Hausaufgaben nicht gemacht, fünf, setzen!
Ausschusssitzung: Harsche Kritik an Erweiterung des Biosphärenreservates
Von Robby Günther
Bergen auf Rügen. Starke Worte vom Bauamtsleiter der Stadt Bergen in Richtung Verwaltungsspitze des Biosphärenreservats Südost-Rügen! Rainer Starke kritisierte nach fast anderthalbstündiger Sitzung im Ausschuss für Verkehr, Ordnung und Naturschutz am Montagabend deren Leiterin Sabine Schlender und Mitarbeiter Holm-Andreas Lehmann. „Sie haben ihre Hausaufgaben nicht gemacht, um akzeptabler zu werden“, wies er die beiden Anwesenden im Beisein der Ausschussmitglieder und zahlreicher Gäste der Sitzung zurecht.
Schlender und Lehmann waren im Ausschuss vorstellig geworden, um ein weiteres Mal über die Erweiterung des Biosphärenreservates zu sprechen. Immerhin rund 550 Hektar Fläche der Stadt Bergen auf Rügen stehen auf dem Wunschzettel der Reservatsverwaltung. Doch zwei zentrale Forderungen sind nach wie vor nicht erfüllt, bemerkte Herbert Dobelstein (CDU), Vorsitzender des Umweltausschusses des Kreistages, der, wie weitere Gäste auch, während der Sitzung Rederecht erhalten hatte.
Immerhin wurde während einer Veranstaltung in Neddesitz vor über einem Jahr mit rund 250 interessierten Teilnehmern aus Politik, Wirtschaft, Landwirtschaft und öffentlichem Leben gefordert, dass das Amt für das Biosphärenreservat seine Reservatsverordnung überarbeitet und einen Rahmenplan für die Einwicklung des bestehenden Biosphärenreservates vorlegen soll. „Bringen Sie das bestehende Biosphärenreservat in Ordnung“, so Dobelstein. Landwirt Max Ott aus Lubkow präsentierte während der Sitzung eine Unterschriftenliste, die sich gegen eine Erweiterung der Biosphäre mit den betreffenden Flächen der Stadt Bergen auf Rügen aussprechen. Er befürchtet, dass die Gebote und Verbote der Reservatsverordnung die Grundlagen für jeden landwirtschaftlichen Betrieb enorm einschränken werden. Er kritisierte in diesem Zusammenhang auch, dass besonders die Eigentümer der Flächen nicht gefragt würden, ob sie denn einverstanden wären, ihren Grund und Boden in das Biosphärenreservat zu geben. Sabine Schlender entgegnete diesbezüglich, dass sich die Deutsche Bundesumweltstiftung als Eigentümer von Tilzower Forstflächen bereits dafür ausgesprochen habe, diese Wälder in die Biosphäre zu geben. Gleichzeitig unterstrich sie, dass von rund 30 Anträgen auf Ausnahmen für die Reservatsverordnung pro Jahr für verschiedene Vorhaben fast alle positiv im Sinne des Antragstellers durch ihr Amt beschieden worden seien.
Es nützte alles nichts, Schlender und Lehmann sahen sich am Montagabend einer breiten Front von Kritikern und Gegnern der Erweiterung gegenüber. Vielleicht lag es an den unerledigten Hausaufgaben? Schlussendlich ließ Ausschussvorsitzender Hans-Joachim Kröning (SPD) über die Beschlussvorlage abstimmen: Eine Zustimmung, fünf Nein-Stimmen und eine Enthaltung besiegelten die Drucksache 0025/10 zum Ende der Sitzung als „erledigt“.
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