Springe zu: Navigation | Inhalt | Aktuelle Themen
Dieser Artikel wurde am 12. Januar 2011 um 06:22 Uhr in der Rubrik Titelthema veröffentlicht. Sie können diesen Artikel auch ausdrucken.

Freie Schule Rügen mit Alleen-Patenschaft

Auszeichnung für Engagement und Beispielwirkung durch den BUND

Bild

Die „alten“ und „neuen“ Alleenpaten der Freien Schule am Freitag mit ihren Gästen vom BUND. Foto: Pfaffe

Dreschvitz (apf). Beim dritten Anlauf hat es nun geklappt, denn zwei Mal spielte das Wetter nicht mit: Die UmweltSchule in Europa „Freie Schule Dreschvitz“ hat vom BUND ihre Auszeichnung erhalten, die ihr beim Fotowettbewerb „Allee des Jahres 2010“ in der Kategorie Kinder und Jugendliche durch die Jury zuerkannt wurde. Hier ging der 1. Platz für ein Foto der Ahornallee in Klein Kubitz unter dem Titel „Anfang“ an die „Rasenden Reporter“ der Freien Schule. „Nicht nur das Foto allein, sondern die ganze Geschichte der Alleenpatenschaft, die seit 2010 zwischen der Freien Schule und der Ahornallee nach Klein Kubitz besteht, hat uns dabei begeistert“, sagte Katharina Brückmann, Referentin Baum- und Alleenschutz des BUND M-V bei ihrem Besuch in der Freien Schule Rügen.

Und in der Tat ist es ein beeindruckendes Herangehen, wie sich hier die Schüler sehr frühzeitig mit den Belangen der Natur und des Umweltschutzes befassen und auseinander setzen - und bei ihnen so Natur- und Umweltschutz zur handlungsbestimmenden Alltäglichkeit werden. Ein Grund, warum die Freie Schule am 23. September vergangenen Jahres auch als „Umweltschule in Europa“ durch den Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz M-V, Dr. Till Backhaus, ausgezeichnet wurde.

„Alleen sind vom Menschen geschaffene Landschaftselemente. Trotzdem sind sie nicht nur von kulturhistorischem Wert sondern haben auch eine große naturschutzfachliche Bedeutung“, so Katharina Brückmann. Deshalb habe der BUND e.V. bereits 1998 damit begonnen, für Alleenpatenschaften zu werben, denn mit der Pflanzung neuer Bäume sei es längst nicht getan. Denn Alleen bedürfen einer regelmäßigen Pflege - nicht nur in den ersten drei Jahren nach Pflanzung der Bäume. Und gerade hier liegt oft auch auf der Insel Rügen das Problem, wie die Naturschutzwarte und Alleenpaten Hanna Kamin und Silke Stephan aus der Praxis wissen. „Auch wenn neue Bäume gepflanzt wurden, kümmert sich niemand mehr darum, obwohl die Verantwortung dafür eigentlich geregelt ist.“

Ein Baum ist mehr als nur Holzlieferant

Die Verantwortung sei zwar geregelt, sagt auch Katharina Brückmann, doch, wie man am Beispiel der neu gepflanzten Bäume an der Straße nach Wiek sehe, oft passiere da nichts mehr. Anders an der „Ahornallee“ nach Klein Kubitz. „Es ist unsere Allee“, schreiben die Schüler der Freien Schule in der Bewerbung zum Fotowettbewerb „Allee des Jahres 2010“, bei dem sie ihr Foto „Anfang“ betitelt haben. „Wir haben für diese Allee im letzten Jahr die Patenschaft übernommen. Am ’Anfang’ standen nur noch 24 alte Bäume. 20 neue Bäume sind bereits gepflanzt worden und der ’Anfang’ unserer Patenschaft begann mit dem Pflanzen einer Winterlinde im November 2009. Es wird noch viele Jahre dauern, bis die Baumkronen sich über die Straße anfassen können. Dann sind wir schon groß und besuchen unsere Baumallee vielleicht mit unseren Kindern - und zeigen ihnen dann unser Foto vom ’Anfang.’“

Doch vorerst kümmern sich die Schüler mit ihrer Alleenpatin Silke Stephan aus Klein Kubitz um „ihre“ Allee, dass diese auch gut gedeihen kann. Dazu haben sich die Schüler im Projektunterricht intensiv mit Natur und Umwelt befasst.

Am 27. April vergangenen Jahres waren die Rasenden Reporter der Freien Schule Rügen, Marvin, Johann, Mathis, Betty, Arne, Oskar, Kai und Max, in Klein Kubitz und haben gemeinsam mit der Projektleiterin Katrin Fleischer, Maike Müller als Eltern und Silke Stephan als ehrenamtliche Naturschutzwartin und Einwohnerin des Ortes, ihre Patenallee und ihre gepflanzte „Urlauber-Linde“ (weil von Urlaubern gesponsert) begutachtet. Die Linde steht an einer denkmalgeschützten Kopfsteinpflasterstraße in Klein Kubitz. Frau Fleischer hatte alles bestens vorbereitet und Arbeitsblätter für eine erste Bestandsaufnahme der Bäume erstellt. Die acht Reporter „rasten“ von Baum zu Baum und beantworteten die aufgelisteten Fragen. Es wurde kartiert, fotografiert, die Schilder geprüft und über die Baumart gerätselt, was nicht so einfach war, da sich zu diesem Zeitpunkt nur die Knospen zeigten.

Zum Schluss hatte aber jeder der 45 Bäume sein Kontrollblatt auf dem die Baumart, Baumgröße (groß/klein), Alter (jung/alt), Blätter, Rinde, Insektenbefall, Baumsicherung und sonstige Auffälligkeiten vermerkt wurden. Es wurde eine Skizze mit dem Baumbestand an der Dorfstraße erarbeitet und festgestellt, in welchen Lücken Neuanpflanzungen von Bäumen möglich sind. Es hat sich gezeigt, dass noch mindestens 15 Bäume gepflanzt werden können. Die Rasenden Reporter haben sich auch schon ein Programm für den nächsten Besuch in „ihrer Allee“ vorgenommen. Dann wurde der Stammumfang, die Größe der Bäume und der Abstand zwischen den Bäumen gemessen und das Alter der Bäume ermittelt. Außerdem haben die Baumfreunde Tiere, die in der näheren Umgebung vom, auf und im Baum leben, beobachten.

Im Oktober wurden dann in „ihrer“ Allee Frühblüher in Pflanzkörben um die 19 Jungbäume gepflanzt und den neu hinzugekommenen Alleenpaten der 1. und 2. Klasse die Patenallee und die damit verbundenen Aufgaben vorgestellt. Denn es gibt noch viel zu tun!

Werden auch Sie Pate - verschenken Sie Ihr Herz an eine Allee

Der BUND pflanzt Bäume und setzt sich ein für einen besseren Schutz von Alleen wie durch schärfere Gesetze. BUND-Aktive kümmern sich zudem mit großem Einsatz um „ihre“ Allee, melden Anfahrschäden oder gießen die Bäume an heißen Sommertagen. „Unterstützen Sie uns bei dieser Arbeit mit einer Patenschaft für die Alleen. Gemeinsam können wir im Alleenschutz viel bewegen“, ruft Katharina Brückmann auf.

Übrigens: Die selten gewordene Elsbeere, von der zwei Bäume auf dem Schulhof der Freien Schule stehen, ist der Baum des Jahres 2011. Die Elsbeere kann bis zu 25 Meter hoch werden. Keine andere einheimische Frucht hat so viel Vitamin C wie die Elsbeere.

Bild

1. Platz in der Kategorie Kinder und Jugendliche - „Anfang“ Ahornallee in Klein Kubitz. Foto: Katrin Fleischer