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Dieser Artikel wurde am 25. Januar 2012 um 07:28 Uhr in der Rubrik Titelthema veröffentlicht. Sie können diesen Artikel auch ausdrucken.

„Inselparadies“ wirft keinen Gewinn ab

Betriebsleiter Peter Sagner bat Gemeinde um finanzielle Unterstützung

Von Steffie Besch

Ostseebad Sellin. Keine schwarzen Zahlen für das Freizeitbad Inselparadies: Seit drei Jahren mache das Unternehmen Minus, allein im November 2011 fehlten 60.000Euro in der Kasse. Darüber informierte Betriebsleiter Peter Sagner die Mitglieder des Tourismus- und Betriebsausschusses auf der Sitzung im Dezember und formulierte eine Bitte, die ihm sichtlich schwer über die Lippen ging. Eine finanzielle Unterstützung des Ortes für das, für die touristische Infrastruktur im Südosten der Insel wichtige Haus, das 1999 als „Nemo-Die Wasserwelt“ eröffnet wurde und nach der Insolvenz im Juni 2001 von der NFB Verwaltungs- und Betriebsgesellschaft mbH als Betreiber unter dem jetzigen Namen wiedereröffnet wurde.

„Die Besucherzahlen schwanken seitdem, je nach Sommerwetter. Mit 130.000 Gästen verhält es sich aber relativ stabil. Das gilt auch für die Umsätze. Allerdings sind die Energiekosten enorm gestiegen. Seit 2006 hat sich der Strompreis um 40 Prozent, Gas um 30 Prozent erhöht“, berichtet Sagner und nennt gleich Maßnahmen, die das Unternehmen bereits zur Kostenersparnis ergriff. So mussten zu Ostern 2011 zum zweiten Mal seit 2001 die Eintrittspreise angehoben werden. Zudem wurden jetzt erstmalig von November bis März die Öffnungszeiten von 13 bis 21 Uhr verkürzt und auf Einschichtbetrieb umgestellt.

Sechs Mitarbeiter mussten daraufhin entlassen werden. Auch eine Wärmepumpe wurde installiert. „Mit dieser versorgen wir im Winter die Eisbahn im Seepark mit Kälte, die Abwärme nutzen wir für die Beheizung der Becken“, so Peter Sagner, der seit zehn Jahren Betriebsleiter des Bades ist. Auch die Beckenbeleuchtung wurde auf energiesparende LED-Leuchtmittel umgestellt und das Blockheizkraftwerk modernisiert, das nun mehr Leistung erbringt.

„Wir haben alles zur Energieoptimierung getan, unsere Kunden und Umsätze konnten wir nur durch die Saunalandschaft, dem 2007 angelegten 150 Quadratmeter großen Wellnessbereich im Erdgeschoss, Kinder- und Babyschwimmen, Aqua-Fitnesskurse und die Themenabende im Saunabereich halten.

Doch bei schönem Wetter gehen die Urlauber im Sommer natürlich lieber an den nahe gelegenen Strand, im Winter lohnt sich das Geschäft nicht aufgrund der geringen Einwohnerzahl. Wir müssen also wie jedes Hotel oder Restaurant unser Geld im Sommer verdienen und das ist schwer“, sagt Sagner.

Das Unternehmen konnte in den letzten drei Jahren keine Pachtzahlungen und Kapitaldienste erwirtschaften. Um wenigstens zukünftig eine schwarze Null zu schreiben, müssten die Preise erneut angehoben oder im Winter gänzlich die Türen verschlossen werden. Das aber, so der Betriebsleiter, möchte niemand und wäre auch nicht marktüblich.

Für Ausschussvorsitzenden Hans-Joachim Kreß ein Problem, das nicht nur die Selliner betrifft, sondern alle amtsangehörigen Gemeinden, die mit dem „Inselparadies“ in unmittelbarer Nähe werben. Er warf daraufhin die Idee auf, das Problem in den Amtsausschuss weiterzuleiten. „Das Freizeitbad bildet einen wichtigen Baustein in der Infrastruktur und wird vor allem in der Nachsaison von den Urlaubern genutzt. Vielleicht ist es ja möglich, das Inselparadies ähnlich der Mönchguter Museen von allen amtsangehörigen Gemeinden mit einer Summe X zu fördern.“

Auch Ausschussmitglied Kai Ohl appellierte, das Bad zu erhalten: „Es zu verlieren, können wir uns nicht erlauben. Sicherlich könnte dann auch wieder über eine Kurkartenrabattierung nachgedacht werden. Das ist doch ein Anreiz für die Gemeinden und ein Plus für die Gäste. Wir als einzelne Gemeinde bekommen das nicht hin. Unser Zuschuss wäre ein Tropfen auf den heißen Stein, daher sollten sich alle Gemeinden beteiligen. Für eine Diskussion im Amtsausschuss brauchen wir aber konkrete Zahlen auf dem Tisch“, gab Ohl zu bedenken und adressierte diesen Punkt an Betriebsleiter Sagner.

Zunächst aber sollen sich die Gemeindevertreter auf der Sitzung am 31. Januar mit dem Problem befassen. Können auch sie sich für die Idee einer finanziellen Unterstützung durch alle Gemeinden begeistern, wird das Thema beim nächsten Amtsausschuss auf der Tagesordnung stehen.