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Dieser Artikel wurde am 04. November 2009 um 05:42 Uhr in der Rubrik Lokale Politik veröffentlicht. Sie können diesen Artikel auch ausdrucken.

Konstruktive Vorschläge müssen auf den Tisch

Der OSTSEE ANZEIGER - Der Rüganer sprach mit CDU-Kreischef Lenz (Teil III und Ende)

Bergen auf Rügen (gü). Wir setzen an dieser Stelle das Interview mit dem Landtagsabgeordneten und CDU-Kreisvorsitzenden Burkhard Lenz im dritten und letzten Teil fort.

(OA-DR): Herr Abgeordneter, der Landtag hat die Novelle des FAG beschlossen, die Finanzen bestimmen fast täglich die Diskussionen in den Kreisen und Kommunen. Welchen inhaltlichen Beitrag will der CDU-Kreisverband leisten, wenn es ums Geld geht – für Rügen und die Kommunen?

Burkhard Lenz (B.L.): Auf der ersten Sitzung des neuen Kreisvorstandes haben wir drei Arbeitsgruppen gebildet. Diese befassen sich mit den Themen Wirtschaftliche Entwicklung, Bildung und Finanzen. Zum letzten Punkt möchte ich ergänze, dass wir uns mit einer der demografischen Entwicklung angepassten Verwaltungsstruktur befassen müssen. (OA-DR): Wirtschaftliche Entwicklung ist ein weites Feld, geht es genauer?

(B.L.): Zur wirtschaftlichen Entwicklung möchten wir als CDU mit allen Partnern auf Rügen ins Gespräch kommen, die ernsthaft daran interessiert sind, auf dem ersten Arbeitsmarkt dauerhaft Ausbildungs- und Arbeitsplätze zu schaffen. Die ansässigen Handwerks- und Gewerbebetriebe sollen dabei durch uns als CDU unterstützt werden. Hierbei müssen wir den weiteren Ausbau des Industriestandortes Fährhafen Sassnitz entschiedener vorantreiben. Dies wollen wir gemeinsam mit der Wirtschaftsfördergesellschaft Vorpommern und dem Wirtschaftsrat der CDU erreichen. Immerhin hat der Kreistag entschieden, der Wirtschaftsfördergesellschaft beizutreten, da muss jetzt Konkretes für den Standort rauskommen. (OA-DR): Ausbildungs- und Arbeitsplätze auf dem ersten Arbeitsmarkt haben immer etwas mit Bildung zu tun. Wie sehr ist der Bildungsstandort Rügen mit dem Wirtschaftsstandort verknüpft?

(B.L.): Aufgrund des neuen Schulgesetzes können Eltern eine freie Schulauswahl für ihre Kunden treffen. Deswegen ist es wichtig, dass für die Insel Rügen und ihre Gemeinden ein tragfähiges Schulkonzept – auch mit Blick auf das aktuell nur noch bis 2010 gültige – durch die Verwaltung erarbeitet wird. Wir als CDU bringen uns gern mit Sach- und Fachkompetenz in die Erarbeitung ein. Dabei haben wir mit dem Vorsitzenden des Bildungsausschusses des Kreistages und seinen Ausschussmitgliedern hervorragende Fachleute, die die politische Meinungsbildung in der Ausschussarbeit artikulieren können. Ein besonderer Schwerpunkt in diesem Zusammenhang ist die Gewährleistung der Schülerbeförderung vom Wohn- zum Schulort. Dazu müssen sich der Kreistag und auch der Aufsichtsrat des RPNV in nächster Zeit Gedanken machen, um eine mögliche Optimierung der Fahrtzeiten zu erarbeiten.

(OA-DR): Stichwort demografische Entwicklung auf Rügen. Welche Hausaufgaben sind durch die Politik hierbei zu machen? (B.L.): Die kleingliedrigen Verwaltungsstrukturen auf der Insel müssen der demografischen Entwicklung bis 2020 bzw. 2030 angepasst werden. Da kommen wir nicht umhin. Ich hatte im zweiten Teil dieses Interviews darauf verwiesen, dass wir bei den Verwaltungskosten auf Kreisebene mit 235 Euro pro Einwohner im Land mit eine Spitzenposition einnehmen. Hinzu kommen beispielsweise für eine Stadt auf Rügen 225 Euro pro Einwohner bzw. für ein Amt auf der Insel 205 Euro pro Einwohner hinzu. Die Kosten des untersuchten Amtes sind in den letzten zwei Jahren um 20 Euro pro Einwohner gestiegen. Das resultiert aus tariflichen Anpassungen und Einwohnerverlusten. Diese sind besonders auf die so genannten Gestorbenenüberschüsse zurückzuführen. Das heißt, wir haben neben der Abwanderung auch mit der Alterung der Gesellschaft zu tun. Wenn die Zahlen zusammengerechnet werden, bezahlen die Einwohner der Stadt immerhin 460 Euro, die Einwohner des Amtes 440 Euro für die Verwaltung pro Kopf. Das ist zu viel und wird perspektivisch nicht mehr leistbar sein.

(OA-DR): Lassen Sie uns beim Thema Demografie und Verwaltung bleiben. Was bedeutet das für die Gemeinden?

(B.L.): Die politisch Handelnden vor Ort müssen sich mit der Entwicklung auseinander setzen. Wenn man jetzt nichts unternimmt, werden aufgrund der tariflichen Lohnsteigerungen in der öffentlichen Verwaltung und der sinkenden Einwohnerzahlen die Kosten pro Einwohner weiter steigen. Damit sind den Gemeinden auch die Möglichkeiten für Investitionen und freiwillige Aufgaben zunehmend genommen. Denn wenn das vorhandene Geld fast ausschließlich in den Verwaltungshaushalt eingestellt werden muss, sind die Vermögenshaushalte reine Makulatur, weil eben kein Geld mehr da ist.

(OA-DR): Mit dem jetzt beschlossenen FAG bekommen die Gemeinden weniger Zuweisungen ab 2010 als 2009. Die finanziellen Möglichkeiten werden hierbei vom Land zusätzlich eingeschränkt, oder?

(B.L.): Aufgrund der sinkenden Steuereinnahmen und Bundeszuweisungen können wir nur das Geld verteilen, das vorhanden ist. Mit der Novelle des FAG hat der Landtag übrigens den Verteilerschlüssel um 0,09 Prozentpunkte zu Gunsten der Gemeinden verschoben. Das sollten die Kritiker einfach auch einmal offen und ehrlich zur Kenntnis nehmen. Da schließe sich auch beiden Rügener Landtagsabgeordneten ein, die gegen die Novelle gestimmt haben. Die Erhöung des Schlüssels ist in wirtschaftlich angespannten Zeiten ein Ausdruck des Solidarprinzips im Land, von dem die Gemeinden und auch der Kreis bisher profitiert haben. Denn sie wurden an den Mehreinnahmen der letzten beiden Jahre in Höhe von 64 Millionen Euro beteiligt. Ich kann das Solidarprinzip nicht nur in guten Zeiten zu meinen Gunsten nutzen, sondern muss es auch in schlechten Zeiten akzeptieren. Auch die Steuereinnahmen der Kommunen schwanken ja von Jahr zu Jahr, so ist es auch beim Land. So kann es passieren, dass eine Kommune die ein Jahr keine Schlüsselzuweisungen aufgrund ihrer besonderen Steuerkraft, beispielsweise wie Ralswiek, erhalten hat, im nächsten Jahr durch Gewerbesteuerrückzahlungen zu einer Empfänger-Kommune wird. Übrigens, im Landesraumentwicklungsprogramm von 2005, beschlossen von der rot-roten Landesregierung aus SPD und der damaligen PDS, ist festgelegt worden, dass die Zentren im Land gestärkt werden sollen. Das ist mit dem Beschluss zur Novelle des FAG umgesetzt worden. Diese Zentren werden politisch als starke Partner im Land angesehen und sollen sich um die infrastrukturelle Daseinsvorsorge, auch des Umlandes kümmern.

(OA-DR): Herr Abgeordneter, was bleibt für die politisch Handelnden zu tun, damit der Reform-Zug nicht an Rügen vorbeifährt?

(B.L.): Wenn es uns nicht gelingt, eine eigenständige Verwaltung für die ganze Insel zu erhalten, sollten wir versuchen, in Zusammenarbeit mit Stralsund und Nordvorpommern zusammenzuarbeiten: So wie es beispielsweise vom RPNV bereits in der Sitzung des Wirtschaftsausschusses schon vorgestellt wurde, um soviel wie möglich von unseren Eigenbetrieben für die Insel zu erhalten. Ich sehe auch Chancen in der engeren Zusammenarbeit zwischen den Kommunen, so wie es jetzt die Stadt Bergen auf Rügen mit dem Landkreis versucht. (Ende)