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Dieser Artikel wurde am 29. August 2007 um 04:38 Uhr in der Rubrik Allgemeines veröffentlicht. Sie können diesen Artikel auch ausdrucken.

Leo Weichbrodt: Seine letzte Runde ging verloren . . .

Gründer des Deutschen Boxsportmuseums am 20. August verstorben / Urnenbeisetzung am 7. September

Sagard/Prora (gü). Leo Weichbrodt ist mit 74 Jahren gestorben! Der kleine Mann aus Sagard, der als Gründer des einzigen deutschen Boxsportmuseums auf der Insel Rügen bekannt war, hat seine letzte Runde verloren. Aus dem stolzen Kämpfer, engagierten Trainer und motivierten Sammler ist in den letzten Jahren seines Lebens ein Pflegefall geworden. Er lebte zum Schluss im Pflegeheim Sassnitz, von dort kam auch der Anruf am Montag letzter Woche, der Betreuer und Kurator Uli Pschewoschny an jenem Tag auf der Fähre von Stahlbrode nach Glewitz erreichte. Mit Leo verlässt uns ein guter Freund und starker Streiter für den Boxsport, so Pschewoschny am RÜGANER ANZEIGER-Telefon. Die Urnenbeisetzung wird am Freitag, 7. September, auf dem Friedhof in Sagard stattfinden. Wir wollen versuchen, ob sein Freund Wolfgang Behrendt mit der Trompete zum Abschied spielen kann, so der Betreuer, der sich in den letzten Jahren um den schwerkranken Weichbrodt gekümmert und seine Interessen vertreten hat. Dies konnte Leo Weichbrodt selbst nicht mehr zu schwer die gesundheitlichen Einschränkungen nach mehreren Schlaganfällen.

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Leo Weichbrodt war Zeit seines Lebens ein Freund der Wochenzeitung Der RÜGANER. Für einen Aprilscherz im Jahr 1998 ließ er sich mit Boxerin Regina Halmich ablichten und eine Affäre andeuten. Alles löste sich nach Erscheinen auf, der Scherz war gelungen, Leos Frau eingeweiht. Foto: Archiv

Der Boxer Weichbrodt hinterlässt ein Vermächtnis: Rund 30.000 Exponate hat er im Laufe der vergangenen 35 Jahren gesammelt und zu einem außergewöhnlichen Anziehungspunkt in Form eines Museums zusammen gestellt. Mit Sitz des Museums in Sagard blieben aber die Gäste aus, um die Einrichtung zumindest kostendeckend zu betreiben. Ständige Querelen mit der Gemeinde und angeblichen Freunden, finanzielle Nöte und sein sturer Kopf ließen ihn mit dem Museum im Jahr 2005 nach Prora gehen. Dort wurde das Boxsportmuseum in den Räumlichkeiten der KulturKunststatt untergebracht.

Seinen ersten Titel holte Leo sich als 16-Jähriger: DDR-Meister in seiner Altersklasse. Leo Weichbrodt boxte bis 1972, ehe er seine aktive Karriere beendete. Dann begann seine Ära als Trainer, der sich besonders um den Nachwuchs in dieser Sportart kümmerte. Mit dem Ausstieg aus dem Ring begann auch seine Sammelleidenschaft. In der Sammlung finden sich Wimpel, Pokale, Briefmarken, Medaillen, Unterlagen, Handschuhe, Sportgeräte, Fotos und sonstige Exponate, die mit dem Boxsport zu tun haben. Sein erstes Exponat war übrigens ein runder Gong, den er von Mitgliedern seiner Sportgemeinschaft im Jahr 1972 geschenkt bekam. Stars wie Henry Maske, Axel Schulz, Regina Halmich und ihre Trainer haben sich im Laufe der Jahre ein Stelldichein im Museum gegeben und die kostbare Sammlung durch eigene Gaben bereichert. Das Boxsportmuseum ist weltweit eines von einem halben Dutzend vergleichbarer Einrichtungen.

Das Kostbare wurde Leo Weichbrodt auch zum Verhängnis. Nach anstrengenden Auseinandersetzungen mit Sagarder Verantwortungsträgern und einem so genannten Förderverein dachte Leo daran, sein Museum auf die Nachbarinsel Usedom zu verlegen. Dieser Plan platzte im Juli 2003. Das Museum wurde 2004 geschlossen und versank in den berühmten Dornröschenschlaf. Schließlich wurde es im Juli 2005 in Prora wieder eröffnet. Im Zuge der Eröffnung traf unser Reporter den kleinen Mann, der nie aufgegeben hat, zum letzten Mal auf dieser Welt.

Nun wollen seine Freunde um Uwe Pschewoschny das Museum wieder aufbauen und es der Öffentlichkeit zugänglich machen. Leo hat uns ein schriftliches Vermächtnis hinterlassen, dass das Museum der Öffentlichkeit gezeigt werden soll und nicht verkauft werden darf, so der Betreuer. Dazu sind von der Inselbogen GmbH im Block III Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt worden, in denen die wertvolle Sammlung aufgebaut werden kann. In welche Trägerschaft das Museum kommt Stiftung, Förderverein o.ä. wird derzeit abgeklärt. Wir haben dazu Gespräche mit dem Finanzamt und anderen Behörden geführt, um uns beraten zu lassen, sagt Pschewoschny. Die Arbeit beginnt nach der Urnenbeisetzung. Uwe Pschewoschny rechnet damit, dass das Museum vielleicht Ende September wieder geöffnet werden kann. Leider fehlt uns Leo, um die Exponate an die richtige Stelle zu rücken. Das müssen wir jetzt allein hinbekommen, so Pschewoschny abschließend.

Kurz vor Redaktionsschluss erreichte uns von Kurator Pschewoschny folgende Nachricht: Die Urnenbeisetzung wird um 15 Uhr am 7. September auf dem Sagarder Friedhof stattfinden. Anschließend beginnt auf dem Parkplatz Prora (Block III) eine Gedenkfeier für den verstorbenen Boxsportfreund. Dazu sind Rüganer, Boxer und Freunde gern willkommen.

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