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Dieser Artikel wurde am 02. Dezember 2009 um 06:37 Uhr in der Rubrik Allgemeines veröffentlicht. Sie können diesen Artikel auch ausdrucken.

Rügen: Ein Leben mit Engagement und großen Erfolgen

Eine außergewöhnlich engagierte Frau - Hildegard Hacker feiert heute ihren 70. Geburtstag

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Hildegard Hacker kurz vor ihrem 70. Geburtstag in ihrer Wohnung im Sagarder „Haus Kunterbund“. Foto: Pfaffe

Sagard (apf). Es war eine schwere Zeit, in die Hildegard Hacker am 2. Dezember 1939 in Ostweide (Niederschlesien) geboren wurde. Der zweite Weltkrieg hinterließ seine vernichtende Spuren und so musste sie am 29. Juni mit ihrer Mutter die Heimat verlassen. Sechs Wochen lang ging es über die Landstraße nach Berlin-Reinickendorf, um schließlich in Babelsberg, bei der Tante, ein neues zu Hause zu finden. Als die Tante am 3. Weihnachtstag 1945 in Spandau heiratete, war die sechsjährige Hildegard nicht nur ein glückliches Blumenmädchen, sondern genau an diesem tag kam die frohe Nachricht über einen Boten, dass der Vater, der wie viele Väter und Söhne in den Krieg ziehen musste, lebt. „Welch ein Tag!“, erinnert sich Hildegard Hacker noch heute. Doch es sollte noch vier Jahre dauern, bis der Vater endlich nach Hause kam.

Vor einiger Zeit hat Hildegard Hacker ihre Schule noch einmal besucht, in die sie 1946 in Babelsberg eingeschult wurde. „Sie gibt es tatsächlich noch, nur ist sie viel schöner jetzt, als damals!“ Und Erinnerungen kamen auf an eine Zeit, da sie selbst sehr viel krank war und das Leben, so kurz nach dem Krieg, nicht gerade einfach. An Vielem hat es gefehlt und dennoch waren die Menschen froh und glücklich darüber, dass der Krieg endlich vorbei war.

„Nach der Schule begann ich 1955 meinen Traumberuf, Friseurin, zu erlernen und habe dann noch zwei Jahre bei meinem Lehrmeister als erfolgreiche Damen- und Herrenfriseurin arbeiten dürfen“, schaut sie zurück. Und sie sieht noch heute genau vor sich den 23. November 1959, als sie ihren Wilhelm in Charlottenburg auf dem Bahnhof zum ersten Mal gesehen hat. „Er kam mit seinem Freund aus dem Kino und ich von meiner Tante. In Babelsberg, beim Aussteigen, hat er mich angesprochen und gefragt, ob er mich ein Stück begleiten darf ...“ Nun sind es 50 Jahre geworden, dass Wilhelm Hacker seine Hildegard begleitet, in guten, wie in schlechten Zeiten, denn am 2. April 1961 haben sich beide verlobt, bei der Tante in Spandau, bei der Hildegard Jahre zuvor als Blumenmädchen zur Hochzeit Blumen streute. Pfingsten 1961 war Hildegard erstmals auf Rügen und hat hier ihre Schwiegermutter kennen gelernt, denn Wilhelm ist echter Sagarder, hatte mit seinen Eltern im heutigen Haus „Kunterbunt“, der früheren Fleischerei Hacker gelebt.

Geheiratet haben Hildegard und Wilhelm schließlich am Montag, 7. August 1961 in Berlin-Tiergarten, sechs Tage, bevor eine Mauer Berlin bis 1989 teilen sollte. „Ich habe in Westberlin gearbeitet“, erzählt Hildegard Hacker, „und plötzlich kamen wir nicht mehr nach Hause. Ich war das letzte Mal am 2. August in Babelsberg, um mein Brautkleid zu holen, weil man erzählte, dass allen, die in Westberlin arbeiten, der Ausweis weggenommen werde - und dann diese Mauer ...“

Erst im Januar 1964 gab es ein eher zufälliges Wiedersehen mit der Familie aus dem Osten „Unter den Linden“ in einem Cafe’. Die Freude war natürlich groß, denn so konnten Hildegards Eltern endlich die am 18. Oktober 1962 geborene Enkeltochter Marina einmal selbst in den Händen halten, die für Hildegard und Wilhelm das kleine Familienglück perfekt machte. Im Zuge der Familienzusammenführung kam Schwiegermutter Hacker 1969 und Hildegards Eltern 1981 nach Westberlin. „Daran schloss sich eine besonders schöne Zeit an, die wir viel gemeinsam verbrachten.“ Zur Wende im Jahre 1989 stellte sich Fleischermeister Wilhelm die Frage, ob man nicht wieder nach Rügen wolle. „Wir packen das an“ war die Antwort seiner Frau, die bis 1995 dann die Fäden in der hand hielt, das Familienerbe in Sagard wieder zu erhalten und zu restaurieren, weil der Mann in Berlin Geld verdienen musste. Seit Sommer 1995 gibt es nun wieder eine Familie Hacker in Sagard. Noch dazu eine, die überaus engagiert ist, den schlimmen Zeiten mit Krieg und Trennung schon in den Anfängen zu wehren und auch dafür, dass das Leben jeden Tag ein wenig lebenswerter wird.

Im April 1998 trat Hildegard Hacker dem Rügener DRK bei und fünf Monate später wurde sie zur Ortsvorsitzenden der DRK Ortsgruppe Sagard gewählt, der sie seitdem mit sehr großem Erfolg vorsteht. Und: Sie ist immer auf Achse, motiviert ihre ehrenamtlichen Mitstreiter und auch andere Rüganer und ist die Gute Seele der Gruppe. Seit April diesen Jahres hat sie ein weiteres Ehrenamt angenommen - als Heimfürsprecherin im Bergener Seniorenzentrum „Am Park“.

Hildegard Hacker kann nicht anders - und wenn es anders wäre, dann wäre sie nicht Hildegard Hacker! „Man kann nicht anfangen die Gemeinschaft zu suchen, wenn man irgendwann einmal alleine dasteht“, ruft sie auf, sich für die Gemeinschaft zu engagieren und meint in diesem Sinne auch: „Wenn man jemandem etwas Gutes tun will, schenke man ihm ein Ehrenamt.“ Am heutigen Mittwoch, 2. Dezember 2009, begeht Hildegard Hacker im Kreise ihrer Lieben von 10 bis 13.30 Uhr im Ristaurante Villa Italia in Sagard ihren 70. Geburtstag. Damit wurde sie heute überrascht - so, wie sie das so oft mit anderen macht.

OSTSEE ANZEIGER wünscht einer außergewöhnlich engagierten Frau, Hildegard Hacker, einen wunderbaren Geburtstag und viel Kraft und Gesundheit für die Zukunft, dass sie all die vielen großen und kleinen Vorhaben umsetzen kann, die sie sich für Sagard und Rügen vorgenommen hat.