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Dieser Artikel wurde am 10. Februar 2010 um 06:56 Uhr in der Rubrik Wirtschaftsnachrichten veröffentlicht. Sie können diesen Artikel auch ausdrucken.

Personenverkehr zur Insel Hiddensee: Situation und Kritik

Rügen-Hiddensee mit dem Hubschrauber: „Das Beförderungsentgelt beträgt pro Person 50,- Euro“

Von Wolfgang Urban

Insel Hiddensee. Am Montag erklärte Manfred Gau, Bürgermeister der Gemeinde Hiddensee: „Nachdem es am Samstag dem Tonnenleger GÖRMITZ gelang, bis nach Schaprode durchzubrechen, konnte am Sonntag kurzfristig eine Versorgung der Insel mit den notwendigsten Waren des täglichen Bedarfs durchgeführt werden. Eine zweite Belieferung mit der GÖRMITZ konnte heute in den Morgenstunden erfolgen.

Aufgrund eines Havariefalles im Greifswalder Bodden muss die GÖRMITZ heute das Revier verlassen. An dieser Stelle bedanke ich mich herzlich beim Wasser- und Schifffahrtsamt und der Besatzung der GÖRMITZ für den harten Einsatz im Eis und der Insellogistik in Bergen für den Nachteinsatz zur Versorgung der Insel Hiddensee. Am Sonntag gelang es zudem, die MF Vitte durch das durch die GÖRMITZ gebrochene Fahrwasser in die Ostsee zu verholen. Die MF Vitte wurde am Sonntag über die Ostsee zu Reparaturarbeiten nach Rostock verbracht. Wann die MF Vitte wieder in Dienst gestellt werden kann, ist aktuell nicht bekannt.

Es war vorgesehen, zum Ende der Woche eine weitere Einsatzfahrt mit der GÖRMITZ durchzuführen. Aufgrund der absehbaren Witterungsverhältnisse (Wind) kann diese Fahrt voraussichtlich nicht durchgeführt werden, da die GÖRMITZ aufgrund des niedrigen Freibords nur bis zur Windstärke 5 eingesetzt werden kann. Der Personentransport sowie der tägliche Transport von Post und Medikamenten wird weiterhin mit dem Hubschrauber der Usedomer Fluggesellschaft durchgeführt.“ Zu diesem Personentransport teilte die Gemeinde Hiddensee mit: „Gegenwärtig besteht eine Verbindung mit dem Hubschrauber zwischen Schaprode auf Rügen und Vitte auf Hiddensee. Geflogen wird in Abhängigkeit von den Witterungsbedingungen von ca. 8 bis ca. 17 Uhr. Personen, die fliegen möchten, finden sich bitte in den jeweiligen Häfen ein. Pro Flug können bis zu 3 Personen befördert werden. Es wird darum gebeten, das Gepäck klein zu halten. Das Beförderungsentgelt beträgt pro Person 50,00 EUR.“

Wie konnte es dazu kommen, fragen sich jetzt viele? War der Fährverkehr nicht richtig auf den Winter vorbereitet? Es sei „erstaunlich“, erklärte Thomas Gens, Fraktionsvorsitzender der CDU in der Gemeindevertretung des Seebades Insel Hiddensee, „dass es offenbar möglich und nötig ist, mit einem kleinen Eisbrecher die Fahrrinne von Lauterbach zur Insel Vilm befahrbar zu halten, wenngleich ein Maschinenschaden auf einem Schiff der Reederei Hiddensee ausreicht, die Verbindung zur Insel völlig zusammenbrechen zu lassen. Woanders funktioniert es, weil die Verantwortlichen vorbereitet sind – während auf Hiddensee sich über einen Eiswinter gewundert, wieder einmal nur reagiert und den Gegebenheiten hinterhergerannt wird. Sicher sind technische Probleme am Fährschiff immer möglich und niemandem vorzuwerfen, aber ein Schiffsschaden am Winteranfang kann nicht dazu führen, dass eine Insel in einem noch härterem Eiswinter womöglich von Dezember bis Ostern ohne Fährverbindung zum Festland bleiben könnte, nur weil kein Ersatzschiff oder Alternative zur Verfügung steht. Wir verstehen durchaus die Investitionen der Reederei in den Sommertourismus mit Neubau Cabrio-Schiff und Schiffsverlängerungen der letzten Jahre, aber nur dann, wenn auch in den Versorgungsauftrag der Insel im Winter investiert und auch erfüllt wird.“

Kritik in diese Richtung ist gegenwärtig viel zu hören. So stellt Andreas Zeeck in einem Schreiben als „Hiddenseer, der sich so seine Gedanken macht“ fest: „Fakt ist: ein ,moderner Boddenkreuzer’ kann solch starkes Eis nicht knacken. Aber dann nur eine eisbrechende Fähre im Einsatz zu haben, ohne Reserve bzw. Unterstützung von Schleppern, ist, wie sich zeigt, ein Fehler.“ Krasser drückt dies Kay Zeisberg aus: „die Reederei, welche monopolistisch den Versorgungsauftrag hat, verfügt nur über ein einziges eistaugliches, aber leider altes Schiff, und wenn es kaputt geht, dann ist es eben kaputt – abwarten und teetrinken! Und im Sommer wieder Kasse machen mit den Urlaubern…“

Hier entsteht indes die Frage: Was ist eigentlich zur Versorgung von Hiddensee bei extremen Eisgang mit der Reederei Hiddensee vertraglich geregelt? Ist die Reederei überhaupt verpflichtet worden, auch Vorsorge für einen solchen Fall zu treffen? Wenn dies nicht verbindlich geregelt ist, stellt sich die folgende Frage: Sind die Gemeinde Hiddense, der Landkreis und das Land wirklich ihrer Verantwortung zur Versorgung von Hiddensee und zur Absicherung des öffentlichen Personennahverkehrs zwischen Rügen und Hiddensee gerecht geworden? Muss nicht mehr getan werden, als auf Hubschrauberflüge zu verweisen? Wie lange müssen die Hiddenseer und ihre Gäste die 50-Euro-Flugkosten zahlen?