Festakt anlässlich 200 Jahre Rügen im Theater begangen
Klage gegen Verwaltungsmodernisierungsgesetz des Landes wird im August eingereicht
Putbus (gü). Wir werden da nicht locker lassen, unterstrich Kreistagspräsidentin Gisela Lemke (CDU) während des Festaktes anlässlich des Jubiläums 200 Jahre Landkreis Rügen am zurückliegenden Sonnabend im Theater der Fürstenstadt. Mit nicht locker lassen meint sie den Kampf einer politischen Mehrheit im Kreistag zum Erhalt der Selbstständigkeit des einzigen Insellandkreises in Deutschland. Immerhin sei Heimat dort, wo man sich nicht erklären braucht, sagte Lemke während ihrer Ansprache vor rund 150 geladenen Gästen. Als oberste Repräsentantin des Kreises überbrachte sie dem Landkreis einen herzlichen Glückwunsch zu dessen Jubiläum.
Und auch den Rüganern gratulierte die Kreistagspräsidentin symbolisch. Immerhin seien es die Rüganer, die durch ihre Visionen und ihre persönliche Arbeit in den letzten 200 Jahren die Geschichte des Kreises Rügen geschrieben hätten. Die Rüganer können stolz darauf sein, mit Umsicht selbstbestimmt auf der Insel zu leben, so Lemke. Auch Landrätin Kerstin Kassner (Linkspartei.PDS) betonte in ihrem Festvortrag, dass die Eigenständigkeit des Insellandkreises oberste Priorität ihrer Arbeit besitze. Aus diesem Grund hat die Verwaltungschefin mit dem Votum einer breiten Mehrheit des Kreistages auch die Klage gegen das Verwaltungsmodernisierungsgesetz mit der dort beinhalteten Kreisgebietsreform vorbereiten lassen. Wir werden die Klage im August gegen das Gesetzespaket einreichen, so Kassner. Dieses sieht vor, dass die bisherigen Landkreise und kreisfreien Städte in Mecklenburg-Vorpommern abgeschafft und in so genannten fünf Großkreisen aufgehen (RÜGANER ANZEIGER berichtete mehrmals).
Immerhin hätten sich im Jahre 2004 bei der letzten Kommunalwahl 92 Prozent der Rüganer für den Erhalt des Landkreises ausgeprochen, so die Landrätin in Richtung Finanzministerin Sigrid Keler (SPD), die als Gast bei der Feierstunde die Schweriner Landesregierung vertrat. Das Votum der Rüganer sei in Schwerin im Zuge des Gesetzgebungsverfahrens leider ignoriert worden, also reichen wir jetzt Klage ein, so Kassner. Der Schweriner Gast appellierte unbeeindruckt von den Ankündigungen an die anwesenden Gäste aus Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit, dass Verwaltungsfragen auch immer Standortfragen seien. Es habe immer Widerstände gegen Neuerungen gegeben, erinnerte Keler unter anderem an die Einführung des preußischen Landrechts im Jahre 1815. Veränderungen sind die einzigen Konstanten in der Geschichte, fasste Keler fast salomonisch das Thema in ihrer Rede an und verwies darauf, dass beispielsweise auch das Nachbarland Schleswig-Holstein unter Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) ebenfalls ein neues Gesetz in punkto Verwaltungs- und Kreisreform vorlegen wolle. Sinnbildlich verglich Keler den Kampf der Rüganer um ihre Eigenständigkeit mit dem Kampf des Don Quichote gegen Windmühlen und gab dem Inselvolk mit auf den Weg, dass die angesprochenen Standortfragen mit Wettbewerb zu tun haben. Vielmehr sieht die Ministerin für die Rüganer einen qualitativ anspruchsvollen Tourismus und den Ausbau des Fährhafens Sassnitz als Grundlagen für wirtschaftlichen und somit persönlichen Wohlstand jedes einzelnen. Sie gratulierte der Insel zum Jubiläum und wünschte für die nächsten 200 Jahre alles Gute mit einer modernen Verwaltung.
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