Fischerei ist ein problembehaftetes Geschäft
Unklare EU-Fischereipolitik und fehlende Kontinuität belasten Rahmenbedingungen
Rügen (apf). Die Fischerei im Land ist trotz sich der verschärfenden Widersprüche, die sich auch aus der europäischen Fischereipolitik ergeben, ein zukunftsträchtiges Geschäft im Land und so auch auf der Insel Rügen. So könnte man das Fazit aus dem Bericht des Vorsitzenden des Verbandes der Kutter- und Küstenfischer Mecklenburg-Vorpommern, Norbert Kahlfuß, an den Kreistagsausschuss für Umwelt, Landwirtschaft, Fischerei- und Forstwirtschaft auf den Punkt bringen. Die Berichterstattung bestimmte die Sitzung vom Montag dieser Woche, auch aus der Sicht, was der Kreistag dazu beitragen kann, dass sich die Rahmenbedingungen für die Fischerei auf Rügen weiter stabilisieren. Positiv habe sich für die Fischerei die EuroBaltic Fischverarbeitung in Mukran entwickelt. Anfängliche Probleme mit der Abwassereinleitung in die Ostsee gehören längst der Vergangenheit an, so ein Bericht vom StAUN Stralsund. Die vorgegebenen Höchstwerte werden eingehalten und unterboten. Positiv sei, dass mit der EuroBaltic auch die Schleppnetzfischerei bei Hering wieder eine Rolle spiele.

Löschen des Fangs bei der EuroBaltic Fischverarbeitungs GmbH in Sassnitz/Mukran. Hier ist der größte deutsche Umschlagplatz für Fisch in der Ostsee entstanden. Foto: Pfaffe
Die Rügener Fischer haben 2005 ihre Quoten abgefischt, zum Teil leicht überfischt, so Kahlfuß. Das waren insgesamt 7.300 Tonnen Fisch, der ange-landet wurde. Rund 5.900 Tonnen Hering, 675 Tonnen Dorsch, 600 Tonnen Plattfisch und 125 Tonnen Süßwasserfische. 2005 war ein Jahr, welches belegt, dass unsere Fischer in der Lage sind zu fangen, wenn die Bedingungen stimmen, so Kahlfuß. Doch die Bedingungen lassen für die 150 Haupterwerbsfischer auf der Insel (2002 waren es 166) immer wieder zu wünschen übrig. Das Problem sieht Kahlfuß in der generell sinkenden Quote. Weil die EU-Fischereipolitik nicht das gebracht hat, was sie bringen sollte, wird immer weiter an der Quote geschraubt, so Kahlfuß. Auch die Quotenvergabe in Ost- und Westquote lasse zu wünschen übrig, da sie nicht die realen Bedingungen und Möglichkeiten berücksichtige. Unklar sei, warum bei der Dorschquote, die in diesem Jahr leicht erhöht wurde, bei den kleinen Fahrzeugen unter 20 Metern 70 Prozent nach Schleswig-Holstein und nur 30 Prozent nach M-V gehen, obwohl die Anzahl der zu berücksichtigen Schiffe in etwa gleich sei. Derzeit will die EU mit sogenannten Fangaufwandsbeschränkungen, die bis 2005 bei uns noch unbekannt waren und mit der man in der Nordsee auf den Bauch gefallen ist, die Quoten stabil halten. Neben dem Dorschfangverbot in der westlichen Ostsee vom 15. März bis 15. Mai sind in diesem Gebiet weitere 30 Tage Fangverbot angeordnet. Trotz der strengen und teilweise nicht nachvollziehbaren Reglementierung sei es den Rügener Fischern aber gelungen, ihre Existenz für die Zukunft ein weiteres Stück sich-erer zu machen, so Kahlfuß. Nun müssen die Bestrebungen darauf gerichtet werden, auch durch die Modifizierung des 2005 verabschiedeten neuen Fischereigesetzes weitere dauerhafte und damit planbare Lösungen zu bewirken.
« Nächster Artikel
Immer noch Maßnahmen
Vorheriger Artikel »
Kein Angelverbot im Landkreis Rügen
