Springe zu: Navigation | Inhalt | Aktuelle Themen
Dieser Artikel wurde am 13. August 2008 um 02:19 Uhr in der Rubrik Störtebeker Festspiele veröffentlicht. Sie können diesen Artikel auch ausdrucken.

„Jaques“- Perfektion mit französischem Charme

Ben Hecker wechselt vom Oberintrigant zum amüsanten und Kochkünstler

Ralswiek (apf). In der sechsten Spielzeit ist Ben Hecker im Ensemble der Störtebeker Festspiele in Ralswiek zu erleben. Im diesjährigen Stück „Der Seewolf“ ist er allerdings in eine völlig andere Rolle geschlüpft. „Bisher war ich immer der Oberintrigant“, gesteht er mit dem für ihn markanten breiten Grinsen im Gesicht. „Doch in diesem Jahr ist das anders. Da hat mir Regisseur Holger Mahlich mit dem lebenslustigen Gourmet-Koch ’Jaques’, mit seinem urtypischen französischen Temperament, eine überaus lustige Rolle zugedacht.“ Viel Beifall gibt es allabendlich, wenn der Kochkünstler mit seinem Kochstudio auf die Bühne rollt und mit der markanten Stimme und französischem Charme die Hofschaft davon überzeugen möchte, dass Kochen Kunst ist. Doch keiner nimmt davon wirklich Kenntnis und so ergießt er sich in Worttiraden, die das Publikum zum Schmunzeln bringen.

„Jaques ist ein Perfektionist, der das Leben in allen Zügen genießt und er ärgert sich über alles, was nicht so funktioniert, wie er selbst sich das vorstellt“, beschreibt Ben Hecker den kochenden und kommandierenden Quirlgeist, dessen Darstellung ihm ganz augenscheinlich vorzügliche Freude bereitet.

Kein Wunder - schließlich ist Ben Hecker, der Ende August in Ralswiek seinen 60. Geburtstag begehen wird, ein gestandener Schauspieler. „Ich bin ein Theatermensch“, sagt der in Köln geborene Schauspieler und Regisseur, der sich den sprichwörtlichen Kölner Humor erhalten hat, auch, wenn er nun mit Tochter Florentine (16) und seiner Ehefrau, Ärztin der Palliativmedizin, in Lübek lebt. Er bevorzugt es, sein Publikum direkt vor sich zu haben und sich live immer wieder neu zu bestätigen, indem zu jeder Vorstellung „präzise abgeliefert wird, was vorher erarbeitet wurde“. So gesehen scheint ihm die Rolle des Perfektionisten „Jaques“ auf den Leib geschrieben zu sein.

Bis 1984 war er am Hamburger Schauspielhaus engagiert. Dann entschied er sich, freischaffend zu arbeiten, ging u.a. zum Theater des Westens in Berlin. Über 120 mal hat Ben Hecker den „Captain Hook“ im Musical „Peter Pan“ nach Sir James Matthew Barrie gespielt. Zu erleben war er auch in zahlreichen Fernsehserien und Filmen. Besonders gerne erinnert er sich an die Zeichentrickfilm-Serie „Tim und Struppi“, in der er als Synchronsprecher Käptn Haddock seine Stimme geliehen hat. „Das ist die filmische Umsetzung einer der bekanntesten und bedeutendsten europäischen Comicserien, die der Belgier Hergé schrieb“, gerät er ins Schwärmen. „Schön gezeichnet, nicht computeranimiert und mit einem feinen Sound hinterlegt ein Meisterwerk!“ Seine Leidenschaft sind ohnehin Kinder, die er, auch als Regisseur für Kindertheater, mit dem Medium Theater vertraut machen will. „Ich finde, Kinder hören am besten zu, sie gehen unbeleckt an die Stücke heran und entwickeln ungemeine Fantasie. Und - Kinder sind mehr als zu behätschelnde und zu betätschelnde kleine Menschlein.“

Ben Hecker hat sich auch als Sprecher dem Hörspiel verschrieben. Doch heute sind diese in den meisten Radioanstalten aus dem Programm verbannt. Trotzdem, oder gerade deshalb, ist es empfehlenswert, im Plattenladen einmal zu einem Hörspiel auf CD zu greifen um sich im heimischen Wohnzimmer ein besonderes Erlebnis zu gönnen.Übrigens: Ben Hecker war auch im ersten Schimanski-Tatort „Duisburg-Ruhrort“, der am 28. Juni 1981 erstmals und am 19. Juli 2008 erneut (RBB Fernsehen) gesendet wurde, dabei.

Ben Hecker sagt von sich selbst, dass er kein Sammler ist. Er schaut nicht zurück sondern lieber in die Zukunft und nutzt jeden Tag. So auch in Ralswiek, „wo wir Theater machen, bei dem es vor allem auch um Inhalte geht und nicht vordergründig um Spektakel.“ Er kennt die Aufgabe des Teams um Intendant Peter Hick nur zu genau: „Wir spielen hier auch vor Leuten, die sonst vielleicht nie ins Theater gehen!“ Eben hieraus ergibt sich für den Theatermensch Ben Hecker tagtäglich eine neue Herausforderung.

« Nächster Artikel
Kreis-Kooperation wird ausgebaut

Vorheriger Artikel »
Landrätin und ihre Stellvertreter