sei die Zusammenarbeit mit dem Vorsitzenden Uwe Ahlers gewesen. „Besser gesagt, die nicht stattgefundene Zusammenarbeit“, moniert Matthias Ewert, gleichzeitig Vorsitzender des Ortsverbandes Bergen auf Rügen, gegenüber unserem Reporter. „Wir haben als Parteimitglieder alle Verantwortung mit der Wahl in den Vorstand übernommen“, unterstreicht Ewert deutlich die einstige Motivation der jetzt ehemaligen Vorständler. „Wir hatten nach der Wahl vom 22. März des letzten Jahres gehofft, dass die bisherige liberale Arbeit im Vorstand der Rügen-FDP fortgesetzt wird. Diese Hoffnungen - auch von neuen Vorstandsmitgliedern - haben sich durch den Führungsstil und die Alleingänge des Vorsitzenden zerschlagen und nicht erfüllt“, so Ewert.

Mittlerweile haben alle acht Damen und Herren ihren Rücktritt schriftlich gegenüber dem Vorsitzenden erklärt. Auch der Landesvorstand der FDP sei informiert worden, wie es in diesem Zusammenhang weiter heißt.

FDP-Kreischef Uwe Ahlers „bedauert die Entscheidungen“ der betreffenden Personen, wie er gegenüber dem RÜGANER ANZEIGER sagt. „Ich muss als Vorsitzender die vakanten Posten im Vorstand nachwählen lassen, das werde ich auch tun“, so Ahlers weiter. Mit Blick auf den Kreisparteitag am 1.März hofft der Vorsitzende „auf ein reinigendes Gewitter“ in der Debatte. Laut Ahlers haben sich der Landesvorsitzende Christian Ahrendt und seine Stellvertreter für diesen Abend angekündigt.

In diesem Zusammenhang gibt Uwe Ahlers zu, die Vorstandsarbeit im zweiten Halbjahr 2007 aufgrund „beruflicher Belastungen“ nicht auf dem Niveau durchgeführt zu haben, wie es anfangs gedacht war. „Hier hat sich mit Sicherheit eine Unzufriedenheit im Vorstand aufgebaut“, so sein Fazit. Trotzdem sieht der ehemalige Dransker Bürgermeister die FDP „gut aufgestellt und mit wichtigen Entscheidungen für die kommenden Monate befasst“.

Hierbei steht an erster Stelle die Kür des Kandidaten für die Wahlen zum Landrat. „Ich werde der Mitgliederversammlung am 1. März den Vorschlag des Kreisvorstandes, Herrn Gerhard Weber, für die Nominierung bekannt geben.“ Selbst hegt Ahlers „keine Ambitionen“, sich um die Kandidatur zu bewerben, wie er gegenüber unserer Zeitung unterstreicht.

Die acht zurückgetretenen Vorstände haben sich zwischenzeitlich in einem gemeinsamen Schreiben an die rund 80 Parteimitglieder auf Rügen gewandt. Dieses Schreiben liegt dem RÜGANER ANZEIGER vor. Dort heißt es unter anderem: „(...) Leider hat der Vorstand unter dem Vorsitz vom Pfr. Ahlers die Arbeit nie aufgenommen. Eine politische Arbeit fand im Jahr 2007 nicht statt und das was angestoßen wurde, wurde meistens unabgesprochen und im Alleingang von Herrn Ahlers durchgeführt. (...) Gespräche über den Führungsstil, das permanente Misstrauen seitens des Vorsitzenden gegen Teile des Vorstandes und die schlechte Delegation und Organisation von Aufgaben, die dann stattdessen unbearbeitet liegen blieben, waren mehr als einmal Thema im Kreisvorstand.“ Die acht Unterzeichner fürchten eine „Spaltung der Partei“, und das mit Blick auf die Landratswahlen im Juni und die Kommunalwahlen im kommenden Jahr.

Uwe Ahlers hingegen sieht mit seiner Wahl am 22. März 2007, „dass bis heute zwei Personen diese Entscheidung des Parteitags nicht verarbeiten können“. Um wen es sich konkret handelt, nannte Ahlers während des Gesprächs mit dem RÜGANER ANZEIGER dabei nicht.

Neben der Nominierung des Kandidaten könnte es zu einem weiteren wichtigen Beschluss kommen: „Wir schließen einen Antrag auf Misstrauensvotum gegen den Vorsitzenden nicht aus“, so Matthias Ewert. „Es kann so nicht weiter gehen. Wir müssen als FDP Rügen schnell eine Klärung in die offenen Fragen bringen. Dabei werden wir uns aller in der Satzung verankerten Mittel bedienen, um schnellstens einen arbeitsfähigen Vorstand zu wählen“, blickt Ewert auf den 1. März. Dabei betont der Bergener Stadtvertreter, dass „weder er, der Ehrenvorsitzende Weber noch der Landtagsabgeordnete Leonhard Ambitionen auf den Posten haben“.

Uwe Ahlers sieht nach eigenen Angaben „keinen Grund“, vom Amt des Vorsitzenden zurückzutreten. Die Liberalen stehen am Scheideweg . . .