Mario Ramos in der Rolle des Maestro „Marcello da Pinci“
Ein großartiger Charakter-Schauspieler erweckt seine Rollen zum Leben

Mario Ramos überzeugt als „Marcello da Pinci“ in einer hervorragend gespielten Charakterrolle. Foto: Pfaffe
Ralswiek (apf). Neu im Ensemble der Störtebeker Festspiele ist in diesem Jahr der 1973 in Salamanca/Spanien geborene und in Deutschland aufgewachsene Mario Ramos. Entdeckt hat ihn Regisseur Holger Mahlich am Hamburger St. Pauli Theater in „Die Holms - Nach fest kommt ab“, wo er in einer komischen Rolle einen „Mitbürger mit Migrations Hintergrund“ spielt. Als spanischer Bauarbeiter in Deutschland spricht er hier einen Monolog in Spanisch. Niemand versteht ihn, doch alle wissen durch seine perfekte Ausdrucksweise, worum es geht. Total begeistert von dieser Leistung besetzte Holger Malich die Rolle des Italieners „Marcello da Pinci“ mit Mario Ramos. Und er landet damit erneut einen Volltreffer, denn seit der ersten Vorstellung des Stückes „Das Vermächtnis“ zählt da Pinci zu den beifallumjubelten Lieblingen der diesjährigen Saison auf der Naturbühne in Ralswiek.
„Seit ich den ersten Gedanken fassen konnte wusste ich, dass ich einmal einen Beruf ergreifen werde, mit dem ich etwas ausdrücken kann“, begründet er seinen Weg als Schauspieler. „Die Bühne ist für mich der einzige Ort des Unmittelbaren, der größte Moment der Ehrlichkeit in Form des Feedbacks des Publikums. Anders funktioniert Theater nicht.“
Die Grundlagen für seinen andauernden Erfolg auf den Bühnen in Deutschland hat Mario Ramos an der Theaterfachschule Wolf Bongôrt von Roy in Bergisch Gladbach gelegt. „Ich war zur richtigen Zeit an der richtigen Schule. Wir hatten eine eigene kleine Kammerbühne und dort während der Ausbildung regelmäßig an Wochenenden gespielt. Dadurch erfuhr die erlernte Theorie auch den Ernst der Praxis unter strenger Begutachtung durch das Publikum und die Medien. Das hat geschult und mich auch geprägt.“ Und er gibt eine Wahrheit preis, die sich in seiner Karriere immer wieder bestätigt hat: „Das Wichtigste und auch Schwierigste ist die gnadenlose Ehrlichkeit zu sich selbst. Nur so kann man erfolgreich vorankommen. Das habe ich an der Theaterfachschule durch die ehrliche Kritik an meiner Arbeit auf der Bühne mitbekommen und auch davon seither immer wieder profitiert.“
Noch während seiner Ausbildung an der Schauspielschule stand Mario Ramos an der Kammerbühne Bergisch Gladbach in so unterschiedlichen Rollen wie die des Lucentio in Cole Porters „Kiss me Kate“, des Hamm in Becketts „Endspiel“ oder des Fernando in Goethes „Stella“ auf der Bühne. Es folgten Produktionen an der Studiobühne in Köln, wo er in „Mein Kampf“ den Hitler, den Gerardo/Roberto in „Der Tod und das Mädchen“, sowie de Sade in „Marat/Sade“ spielte.
Nach dem Studium war er in verschiedenen Projekten in Nordrhein-Westfalen aktiv. So in einem Theaterprojekt an einem Gymnasium, bei dem in Arbeitsgemeinschaften interessierte Jugendliche auf eine berufliche Zukunft im Bereich Schauspiel vorbereitet wurden. Und es folgte ein freies Engagement nach dem anderen an Theatern im Kölner-Bergischen Raum. In den letzten Jahren spielte er an verschiedenen Hamburger Bühnen zum Beispiel den Cliff in „Cabaret“, George Garga in „Dickicht der Städte“ sowie den Happy in „Tod eines Handlungsreisenden“ und anderen. Zudem war er in dem Kinofilm das „Maß der Dinge“ zu sehen und bei den Hersfelder Festspielen im „Sommernachtstraum“ als Demetrius, im „Faust“ als Hexe und in „Camelot“ als Mordred, für den er 2005 den Hersfeldpreis bekam.
„Ich muss meine Rollen für mich erlebbar machen, denn anders funktioniert das nicht“, nennt der Charakterdarsteller ein offenes Geheimnis. Und so sind der gestikulierende Fußballtrainer Giovanni Trapattoni und der spanische Maler Salvador Dali mit seinem legendären gezwirbelten Schnurrbart Vorbilder für seine Rolle des Maestro „Marcello da Pinci“, die Mario Ramos allabendlich auf der Naturbühne voll auslebt. Die Komik des Geschehens entsteht vor allem dadurch, dass „da Pinci“ offensichtlich die ganze Geschichte nervt, er es aber nicht zugibt und lieber allen Seiten hofiert. Und so entwickelt sich das Geschehen, welches immer wieder für lautstarke Lacher sorgt.
Nach den Störtebeker Festspielen wird Mario Ramos wieder in „Nach fest kommt ab“ in Hamburg zu erleben sein und mit Kollegen des St. Pauli-Theater plant er ein musikalisches Programm, das im Dezember auf Tournee gehen wird.
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