Rügen: Frauenberatung ...
... bei kriselnden Familienbeziehungen
Bergen auf Rügen (apf). Auch wenn derzeit in verschiedenen Medien die Kampagne geführt wird, Frauen seien im häuslichen Bereich genau so gewaltbereit wie Männer - autorisierte Studien und die polizeiliche Kriminalstatistik beweisen das Gegenteil. Auch Petra Jans und Marianne Wallis von der Rügener Kontakt- und Beratungsstelle für Opfer häuslicher Gewalt des Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Rügen e.V. können dies aus ihrer täglichen Arbeit heraus nur unterstreichen. Denn auch auf der Insel gibt es immer wieder körperliche, seelische und sexuelle Misshandlungen von Männern gegenüber Frauen, die innerhalb der häuslichen Gemeinschaft ausgeübt werden. „Wir arbeiten parteilich für Frauen und Mädchen, unsere Beratung erfolgt vertraulich und den Betroffenen entstehen keine Kosten“, erklärt Marianne Wallis. Jedes Jahr kommen etwa 100 Frauen in die Beratungsstelle in der Bahnhofstraße 27 in Bergen, Frauen, die nicht mehr ein noch auch wissen, um hier Hilfe für ein normales menschenwürdiges Leben zu erfahren.
„Doch die Frauen, die unsere Hilfe in Anspruch nehmen, sind nur ein geringer Teil der Betroffenen. Die Dunkelziffer liegt weit höher“, ergänzt Marianne Wallis. Denn das Entstehen von Gewalt im häuslichen Bereich ist meist ein fließender Prozess. Besonders psychische Gewalt, wie z. B. Beschimpfungen, die Verweigerung der Anerkennung, Kontaktverbote zu Freunde und Verwandten werden von vielen Frauen nicht wirklich als Gewalt wahrgenommen. Einige denken: „bei mir ist es ja noch nicht so schlimm“ und trauen sich vielleicht nicht, dass Unterstützungsangebot der Kontakt- und Beratungsstelle zu nutzen. Deshalb haben wir das äußere Erscheinungsbild unserer Beratungsstelle erweitert. Schon von weitem sichtbar, liest man das Wort „Frauenberatung.“ „Jede Frau, die irgendwie bedrückt ist wegen der Zustände in der Partnerschaft kann bei uns Hilfe erfahren. Denn es muss nicht immer erst zu körperlicher Gewalt kommen“, macht Marianne Wallis ein Angebot. Lange bevor der große Knall hinter verschlossenen Fenstern und Türen ausbricht, deutet sich dieser, von den Betroffenen zumeist unbemerkt oder nicht als solcher erkannt, an. Ob Beziehungsprobleme, Trennung/Scheidung oder finanzielle und soziale Notlagen - Gewalt ist nie ein Mittel zur Problemlösung. Denn Gewalt eskaliert die Probleme.
Die Frauenberatung bietet hier entlastende Gespräche mit den betroffenen Frauen an, denn das „darüber reden“ ist meist der erste Schritt zur Änderung der eigenen belastenden Lebenssituation. Und: Gemeinsam findet man Wege aus der Gewalt. Als Notruf für Frauen sind Petra Jans und Marianne Wallis von Montag bis Freitag unter (03838) 201793 oder (0171) 3710694 zu erreichen. Übrigens: Beide Frauen vereinbaren gerne auch einen Gesprächstermin mit Ihnen an einem Ort Ihrer Wahl.
Am Wochenende und an Feiertagen erhalten Betroffene von häuslicher Gewalt Hilfe über den Notruf 110 der Polizei. Diese hat die Möglichkeit den Täter bei häuslicher Gewalt bis zu 14 Tagen aus der Wohnung zu verweisen. Wenn Frauen nicht in der Wohnung bleiben können, weil die Gefahr zu groß ist, können sie in einem geschützten Wohnraum untergebracht werden.
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