Rügen: B96n - Trassenbündelung macht Bau erst möglich
Neue Rügener Magistrale könnte Ende 2012 für Verkehr freigegeben werden

Insgesamt 17 Brückenbauwerke werden im Zuge der B96n von Altefähr bis Bergen errichtet. Ein besonderes weil einmaliges Bauwerk dürfte die „Kreuzung“ von Bahn und Straße bei Scharpitz sein, die in Funktion einer Straßenunterführung realisiert wird. Dies war die einzige Möglichkeit, um den Anforderungen des Schutzgebietes zu entsprechen. Wenn im nächsten Jahr Baustart sein kann, dann wird übrigens auf der gesamten Länge der künftigen B96n gebaut, so Joachim Rascher. Foto/Animation: DEGES
Rügen (apf). Etwa 40 Rüganer waren der Einladung des AutoClubEuropa am vergangenen Freitag in das Bergener Hotel „Ratskeller“ gefolgt, um sich zum aktuellen Stand zum Ausbau der B96n zwischen Altefähr und Bergen zu informieren. Eingeladen hatte ACE-Kreisvorsitzender Rügen/Stralsund, Werner Kühnlenz, Diplomingenieur Joachim Rascher, Projektleiter der DEGES, Ralf Sendrowski, Leiter des Straßenbauamtes Stralsund und Kerstin Kassner, für die auf Grund terminlicher Verhinderung Ralf Langkammer Rede und Antwort stand.
„Vom 13. bis 18. Juli findet nun die dritte Nachanhörung im Planfeststellungsverfahren zum Bau der B96n statt. Sollte hier Übereinkunft erzielt werden, könnten wir noch in 2009 mit dem Planfeststellungsbeschluss rechnen. Wenn dieser Bestandskraft erhält, könnte im Mai nächsten Jahres Baustart sein und im Dezember 2012 die neue B96n für den Verkehr zwischen Altefähr und Bergen freigegeben werden“, fasste Joachim Rascher die Zeitschiene des Projektes zusammen. Doch er unterstrich auch, dass es nicht an der DEGES liege, ob die Zeitschiene so funktioniere. Wenn gegen den Planfeststellungsbeschluss vor dem Bundesverwaltungsgericht von Kritikern Klage erhoben werde, dann dürfte mit weiterem Verzug des Vorhabens zu rechnen sein.
„Wenn wir heute beispielsweise die Strelasundbrücke neu bauen müssten, dann ständen wir vor einem großen Problem“, so Rascher. In den vergangenen Jahren haben sich die gesetzlichen Bestimmungen im europäischen Naturschutz dramatisch verstärkt - nicht nur im Zuge der Planungen der B96n, sondern in allen Bundesländern trifft dies zu. Nur sei die Besonderheit der Insel Rügen eben, das hier viele „Schutzfaktoren“ aufeinander treffen. Beispielsweise war zu beachten, dass im Westen und im Südosten zwei Vogelschutzgebiete an die Insel grenzen. Zu den Wasserflächen müssen nun auch Landflächen als Rast- und Futterflächen geschaffen werden, so will es das Gesetz. Bis heute seien diese Vogelschutzgebiete noch nicht nach Landesrecht unter Schutz gestellt. Deshalb wird der Landkreis Rügen diese Gebiete als „vorgezogene Maßnahme“ als Landschaftsschutzgebiete bis Ende Juni ausweisen. Damit wären weitere Hausaufgaben gemacht, um das Planfeststellungsverfahren erfolgreich zum Abschluss zu bringen.
Während der Schilderung dessen, was die DEGES seit der zweiten Nachanhörung im Juli vergangenen Jahres unternommen hat, gewann der Zuhörer den Eindruck, dass der Bauingenieur Joachim Rascher zum Naturschutzexperten nachgeschult hat. „Muss man ja auch“, sagt dieser. Schließlich gehe es bei seinen Projekten immer darum, langfristige Projekte im Einklang zwischen Mensch und Natur zu planen und zu realisieren. Deshalb auch die neue Trassenführung der künftigen B96n. „Mehr Bündelung geht nicht“, sagt Rascher und meint damit, dass durch Überarbeitung der Pläne das durch den Bau der neuen Rügener Magistrale benötigte Areal weiter minimiert wurde und damit auch, besonders im Kubbelkower Wald, weniger Bäume weichen müssen. So wird die alte und die neue B96, mit Ausnahme der Ortsumgehungen Rambin und Samtens parallel zueinander verlaufen. Die B96n als Kraftfahrtstraße und die alte B96, die ebenso wie der alte Rügendamm fester und dringend benötigter Bestandteil des Rügener Verkehrskonzeptes ist und bleibt. Schließlich ergeben die Hochrechnungen, dass im Jahr 2025 rund 30.000 Fahrzeuge täglich den Strelasund passieren. Ralf Sendrowski fügt dem hinzu, dass der Plan einen Radweg von Altefähr bis Samtens vorsieht. Zwischen Samtens und Bergen werde es auf der alten B96 links- und rechtsseitig der Straße abmarkierte Radwege geben. Die B96n hingegen erhält zwei Fahrspuren und einen Zusatzstreifen.
Die Frage von Bergens Bauausschussvorsitzenden Peter Heinemann, warum die Bauzeit nicht verkürzt werden könne, wurde mit dem Verweis, dass auch hier naturschutzrechtliche Belange eine wesentliche Rolle spielen, denn zu gewissen Zeiten darf nicht gebaut werden.
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