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Dieser Artikel wurde am 14. März 2007 um 04:57 Uhr in der Rubrik Kommentare und Anmerkungen veröffentlicht. Sie können diesen Artikel auch ausdrucken.

Periculum in mora*)

Eine kleine Glosse aus dem Leben auf der Insel

Wie erst heute bekannt wurde, ist es einem hiesigen Reporter zu verdanken, in Zusammenarbeit mit den dafür zuständigen amtlichen Stellen einer gefährlichen extremistischen Gruppe, die sich hier auf der Insel eingenistet hat, auf die Schliche zu kommen. Es gelang unserem Gewährsmann nämlich unter Missachtung der eigenen Gefahr, in die er sich begab, das Protokoll der letzten Beratung des Jahres 2006 in seinen Besitz zu bringen.

So heißt es z.B. im Punkt 1 des Protokolls:

...danken wir den Bürgern der ehemaligen DDR für ihren Mut zur Veränderung. Damit haben sie erreicht, dass wir uns hier im Territorium in den letzten Jahren um mehr als 800 Prozent vermehren konnten, die Verfolgung aufhörte, die Tötung der Unsrigen unterblieb und uns keine Extremitäten mehr aus monetärer Habgier und anderen von uns nicht akzeptierbaren Gründen entfernt wurden.

Im Protokollpunkt 3 heißt es unter anderem:

Erfolgreich gelang uns die Inbesitznahme neuer Territorien in wunderschöner Lage wie z.B. die Heuwiese, der Gellen oder die Libitz, um nur einige zu nennen. Selbst der Hafen von Sassnitz ist fest in unserer Hand. Unter Mithilfe brandenburgischer EU-Politiker ist es uns sogar gelungen, eine zwar den Rüganern nützliches Straßenbauvorhaben zu torpedieren, indem die dafür erforderlichen Mittel bei der EU kurzerhand gestrichen wurden, uns aber die Möglichkeit gibt, weitere günstige Ländereien zu unseren Gunsten zu nutzen, auch wenn es auf Hiddensee so einen schlauen Promovierten gibt, der ausdauernd über uns herzieht. Unsere Stammesbrüder in dieser Region wurden gebeten, dieser Frau mit besonderer Sorgfalt zu begegnen. Auch der verdeckte Einsatz einiger unserer Mitarbeiter in der Verkleidung von Waldsaatgänsen brachte den gewünschten Erfolg und erweckte den Verdacht, dass diese Spezies hier in großen Scharen einfallen und besonderer Gastfreundschaft bedürfen.

Aus Protokollpunkt 4 ist zu entnehmen, dass diese Gruppe auch von Misserfolgen zu berichten hat. So heißt es z.B. im 2. Absatz:

Trotz intensiver Einflussnahme gelang es unseren dafür zuständigen Mitarbeitern nicht, bei den anderen Arten unserer Gattung zur Verhinderung des Baus des II. Rügendammes so viel Selbstmordkandidaten zu gewinnen, das dieses Objekt wegen der Massentötung der Unsrigen an den Stahltrossen und anderen Bauteilen dieser Querung wegen einer zu großen Mortalitätsrate zu Fall gebracht werden konnte. Es wurde nur eine erhebliche Verzögerung verzeichnet. Eine ähnliche Schlappe mussten übrigens auch unsere Kameraden im Bereich der Öresundbrücke in Kauf nehmen. Wie weit der Einfluss dieser Kräfte geht, kann aus den Feststellungen in Punkt 7 des Protokolls entnommen werden, denn dort heißt es: Erfreulich sind unsere Fortschritte bei der Einflussnahme auf das Parlament von Mecklenburg-Vorpommern. Gelang es uns doch zu verhindern, dass man sich dort zügig mit der Ausweisung von Schutzgebieten für unsere Gattung befasste. Die Gründe liegen vor allem darin, dass man dort unsere Vorherrschaft nicht anerkennen will. Wir empfehlen den Politikern im Schloss einen engeren Schulterschluss mit den Altvorderen des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft und dem NABU Rügen. Von dort wurden unsere zu Recht bestehenden Ansprüche akzeptiert, was durch deren ausbleibenden Handlungen uns gegenüber längst bewiesen ist.

Auch zu den Querelen um den Bau der B96n gibt es im Dokument erschreckende Aussagen. So heißt es:

Mit Interesse hat unsere Medienabteilung die Auseinandersetzungen zum Bau der B96n auf Rügen zur Kenntnis genommen. Wie wenig kennen doch die Menschen die Vorgänge in den Köpfen unserer Gattung. Wir äsen immer dort, wo es etwas Leckeres gibt. Wenn man dann auf Rügen nur noch Raps anbaut, kommt niemand mehr in Rügens Küche. Unserer Art kann es egal sein, denn wir fressen nur Aal, und wenn es den dann nicht mehr geben sollte finden wir schon eine akzeptable Reihenfolge, was dann dran ist. Was juckt es uns, was aus den Rüganern wird ohne Urlauber, ohne Fährverkehr, einem Lohn unter der Existenzminimun und ohne ihren anderen Piepmätzen ...

Zum Schluss heißt es dann lauthals:

Es lebe der Verein der Schwarzen Gesellen - wir werden auf Rügen siegen- koste es was es wolle.

Rüganer und Freunde unserer schönen Insel! Lasst es nicht zu, dass derartige Kreaturen das Sagen bei uns bekommen. Helft uns, ihnen Einhalt zu gebieten.

Gegen anno domini im Februar des Jahres 2007

Idur vom Stamme der Asen mit zeitweiligem Wohnsitz auf Rügen.