Mehr als 20.000 Kegelrobben
Zunahme der Population in der Ostsee, u.a. durch Jagdverbote
Ostseeküste (ur). Nicht nur an Rügens Ostseeküste kann man vermehrt Robben antreffen. Es handelt sich vielmehr um eine Entwicklungstendenz, die die Ostsee insgesamt betrifft.
Geschichte der Robbenbestände Noch bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts gab es in Mecklenburg-Vorpommern ständig besetzte Robbenliegeplätze. Insbesondere im Greifswalder Bodden und an der Ostküste Rügens waren Robben eine normale Erscheinung. Der Bestand dürfte damals etwa bei 100-200 Tieren gelegen haben, einige Schätzungen gehen sogar von 100-500 Tieren aus. Als Konkurrenten der Fischerei wurden die Robben um die Jahrhundertwende ostseeweit und auch in Mecklenburg-Vorpommern gnadenlos gejagt. Die letzte Robbe wurde 1920 im Fischereibezirk Stralsund erlegt. Von da an waren Seehund und Kegelrobbe nur noch gelegentlich Gäste an unserer Küste. Und dies immer seltener, da auch in ihren Hauptverbreitungsgebieten die Bestände durch Jagd und später durch Umweltgifte dramatisch zurückgingen. Während zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch etwa 100.000 Kegelrobben die Ostsee besiedelt haben dürften, war die Population zum Ende der 70iger Jahre auf 2.500 Tiere geschrumpft. Jagdverbote in allen Ostseeanrainerstaaten und das Verbot diverser Umweltgifte führte ab dem Beginn der 80iger Jahre zu einer Erholung der Robbenbestände. Gegenwärtig leben wieder mehr als 20.000 Kegelrobben in der Ostsee. Mit der Zunahme der Population in ihren schwedischen, finnischen und estnischen Hauptverbreitungsgebieten werden auch wieder häufiger Robben an den Küsten Mecklenburg-Vorpommerns beobachtet.
Junge Kegelrobben bald am Strand? Nach Auffassung des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz ist es durchaus möglich, dass sich unter den Kegelrobben, die sich gegenwärtig in unseren Küstengewässern aufhalten, auch trächtige Weibchen befinden. Diese gebären ihre Jungen in der Zeit zwischen Ende Januar und Ende März, vorzugsweise auf Eis. In milden Wintern wie in diesem Jahr kommen die Jungen jedoch an Land zur Welt. Laut Dr. Till Backhaus (SPD), Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz, ist es nicht unwahrscheinlich, dass in den kommenden Wochen junge Kegelrobben an unseren Stränden gefunden werden. Junge Kegelrobben bleiben die ersten vier Wochen ihres Lebens an ihrem Geburtsort und benötigen dort vor allem Ruhe. Da junge Kegelrobben am Strand von Rügen sicher für viele eine neue, bislang ganz ungewohnte Entdeckung sein könnten, hier noch eine Info: In den ersten drei Wochen werden die Tiere von ihrer Mutter gesäugt. Zum Fressen und bei Störungen zieht sich die Mutter ins Wasser zurück, das Jungtier erscheint verlassen und hilfsbedürftig. Dieser Eindruck trügt jedoch: Die Mutter ist in der Nähe! Eine junge Robbe am Strand benötigt keine menschliche Hilfe!
Robbenbegegnung: Verhaltensregeln Was ist also zu tun, wenn man jungen Robben begegnet? Sollte eine junge Robbe am Strand entdeckt werden zu erkennen ist diese am weißen Fell , bittet Minister Backhaus darum, folgende Verhaltensregeln zu beachten: - Abstand halten, das Muttertier nicht durch Annäherung beunruhigen, nicht berühren! - Leinen Sie Hunde an! Bringen sie keine Hunde in die Nähe der Jungrobbe. - Verzichten Sie auf Fotos aus der Nähe! - Informieren Sie eine der unten angegebenen Institutionen! - Weisen Sie andere Strandspaziergänger auf diese Verhaltensregeln hin!
Ordnungswidrigkeit und Meldebitte Das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz M-V weist mit allem Nachdruck darauf hin, dass Robben zu den besonders geschützten Tierarten gehören. Störungen an ihren Liege- oder Wurfplätzen sind nach dem Naturschutzgesetz unzulässig! Zuwiderhandlungen werden als Ordnungswidrigkeit geahndet. Also richtig verhalten und beim Auffinden einer jungen Robbe bitte entweder das Amt für das Biosphärenreservat Südost, Tel. (03 83 03) 885-0, anrufen oder das Deutsche Meeresmuseum Stralsund, Tel. (03 83 1) 26 50 - 210 od. 310 bzw. am Wochenende Tel. (01 70) 76 70 392.
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