Kreistagssitzung
Klimaschutzkonzept wird beraten
Ostseebad Sellin (gü). Prima Klima im Kreistag oder hartes Ringen um ein Vorhaben, das im Vorfeld nicht unumstritten ist? Die Kreistagsmitglieder treffen sich am morgigen Donnerstag, 1. Oktober, zu ihrer nächsten öffentlichen Sitzung. Diese beginnt um 13 Uhr im „Cliff-Hotel Rügen“ (Siedlung am Wald 22a).
Auf der umfangreichen Tagesordnung findet sich der Punkt 7.7 „Erstellen eines kommunalen Klimaschutzkonzeptes für den Landkreis Rügen“. Dieses Thema ist in den zurückliegenden Wochen in zahlreichen Fachausschüssen des Kreistages diskutiert worden. Die Mehrheit der Ausschüsse hat sich einstimmig für das Vorhaben ausgesprochen. Lediglich im Haushalts- und Finanzausschuss gab es Gegenstimmen. Diese basierten auf der Grundlage der enormen Kosten, wie es während der Beratungen hieß. Doch der Reihe nach: Wenn sich die Kreistagsmitglieder am morgigen Donnerstag für das Erstellen eines entsprechenden Konzeptes aussprechen, soll das Institut für angewandtes Stoffstrommanagement Trier mit der
Erarbeitung des Antrages auf Mittel der „Richtlinie zur Förderung von Klimaschutzprojekten in sozialen, kulturellen und öffentlichen Einrichtungen im Rahmen der Klimaschutzinitiave“ zur Erstellung eines integrierten Klimaschutzkonzeptes für den Landkreis beauftragt werden. Die Kosten hierfür belaufen sich auf rund 10.000 Euro. Diese Summe stellt die Sparkasse Rügen dem Kreistag zur Verfügung. „Gut angelegtes Geld“, argumentiert Herbert Dobelstein, CDU-Fraktionsführer und Verfechter des Konzepts, gegenüber unserer Zeitung. Denn das Klimaschutzkonzept kostet 300.000 Euro, von denen allerdings 240.000 Euro aus Fördermitteln bestritten werden können.
Der Eigenanteil von 60.000 Euro soll aus dem Eigenkapital des kreislichen Eigenbetriebes Abfallwirtschaft für Rügen (AfR) entnommen werden. Dessen Fachausschuss hatte sich in seiner Sitzung dazu bekannt, dass die Mittel für die Erstellung des Konzeptes genommen werden sollen.
Das eigentliche Ziel des Antrages ist, anschließend das Klimaschutzkonzept erarbeiten zu lassen. Dazu verweist Kreistagsmitglied Herbert Dobelstein gern auf den österreichischen Ort Güssing. Dieser hatte mit einer energieautarken Versorgung begonnen und kann sich aufgrund der mittlerweile installierten Energiekreisläufe selbst versorgen und verkauft erfolgreich Energie an entsprechende Werke und Energieversorger.
Mehrere Millionen Euro Umsatz pro Jahr spült dieser Umstand in die Kassen des Ortes Güssing. Zentraler Punkt des Klimaschutzkonzeptes sind dabei die erneuerbaren Energien. Die Insel Rügen hatte bekanntermaßen erfolgreich am Bundeswettbewerb Bioenergie-Regionen teilgenommen. Mit der Erstellung des Klimaschutzkonzeptes soll sich Deutschlands größte Insel als Vorbildregion für die energetische Verwertung von Biomasse entwickeln, wie es im entsprechenden Beschlussvorschlag heißt, den die Kreistagsmitglieder am morgigen Donnerstag auf dem Tisch zur Beratung haben.
Aber auch Windkraft, Solarenergie und die Verwertung von natürlichen Ressourcen sollen in die zu entwickelnden Kreisläufe integriert werden. Alle bisher nicht erfassten oder ungenutzten Rohstoff- und Energiepotenziale sollen mit berücksichtigt werden. Hierbei wird auch über die Verwertung von Bioabfällen, Algen und Klärschlamm nachgedacht. Die Entsorgung gerade von den beiden letzt genannten Aufkommen ist mitunter sehr kostspielig. Künftig soll der Landkreis diese Mittel einsparen können und stattdessen eine Verwertung der Aufkommen im Rahmen des Klimaschutzkonzeptes vornehmen, wie es weiter heißt.
Stefanie Dobelstein, zuständige Mitarbeiterin im Landratsamt für die Umsetzung solcher Vorhaben, gibt als Ziel eine „wirtschaftliche Unabhängigkeit des Landkreises“ aus. Weitere Nebeneffekte können dabei auch die Senkung von CO2-Ausstößen sein. Dies wiederum brächte einen Imagegewinn für die Insel Rügen als Urlaubsregion mit sich, ist sie sich in diesem Zusammenhang sicher. Sollte der eingangs erwähnte Antrag wirklich angenommen und mit der Erarbeitung des Konzeptes begonnen werden, können auch die Kommunen der Insel davon profitieren. Die mit dem Klimaschutzkonzept verbundenen oder aber daraus resultierenden Investitionen führen zur Wertschöpfung bei der Energieversorgung. Durch den Betrieb von entsprechenden Anlagen können Gemeinden und/oder Versorger und Erzeuger Einnahmen und künftig Gewinne erzielen. Soweit die Theorie zum Konzept. Ob es auf den Weg gebracht wird, zeigt sich auf der Kreistagssitzung . . .
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