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Dieser Artikel wurde am 19. August 2009 um 05:14 Uhr in der Rubrik Lokale Politik veröffentlicht. Sie können diesen Artikel auch ausdrucken.

Rügen: NABU: „Straßenbau contra Wirtschaft und Vogelschutz?“

Nachgefragt bei Marlies Preller vom NABU Rügen

Rügen (apf). In seiner Pressemitteilung vom 20. Juli zum 3. Nachanhörungsverfahren zur B96n wirft der NABU die Frage auf: „Straßenbau contra Wirtschaft und Vogelschutz?“. OSTSEE ANZEIGER - Der Rüganer (DR) hat bei Marlies Preller nachgefragt:

DR: Sie berufen sich im letzten Teil auf die Wirtschaft in Teilen der Insel, die durch den jetzigen Trassenverlauf nicht ausreichend Berücksichtigung findet (Teschenhagen/Rambin). Ich würde das auch gut so finden, allerdings würden dann, eben für die Anbindungen, doch sehr viel weitere Landflächen benötigt? Hätte da der NABU keine Probleme damit?

Preller: Wenn Sie sich die Unterlagen zur B 96n zwischen Altefähr und Klein Kubbelkow ansehen, ist der gewaltige Flächenverbrauch, der der Größe von 63 Fussballfeldern entspricht, offensichtlich. Die Verbände schlagen zur erheblichen Minimierung des Flächenverbrauchs eine in großen Teilen auf der alten Trasse gelegene Variante vor, das wäre ein Vielfaches von dem, was die Straßenanbindungen der genannten Orte benötigen würden. Diese wurde von der DEGES (Herr Rascher) als machbar anerkannt und soll nun im Verfahren geprüft werden. Es ist schon beachtlich, dass jetzt bemerkt wird, dass die Unternehmen in Rambin und Sehlen/Teschenhagen abgehängt bzw. in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung so beeinträchtigt würden, dass ihre Existenz und eine Vielzahl von Arbeitsplätzen in Frage stellt würden. Und das würde verstärkt im westrügenschen Bereich passieren, der ohnehin benachteiligt ist. Warum gibt es eigentlich keinen Aufschrei der Wirtschaftsverbände, auch nicht aus Richtung Ihrer Zeitung? Gegen das europäische Naturschutzrecht (FFH-, Vogelschutz-Richtlinie) wurden sogar Unterschriftenkampagnen gestartet, die nun leider nach hinten losgingen. Denn durch die u.a. dadurch erfolgte Verzögerung der Meldung des Landes an die EU kam es auch zu einer Verzögerung beim Verfahren zur B96n, denn diese Meldung musste erst abgewartet werden und das hat von der 1. Nachanhörung 2005 bis zur 2. im Jahr 2008 gedauert. Im Übrigen hat es doch wohl die Stadt Bergen geschafft, der Kreisstadt für ihr Gewerbegebiet Tilzow im Zuge der geplanten Ortsumfahrung eine Anbindung zu erhalten. Da wird auch zusätzliche Fläche gebraucht. Kann es sein, dass für Bergen eine stärkere Lobby steht?

DR: Wirtschaftlich ist z.B. für die Region Mönchgut der Tourismus von entscheidender Bedeutung. Ist es dann aber legitim, wenn Sie die Verkehrsströme dorthin eindämmen?

Preller:Für uns war von Anfang an klar, dass die Region Mönchgut für den Tourismus von entscheidender Bedeutung ist und eine qualitativ hochwertige Mobilität für die Gäste und natürlich für die Einwohner und den Wirtschaftsverkehr organisiert werden muss. Unsere Vorschläge zielten auf den Ausbau des ÖPNV bis hin zum fahrgeldfreien Busverkehr auf Rügen, wie er jetzt auch immer wieder mal zur Sprache kommt. Wir wollen also nicht zwangsweise Verkehrsströme eindämmen, sondern sie durch attraktive Angebote im Sommer erst wieder ermöglichen. Eine Folge der B96n würde der Kollaps des Verkehrs im Biosphärenreservat Südost-Rügen sein, denn im Sommer würde alles endgültig im Stau erstickt werden. Das im Frühjahr 2008 stillschweigend herausgekommene „Integrierte Verkehrskonzept für die Insel Rügen“ prognostiziert für 2020 bei Lancken-Granitz 25.000 Kfz/Tag im Sommer. Das sind weit mehr als derzeit auf der B96 zwischen Altefähr und Bergen. Gute Nacht Mönchgut. Gute Nacht Urlaubsfreude. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das gut für den Tourismus ist ...

DR: Sie benennen, dass noch die Prüfung einer möglichen Beeinträchtigung des Vogelschutzgebietes „Kleiner Jasmunder Bodden“ fehlt - hat dieses Berührung zur B96n?

Preller: Das hat nicht nur nach meiner Meinung, sondern auch nach der der Anhörungsbehörde Berührung zu den Plänen zum Bau der B96n. Die Flächen gegenüber der Tankstelle an der Umgehungsstraße Bergen in Richtung Sassnitz (ab Kastanie im Feld) sind nämlich großräumig zur Gewinnung von Bodenmaterial zum Bau der Straße vorgesehen. Auf 17,5 ha sollen 313.400 m³ Bodenmasse abgebaut werden. Hier halten sich Gänse und andere Vogelarten auf, die z.B. auf dem Nonnensee rasten. Man hat also erkannt, dass die Auswirkungen der Baumaßnahmen nicht bei Klein Kubbelkow aufhören, sei es bezüglich des Vogelschutzes oder wirtschaftlicher Art.

DR: Immer wieder sprechen Sie vom Ausbau der bestehenden B96, wohl wissend, dass der Verkehrswegeplan Deutsche Einheit festschreibt, dass ein Ausbau nicht, ein Neubau sehr wohl gefördert wird. Wer sollte denn den Ausbau finanzieren? Und wie stellt sich der NABU einen Ausbau im Betrieb der B96 vor? Es ist die einzige Magistrale auf Rügen. Wäre es besser, wenn die B96 für die Zeit des Ausbaues gesperrt würde und der Verkehr durch die Alleenstraße geleitet wird?

Preller: Die Umweltverbände haben zur 3. Nachanhörung eine optimierte Variante vorgelegt, die einem Neubau entspricht, dennoch zu großen Teilen auf der alten Trasse erfolgen kann, d.h. ein Neubau muss nicht zwingend auf einer neben der B 96 gelegenen Trasse stattfinden. Wir möchten auch Totalsperrungen vermeiden, das ist möglich, wie unser Verkehrsexperte an anderen Beispielen aus Deutschland nachweisen konnte. Übrigens wurde die B96 bei Sagard für den Brückenbau (ohne B96n !) ja wohl auch gesperrt... Den Rest Ihrer Frage kann ich natürlich nur bestätigen, was Sie mit „Bahnübergänge sind nicht mehr genehmigungsfähig“ meinen, verstehe ich nicht. Wenn Sie das Blinklichtprogramm der Bahn meinen sollten, das war auch nur ein Nebelgeschoss der DEGES auf der letzten Anhörung. Es wurde nicht mal mehr erwähnt.

DR: Was den Vogelschutz betrifft - ich bin ein Liebhaber unserer Natur. Doch ist es nicht so, dass Sie hier über Landwirtschaftliche Nutzflächen reden, wenn Sie sagen, dass wir für ausreichend Nahrung für die Vögel sorgen müssen? Wer bewirtschaftet und bestellt die Flächen? Sind das nicht die Landwirte? Wer bezahlt deren Rechnung? Ich würde Ihnen hierzu ein Angebot machen: Ich besorge ausreichend Flächen, die als Nahrungsplätze genutzt und bestellt werden. Der NABU stellt das dazu benötigte Geld und Personal zur Verfügung.

Preller: Alle sind für die Natur, nur wie sieht es aus, wenn es konkret wird ... ? Die DEGES wird begeistert sein über Ihren Vorschlag, ausreichend Flächen, die als Nahrungsplätze genutzt und bestellt werden können, zu besorgen. Sie hat damit schon vor der Anhörung ein Büro beauftragt. Anscheinend war ihr schon längst klar, dass sie ohne Managementplan für die Rastflächen gar nicht weiter kommen wird (inkl. Finanzierung - auch ohne NABU). Nun können die echt Geld sparen durch Sie. Soll ich Ihren Vorschlag weiterleiten?