Krach im Ausschuss
Touristiker debattieren über Umgang
Ostseebad Binz (gü). „Beim emotionalen Auseinandersetzen mit Themen kracht es zuweilen im Gebälk zwischen den Beteiligten. Doch sollten diese Debatten nicht in den Medien ausgetragen werden, sondern vielmehr hier im Ausschuss“, betonte Harald Schewe (CDU), Vorsitzender des Betriebsausschusses Kurverwaltung, am Montagabend während der öffentlichen Sitzung seines Gremiums. Hintergrund seiner „Ermahnung“ ist die seit Wochen in der regionalen Tageszeitung geführte Diskussion, ob Binz auf dem richtigen Wege sei. Führende Hoteliers und auch der Wirtschafts- und Kulturverein Binz e.V. hatten sich in mehreren Beiträgen kritisch über die Arbeit von Kurdirektor Horst Graf geäußert – während seiner Abwesenheit, wie Beobachtern der verbalen Scharmützel aufgefallen ist. Arne Kurowski, Inhaber des Loev-Hotels, und einer der führenden Kritiker, trat mit einer persönlichen Erklärung an den Ausschuss heran:
„Wir haben während der Saison kritische Anmerkungen unserer Stammgäste in Größenordnungen hinnehmen müssen. Für uns ein Zeichen, dass etwas in die falschen Richtung läuft“, beschrieb der Hotelier seine Motivation, gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Wirtschafts- und Kulturvereins Binz, Ulf Dohrmann, eine kritische Haltung gegenüber der Kurverwaltung einzunehmen. „Zumal die Kritik nicht neu ist!“, unterstrich Kurowski und zitierte aus einem Artikel aus dem Jahr 2008, wo er und andere Hoteliers in einer von der Kurverwaltung initiierten Veranstaltung kritische Anmerkungen – besonders zum Niveau der kulturellen Veranstaltungen – geäußert haben. „Man hat auf die Kritik bis heute nicht reagiert.“
Arne Kurowski forderte die Mitglieder des Ausschusses auf, „die Veranstaltungen auf den Prüfstand zu stellen“. Gleichzeitig betonte er auch, dass es bei der vorgetragenen Kritik „nicht um die Person Horst Graf geht“.
Vielmehr treibt den seit fast 20 Jahren am Standort agierenden Hotelier um, dass Binz mit den meisten Vier- und Fünf-Sterne-Hotels eine anspruchsvolle Klientel zu Gast habe. „Es soll niemand ausgegrenzt werden, aber wir müssen gerade für diese Gäste mehr Qualität bieten“, so sein Appell. Gleichzeitig könne er sich vorstellen, dass sein Haus – und auch andere Hotels des Ortes, wie er sagte – privat Gelder für Veranstaltungen zuschießen, wie er gegenüber dem Ausschuss zum Ausdruck brachte. Der massiv während der Debatte in der regionalen Tageszeitung unter Beschuss geratene Kurdirektor Horst Graf sieht sich hingegen von „vielen Leuten enttäuscht“. Besonders mit Blick auf den auch im Betriebsausschuss mitarbeitenden Vorsitzenden des Wirtschafts- und Kulturvereins, Ulf Dohrmann, sagte er am Montagabend: „Wir haben im Mai hier im Ausschuss beschlossen, ein neues Tourismuskonzept zu erarbeiten. Das ist bekannt.“ Zum Zeitpunkt der vorgetragenen Kritik „wurde abgewartet, bis ich nicht da bin“, sieht er eine gezielte Kampagne gegen seine Person in diesem Zusammenhang.
Dem widersprach Ulf Dohrmann energisch, er wies eine „Inszenierung“ zurück und betonte mit Blick auf den Kurdirektor, dass „ihre Reisepläne nicht bekannt gewesen sind. Vielmehr habe ich als Vorsitzender des Wirtschafts- und Kulturvereins auf die Kritik reagieren müssen, die an mich durch unsere Mitglieder heran getragen wurde. Unsere kritischen Anmerkungen sollen als Anstoß verstanden sein“, unterstrich er in der öffentlichen Sitzung, auch gegenüber den anwesenden Gästen wie Hoteliers und dem Vorsitzenden des Fremdenverkehrsvereins sowie seinem Geschäftsführer. Gemeindevertreter und Ausschussmitglied Wolfgang Möser (CDU) betonte, dass der „Dialog am Tisch zu suchen ist und nicht aus der Hecke geschossen werden sollte“. Auch Bernd Richter (WfB), ebenfalls Gemeindevertreter und Ausschussmitglied, stellte sich hinter den Kurdirektor und kündigte für die Sitzung der Gemeindevertretung am 23. September eine Erklärung seiner Fraktion im Zusammenhang mit den Geschehnissen der letzten Wochen an: „Wir werden uns als Wählerinitiative für Binz hinter Kurdirektor Horst Graf stellen, da die Artikel gegen seine Person gerichtet waren“. Einig waren sich die meisten Ausschussmitglieder darin, dass die öffentlich ausgetragenen Debatten in der Hochsaison „dem Image des größten Rügener Seebades eher geschadet als genützt haben“. Horst Graf betonte abschließend: „Meine Türen stehen immer offen, um sachlich-kritisch über Dinge zu sprechen, die Binz betreffen!“
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