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Dieser Artikel wurde am 12. Oktober 2011 um 07:50 Uhr in der Rubrik Titelthema veröffentlicht. Sie können diesen Artikel auch ausdrucken.

Kreistag Vorpommern-Rügen konstituiert

Andrea Köster ist Kreistagspräsidentin / Landrat Ralf Drescher ernannt

Von Robby Günther

Stralsund. Eine neue politische Ära ist angebrochen! Die 69 Mitglieder des neuen Kreistages Vorpommern-Rügen trafen sich vollzählig (!) am Montag dieser Woche zu ihrer konstituierenden Sitzung. Mit dieser ersten Sitzung nahmen die gewählten Abgeordneten im neuen Landkreis ihre politische Arbeit auf. Alterspräsident Dr. Hubert Kaufhold (CDU) eröffnete die Sitzung, an der rund 70 interessierte Einwohner teilnahmen. Darunter auch eine Schulklasse, die sich während der Sitzung gelebte Kommunalpolitik ansehen wollte.

Als erste Entscheidung des neuen Kreistages stand die Wahl zum Kreistagspräsidenten oder zur Kreistagspräsidentin auf der Tagesordnung. CDU-Fraktionsführer Andreas Kuhn schlug Bergens Bürgermeisterin Andrea Köster vor. Die NPD schickte Dirk Arendt ins Rennen.

Rügen gut im neuen Kreistags-Präsidium vertreten

Die CDU-Abgeordnete konnte den Wahlgang gegen den NPD-Kandidaten klar für sich entscheiden. Allerdings: Von 69 abgegebenen Stimmen waren zehn ungültig! Köster konnte 56 Stimmen für sich gewinnen, Arendt erhielt drei Stimmen. Die Bürgermeisterin dankte nach der Wahl für das Vertrauen der Abgeordneten und versprach eine „faire und konstruktive Kreistagspräsidentin“ zu sein. Alterspräsident Kaufhold verpflichtete Köster in ihrem neuen ehrenamtlichen Amt. Anschließend wurden die Kreistagsmitglieder durch sie verpflichtet.

Bevor es mit den personellen Entscheidungen weiter ging, einigten sich die Fraktionen darauf, die Wahl zur Besetzung der Fachausschüsse in die nächste Sitzung zu verschieben. CDU und SPD haben sich in ihrer Kooperationsvereinbarung darauf verständigt, die Ausschüsse auf 15 Mitglieder zu erhöhen. Dem folgten die Abgeordneten mehrheitlich.

Zur Wahl des ersten stellvertretenden Kreistagspräsidenten kamen drei Vorschläge aus den Reihen des Kreistages: SPD-Fraktionsführer Dr. Stefan Kerth schlug die Rüganerin Kristine Kasten vor. Christiane Latendorf von der Fraktion DIE LINKE schlug Dr. Wolfgang Weiß aus Süderholz für ihre Partei vor. Die NPD schickte Karsten Münchow aus Stralsund ins Rennen. Die Abstimmung konnte Kristine Kasten mit 41 Stimmen für sich entscheiden. Dr. Wolfgang Weiß kam auf 23 Stimmen, Karsten Münchow auf drei Stimmen. Zwei der abgegebenen Stimmen waren ungültig. Latendorf hatte aufgrund des prozentualen Wahlergebnisses von LINKE und SPD vom 4. September zwar für ihren Kandidaten als ersten Stellvertreter geworben, klappte aber nicht.

Der Wahlgang zum zweiten Stellvertreter der Kreistagspräsidentin versprach hingegen keine Überraschungen. Dr. Wolfgang Weiß startete nochmals, dieses Mal gegen Dirk Arendt von der NDP. Er konnte 60 Stimmen auf sich vereinen, Arendt kam wiederum auf die drei Stimmen seiner Zählgemeinschaft der NPD. Immerhin fünf Stimmen waren bei diesem Wahlgang ungültig.

Für das weitere Präsidium waren drei Beisitzer vorgesehen. Die Fraktion FDP/BfS schickte Gerd Scharmberg aus Born, die Fraktion Bündnis90/Die Grünen Torsten Jelinski aus Thiessow sowie die Fraktion Bündnis Vorpommern-Rügen Karin Giesel aus Bergen auf Rügen ins Rennen. Auch die NPD versuchte sich noch einmal – dieses Mal mit einer Frau aus ihren Reihen: Fanny Arendt aus Stralsund. Und es gab die erste Überraschung! Die NPD-Kandidatin konnte vier Stimmen auf sich vereinen. Ein Abgeordneter aus den Reihen der anderen Fraktionen hatte für die NPD-Kandidatin gestimmt! Karin Giesel gelang mit 50 Stimmen das beste Ergebnis der Beisitzer, gefolgt von Torsten Jelinski mit 49 Stimmen. Gerd Scharmberg kam auf 42 Stimmen, drei Wahlzettel waren ungültig. Die drei Beisitzer komplettieren damit das Präsidium.

Nach den Wahlgängen erfolgte die Ernennung von Ralf Drescher (CDU) zum Landrat des Landkreises Vorpommern-Rügen. Die bis dato Beauftragte Carmen Schröter nahm diesen formellen Akt vor und wünschte dem neuen Landrat viel Erfolg bei der vor ihm liegenden Arbeit. Drescher versprach nach seiner Ernennung, dass er „ein enger Ansprechpartner für den Kreistag sein will“. Seinen Worten zufolge soll es im neuen Landkreis Vorpommern-Rügen „keine Verlierer geben. Alle sind wichtig in diesem Prozess der Gestaltung. Veränderungen müssen Verbesserungen für die Bürger im neuen Landkreis mit sich bringen“, so sein Anspruch an seine eigene Arbeit, die nun beginnt, wie er es nannte.

Im weiteren Verlauf der Sitzung wurden die Stellvertreter des Landrates durch den Kreistag bestimmt. Dafür standen die beiden Beigeordneten Lothar Großklaus und Kerstin Kassner zur Wahl. Großklaus wurde mehrheitlich zum ersten Stellvertreter gewählt, Kassner mehrheitlich zur zweiten Stellvertreterin. Nach Informationen dieser Zeitung sollen zwei weitere Beigeordnete für die Verwaltungsspitze in einer späteren Sitzung gewählt werden. Wer welche Fachbereiche künftig zu betreuen hat, wurde während der Sitzung noch nicht deutlich. Der Kreistag stimmte der Struktur der Verwaltung des Landkreises zu. Hier wird es fünf Fachbereiche geben, in denen rund 800 Mitarbeiter arbeiten werden. Das kommunale Jobcenter nimmt seine Arbeit ab 1. Januar 2012 auf.