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Dieser Artikel wurde am 11. Mai 2010 um 08:26 Uhr in der Rubrik Allgemeines veröffentlicht. Sie können diesen Artikel auch ausdrucken.

Integration beginnt mit dem Wegfall der Sprachbarrieren

Erfolgreiche interkulturelle Arbeit an der Kreisvolkshochschule mit dem 10. Integrationskurs „Deutsch als Fremdsprache“

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Der 10. Integrationskurs „Deutsch als Fremdsprache“ hat an der KVHS begonnen. Er ist per Gesetz für die Einbürgerung Pflicht, bei den Teilnehmern jedoch großer Wunsch. Foto: Pfaffe

Bergen auf Rügen (apf). „Ein unbekanntes Land, eine neue Sprache und meist eine berufliche Neuorientierung - das sind nur einige Herausforderungen für unsere neuen Mitbürgerinnen und Mitbürger“, erzählt Liliana Hein. Sie ist Bereichsleiterin Sprachen/Integration an der Kreisvolkshochschule Rügen (KVHS).

Ab 1. Januar 2005 trat das neue Zuwanderungsgesetz in Kraft, in dem die Integrationskurse „Deutsch als Fremdsprache“ erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik staatlich geregelt sind. Sie bestehen aus dem Sprachkurs (Basis- und Aufbaukurs) und dem Orientierungskurs zur Vermittlung von Wissen zu Rechtsordnung, Geschichte und Kultur in Deutschland. Die Integrationskurse werden vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge koordiniert und sind für alle ausländischen Mitbürger gedacht, die keine oder nur geringe Deutschkenntnisse haben.

Die KVHS Rügen hat die für die Durchführung dieser Kurse notwendige Zulassung vom BAMF erhalten und führt inzwischen schon den 10. Integrationskurs durch. Zum Erfolg der Kurse trägt das hoch qualifizierte, erfahrene Dozententeam bei. Aber auch die Teilnehmer müssen volle Leistung erbringen, um das Lernziel - die Prüfung „Test Deutsch für Zuwanderer“ zu bestehen. Diese Prüfung gilt als Nachweis von mündlichen und schriftlichen Sprachkenntnissen auf dem Niveau B 1 des „Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens“, der für den Erhalt der Niederlassungserlaubnis bzw. die Einbürgerung seit 27. August 2007 von allen Ausländern per Gesetz verlangt wird.

Mit der Volkshochschule Rügen verfügt der Landkreis somit über eine Einrichtung, die sich seit langem kompetent und umfassend in Sachen Integration engagiert. Und Landkreis sowie seine Institutionen können davon profitieren. Beispielsweise durch den Dolmetscher-Pool, der sich aus ehemaligen Kursteilnehmern auf ehrenamtlicher Basis zusammensetzt. Die Ehrenamtlichen aus aller Welt stehen so „Neuen“ zur Seite, die ersten Schritte in Deutschland zu bewältigen, bis sie dann einst ebenso einen Kurs belegen, um fit für das Leben in Deutschland zu sein.

Derzeit belegen 12 Teilnehmer aus Irak, Vietnam, der Ukraine, Russland, Indien, Pakistan und dem Benin den sechsmonatigen Kurs, der am 19. April gestartet ist. Die Lehrerinnen Silke Eichblatt und Gabriele Klünder stehen bei den Teilnehmern ebenso hoch im Kurs wie „Chefin“ Liliana Hein. Ismail, der vor zehn Jahren aus dem Irak kam, hat die sich jetzt eröffnete Möglichkeit zur Teilnahme am Kurs ergriffen. „Wenn man in diesem Land lebt, muss man auch seine Sprache sprechen“, begründet der viermalige Vater seine Motivation und spricht dies in fast perfektem Deutsch. Ganz sicher ist das auch ein Plus für seine Tätigkeit als Koch in einem Selliner Restaurant.

Aus Indien kam Avil nach Binz und ist dort als Verkäufer tätig. „Dabei ist gutes Deutsch wichtig“, erklärt er und auch, dass die Gruppe selbst in den Pausen sich in Deutsch verständigt. „Wie auch sonst, wir haben doch alle unterschiedliche Muttersprachen“, sagt er.

Nazar und Ehefrau Sosan aus dem Irak haben vier Kinder. Sie sprechen zu Hause vorwiegend Deutsch und wollen nun den Kindern nicht nachstehen. Nazar arbeitet im Steakhouse in Binz als Koch, wo seine Spezialität der „Balkanspieß“ ist.

Hung Denh kam aus Vietnam auf die Insel und ist im Chinarestaurant „Goldener Drache“ in Bergen Kellner. „Ich brauche zwar die Prüfung nicht, aber ich will noch besser Sprechen, Schreiben und Lesen lernen. Wir in der Gruppe sind hier wie eine große Familie und das motiviert uns mächtig“, nennt er den Grund, warum er wochentäglich von 8.30 bis 12.45 Uhr auf der Schulbank sitzt und anschließend zur Arbeit geht.

Bei meinem Besuch im Kurs „Deutsch als Fremdsprache“am vergangenen Donnerstag ist mir sehr schnell klar geworden, dass hier Menschen sitzen und lernen, denen die Insel Rügen und Deutschland vom Herzen her längst zur neuen Heimat geworden ist - und die sich deshalb mit all ihrer Kraft in die weitere Entwicklung hier einbringen wollen. Danke!