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Dieser Artikel wurde am 27. Oktober 2010 um 12:48 Uhr in der Rubrik Titelthema veröffentlicht. Sie können diesen Artikel auch ausdrucken.

Kiesabbau: Ist der Bedarf vorhanden?

Bürger und Politik der Insel lehnen die geplante Ausbeutung in Zessin ab

Von Robby Günther

Bergen auf Rügen/Zessin. „Es ist Zeit für politische Entscheidungen!“ Das Thema Kiesabbau in Zessin lockte am Montagabend rund 50 Bürger der Region und politische Verantwortungsträger ins Hotel „Ratskeller“, um sich über den aktuellen Sachstand des umstrittenen Vorhabens informieren zu lassen. Geladen hatte die SPD-Landtagsabgeordnete Angelika Peters, die aus Schwerin Vertreter der an der direkten Genehmigung beteiligten Ministerien Wirtschaft und Agrar sowie Verkehr zur Erschließung gebeten hatte, sich den Fragen der Bürger und der Öffentlichkeit zu stellen. Hintergrund des Termins ist eine anhängige Anfrage im Petitionsausschuss des Landtages sowie die Antragstellung der so genannten Hauptbetriebsplanung, die spätestens zu Beginn des neuen Jahres erwartet wird, wie Martin Froben vom Bergamt Stralsund informiert. Antragsteller ist die Heidelberg Cement AG, die bisher in Zirkow Kies abgebaut, die Grube allerdings vor einigen Jahren schon geschlossen hat.

Der Unmut der Bürger und Investoren der Region wurde am Montagabend klar: Ist der Kiesabbau in der geplanten Dimension wirklich von öffentlichem Interesse und notwendig für die Insel Rügen? Das ist nämlich eine der zentralen Begründungen, die im Laufe der letzten Jahre im Planfeststellungsbeschluss genannt wurde und auf deren Grundlage eine Zulassung geprüft worden ist. Zuvor hatte das Unternehmen einen so genannten Rahmenbedarfsplan beantragt und genehmigt bekommen. Eine Grundvoraussetzung für die Erteilung des Hauptbetriebsplans, wie Vertreter der Ministerien nicht müde wurden, den anwesenden Zuhörern zu erklären. Voraussetzung: Die Inhalte des Hauptbetriebsplans weichen nicht vom genehmigten Rahmenbedarfsplan ab.

Doch die Bürger sehen den Bedarf nicht, vielmehr die Einschnitte in sensible Natur und wollen den Abbau nicht kampflos hinnehmen, wie einige Bürger an diesem Abend betonten. Allen voran Hartmut Kamin von der Bürgerinitiative, die sich seit Jahren gegen den Kiesabbau stemmen und verbale Scharmützel mit Bergamt und Ministerium führen. Auf einem rund 20 Hektar großen Areal sollen in den kommenden 30 Jahren rund 44 Millionen Tonnen Kies abgebaut werden. Der gefasste Planfeststellungsbeschluss erlaubt einen Abbau von rund 200.000 Tonnen Kies jährlich. Um diesen zu transportieren, wären nach Berechnungen der Kritiker rund 12.500 Lkw pro Jahr nötig, die sich die schmale Kreisstraße 5 (maximal fünf Meter breit) entlang quälen müssten, um auf die Landesstraße zwischen Trent und Kluis zu gelangen.

Hier liegt auch ein Knackpunkt, der die Gemüter erhitzt. Für die Genehmigung eines Abbaus ist eine ausreichende verkehrliche Erschließung nicht notwendig, wie es seitens der Vertreter des Wirtschaftsministeriums heißt. Für die Genehmigung auf Sondernutzung der Kreisstraße ist die Untere Straßenverkehrsbehörde, also der Landkreis Rügen, zuständig. „Bei uns liegt ein entsprechender Antrag dazu vor“, betont Landrätin Kerstin Kassner (DIE LINKE) auf Nachfrage. Dieser sei nach ihren Worten allerdings noch nicht beschieden worden. Kritik des Landkreises ist die von der Heidelberg Cement AG vorgeschlagene Zuwegung vom Abbaugebiet zur Kreisstraße. Hier sollten ursprünglich acht Bäume für einen Ausbau der Zuwegung gefällt werden. Der Landkreis lehnte ab. Nun soll ein Baum gefällt werden, um die Zuwegung auszubauen. „Wenn aber das Unternehmen nicht deutlich macht, wie generell der Transport erfolgen soll, werden wir prüfen müssen, ob wir zustimmen können“, so Kassner, die sich an Kreistagsbeschlüsse gebunden fühlt, die den Abbau ablehnen. Der letzte Beschluss dazu stammt vom März dieses Jahres, erinnerte sie die Anwesenden. Angelika Peters versprach zum Ende der Veranstaltung, die Bedenken mit nach Schwerin in den Umweltausschuss und auch in ihre Fraktion zur weiteren Diskussion zu nehmen.

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