EU streicht 30 Prozent Heringsquote und Fischer
Küstenfischer in M-V sehen ihre Existenz gefährlich bedroht

Was hat die Demo der Ostseefischer am 24. September vergangenen Jahres gebracht, bei der „Benne“ auf seinem Plakat die Angst der Fischer festgehalten hat. In diesem Jahr verordnet die EU-Kommission für 2011 nun 30 Prozent weniger Heringsquote in der westlichen Ostsee. Das setzt viele Fischer nun endgültig auf die „Rote Liste“. Foto: Pfaffe
Rügen (apf). Die Minister erzielten einstimmig eine politische Einigung über die Fangmöglichkeiten für bestimmte Fischbestände in der Ostsee für 2011. Die vorgeschlagenen Maßnahmen basieren auf den verfügbaren wissenschaftlichen Gutachten und insbesondere dem Bericht des Wissenschafts-, Technik- und Wirtschaftsausschusses für Fischerei (STECF). So heißt es in der Pressemitteilung zur 3042. Tagung des Rates für Landwirtschaft und Fischerei der Europäischen Union vom 26. Oktober diesen Jahres.
Demnach wird in der westlichen Ostsee, dies ist das Gebiet, in welchem die Deutschen Küstenfischer auf Fang gehen, die Fangquote für Hering von im vergangenen Jahr 22.692 Tonnen neuerlich um 30 Prozent auf 15.884 Tonnen reduziert. Bis 1990 wurden vor unseren Küsten noch jährlich 55.000 Tonnen Hering gefangen. Nachdem der Heringsfang einen drastischen Einbruch erlitt wurde er erst vor wenigen Jahren politisch bestimmt offiziell wieder zum Brotfisch der heimischen Küstenfischer ernannt. Nun sinken die Quoten seit 2007 drastisch und drängen insbesondere die kleinen Fischereibetriebe an den Rand der Existenz und auf die „Rote Liste“.
Deshalb hatten sich die Deutschen Fischer am 24. September des vergangenen Jahres in Sassnitz zu einer Protestkundgebung zusammen gefunden, um ihren Unmut den politischen Entscheidungen in Brüssel entgegen zu stellen. „Seit 2007 wurde die Heringsquote in mehreren Schritten um absolut 56 Prozent gekürzt“, so Norbert Kahlfuß, Vorsitzender des Verbandes der Kutter- und Küstenfischer e.V. damals, der auch die Frage in den Raum stellt: „Warum soll die Heringsquote nun noch einmal gesenkt werden, obwohl es als wissenschaftlich erwiesen gilt, dass die Fischer nicht am fehlenden Nachwuchs Schuld tragen.“
Jürgen Krieger, Fischer und Fischverarbeitungsmeister aus Dranske, wies als Praktiker in diesem Zusammenhang darauf hin, dass der Heringsbestand weit besser sei als es die Wissenschaftler darstellen. Und er entgegnete dem aus Brüssel kommenden Argument, dass es ja Ausgleichszahlungen für die Fischer gäbe: „Wir wollen keine Ausgleichszahlungen, sondern mit Fischfang unser Geld verdienen.“ „Eine weitere Kürzung bedeutet das Ende vieler Fischereibetriebe und der Küstenfischerei“, pflichtet ihm Lorenz Markwardt vom Landesfischereiverband S-H bei im vergangenen September bei.
Jetzt geht es ans Eingemachte
Jetzt geht es ans Eingemachte ist sich auch Günter Grothe sicher, denn weitere 30 Prozent Quotenkürzung auf Hering werde nicht ohne Auswirkungen bleiben. Grothe ist Geschäftsführer der größten Erzeugerorganisation „ZAG Rügenfang“ in Mecklenburg-Vorpommern und auch der „Kutter- und Küstenfisch Rügen GmbH“ als Vermarkter des auf Rügen angelandeten Fisches. „Die neuerliche Quotenkürzung um 30 Prozent beim Hering wird auf Dauer mit Sicherheit zum Fischereisterben führen“, ist sich Grothe sicher. Auch dann, wenn die ZAG derzeit noch kleineren Betrieben, die sich beinahe ausschließlich vom Heringsfang ernähren, mit besonderen Quotenzuweisungen unter die Arme zu greifen. Vier Genossenschaften gebe es derzeit noch auf Rügen und knapp 50 Einzelfischer. Insgesamt sind das noch 94 Fischereibetriebe, wobei sich zwei Drittel ausschließlich mit der kleinen Küstenfischerei befassen.
Für Grothe ist die Methode der Quotenkürzung undurchsichtig. „Die Fischer haben keine Schuld an der angeblichen Überfischung und die Wissenschaftler haben keine Erklärung dafür, warum nach ihrem Ermessen so wenig Hering da ist“, stellt er fest. Nicht nur für den Laien ergibt sich aus der Tatsache, dass die Heringsquote zwar um weitere 30 Prozent gekürzt, die Dorschquote in der westlichen Ostsee um 6 Prozent und in der östlichen Ostsee gar um 15 Prozent erhöht wird, ein biologisch-mathemathisches Rechenbeispiel. Der Dorsch ernährt sich u.a. von Sprott und kleinem Hering (Biomasse). Wenn mehr Dorsch da ist, dann deshalb, weil er u.a. gute Nahrungsgründe hat. Ergo - sollte auch genügend Hering da sein. Nur: Der Hering ist nicht mehr da, wo wir ihn vermuten, sondern durch die Veränderungen in der Ostsee (Schiffsverkehr, Salzwassergehalt, Windparks und weitere Erschließungen) anderswo. Vielleicht sollte sich die Wissenschaft nun einmal in einen Dorsch hinein versetzen, um so mehr über die Gewohnheiten des Ostsee-Herings zu erfahren ...
Das Problem geht aber weiter: Sollten eines Tages die Heringsquoten wieder in die Höhe schießen, dann wird es fraglich sein, ob diese mit den dann verbliebenen Fischereibetrieben abzufischen ist. Wenn ja, dann ist es für alle Seiten gut so. Wenn nein, dann wird die Quote auf Dauer und endgültig politisch gekürzt ...
« Nächster Artikel
TZR startet in die neue Messesaison
Vorheriger Artikel »
Duckstein-Festival 2011: Zwei Tage länger?
