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Dieser Artikel wurde am 10. März 2010 um 07:16 Uhr in der Rubrik Titelthema veröffentlicht. Sie können diesen Artikel auch ausdrucken.

Rügen: Gedenken gegen das Vergessen

Friedensandacht auf dem Sassnitzer RügenPlatz fordert: Nie wieder Krieg!

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Vor brennenden Kerzen und dem Kreuz aus Stahl, das ein Künstler aus Schrott einer Bombe fertigte, schworen sich Rüganer auf dem RügenPlatz: „Nie wieder Krieg!“ Foto: Pfaffe

Sassnitz (apf). Noch immer liegt ein Zittern in der Stimme, wenn ältere Sassnitzer von den Abendstunden des 6. März 1945 erzählen. Zum 65. Mal jährte sich am Samstag jener Tag, an dem 1945 alliierte Flugzeuge Bomben auf den militärisch-strategischen und bis dahin unversehrten Hafen Sassnitz abwarfen und dabei auch Teile der Stadt zerstörten.

„Da der Hafen in den letzten Tagen des Krieges auch verstärkt Rückzugsort für kämpfende Truppen als auch für Lazarettschiffe und Flüchtlinge war, ist die Anzahl der Opfer des Bombenangriffs für die damaligen gemeindlichen Verhältnisse sehr hoch. Die Gemeinde selbst war in starkem Maße gefordert, die Toten beizusetzen. Da der Friedhof an der Waldmeisterstraße nicht ausreichte, wurde im Dwasiedener Wald ein Friedhof für die Opfer des Bombenangriffs angelegt“, so der Sassnitzer Bürgermeister Dieter Holtz.

Seit Jahren gedenkt die Stadt dieser Opfer, auch durch die Aufarbeitung dieses Kapitels der Geschichte. Auch am vergangenen Samstag gedachten die Sassnitzer mit Kranzniederlegungen an den Gräbern der Toten, um anschließend im Rathaus gemeinsam über das Geschehene zu sprechen. Am Abend versammelten sich dann 300 Sassnitzer und Rüganer, um bei einer Friedensandacht auf dem RügenPlatz ihrer Forderung „Nie wieder Krieg!“ Gehör zu verschaffen. „Wir erinnern in Würde und mit der Bereitschaft zur Versöhnung. Wir verabscheuen die Ideologie, die zum 1. September 1939 geführt hat, verabscheuen das Gedankengut, das Menschen in wertvoll und wertlos, in Herrenmenschen und Untermenschen sortiert hat. Wir verabscheuen nicht die Menschen, die so denken, denen reichen wir die Hand, um sie einzuladen zu einer kritischen Auseinandersetzung mit ihrem Gedankengut und laden sie ein, wirklich Bürger unserer Gesellschaft zu werden, in der Menschenwürde für jeden Menschen gilt, der in unserer Mitte lebt“, so Pastor Peter Nieber.

An diesem Tag hatte die NPD M-V zu einem Trauermarsch durch die Stadt aufgerufen, dem etwa 150 Anhänger folgten. Dieser stand unter dem Motto „Die Freiheit zertrümmert - kein Vergeben - kein Vergessen“ und zeigt einmal mehr die Verdrehung geschichtlicher Tatsachen. Rügen hat dem Vorhaben aber den Rücken gekehrt.

Geschichte darf nicht verdreht und missbraucht werden!

Gemeinsame Mitteilung der Jungen Liberalen, Jungen Union und Jungsozialisten von Rügen und HST

Sassnitz (DR). Die demokratischen, politischen Jugendorganisationen auf der Insel Rügen und in Stralsund – die Jungen Liberalen, die Junge Union und die Jungsozialisten – verurteilen den Aufmarsch der rechtsextremen NPD am vergangenen Samstag in Sassnitz. In einer gemeinsamen Mitteilung erklären die Jugendorganisationen: „Unter dem Vorwand eines Trauerzuges aus Anlass des 65. Jahrestages des Bombardements der Hafenstadt während des Zweiten Weltkrieges versuchten die NPD sowie weitere neonationalsozialistische Anhänger ihre völkerverhetzende, fremdenfeindliche und diktatorische sowie undemokratische Ideologie zu propagieren. Dabei sollte jedem Deutschen bewusst sein, bei wem die Hauptschuld des Ausbruches des Zweiten Weltkrieges lag, der mehr als 55 Millionen Menschenleben forderte. Niemand sollte sich von demagogischen Parolen und geschichtsverdrehenden Behauptungen dieser extremen Menschen verblenden lassen. Die jungen und demokratischen Kräfte appellieren daher an alle Bürgerinnen und Bürger diesen abgehaltenen Aufmarsch und die Ideologie der NPD ebenso zu verurteilen. Denn Freiheit im Sinne des Grundgesetzes, die als fadenscheiniges Motto für den Aufmarsch galt, kennen diese neonationalistischen Gruppierungen nicht. Wir als junge demokratische Menschen verstehen die Freiheit als kostbares Gut, das das Individuum in den Vordergrund stellt und nicht, so wie es die NPD sieht, die Volksgemeinschaft, die der Persönlichkeit keinen Raum lässt. Aus diesem Grunde rufen die JuLis, die JU sowie die Jusos insbesondere die junge Generation auf: Setzt ebenfalls ein Zeichen! Lasst euch nicht provozieren und lehnt Extremismus in jedweder Form ab, egal ob linker oder rechter! Bekennt euch zu einer Gesellschaft, in der ihr persönlich eure eigene Freiheit bestimmen könnt und die es erlaubt würdevoll und gleich vor dem Gesetz in Deutschland miteinander zu leben. Die JuLis, die JU und die Jusos lehnen eine Teilnahme an gewaltbereiten Zügen kategorisch ab. Stattdessen streben sie eine Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte an und begrüßen politische Gespräche, die dem menschlichen Wohl eines jeden Einzelnen dienen.“