Erziehung ist Beispiel und Liebe - sonst nichts (Pestalozzi)
Gedanken des Tourismusverein Gemeinde Glowe e.V. zu Profil und Erhalt der Grundschule Jasmund
Glowe. Das obige Zitat des Schweizer Pädagogen Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827) ist für uns in der heutigen Zeit Auslöser zum Nachdenken über eine sich seit längerem abzeichnende Fehlentwicklung bei schulischen Bildungs- und Erziehungsvorgängen in unserer Gesellschaft und fordert geradewegs zu einer Reaktionen heraus, in diesem Falle zum beabsichtigten Vorgang der Schließung der Glower Grundschule.
Hierzu möchten wir unsere Gedanken und unseren Standpunkt öffentlich darlegen.
Grundschule Jasmund in Glowe - Jena-Plan-Schule, das ist es, um was wir ringen !
Vielfältigkeit im Leben einer Gesellschaft bedeutet Gleiches auch für die Bildung und Erziehung der Heranwachsenden. Wir wissen nicht, ob diese Worte mal ein bedeutender Mensch sagte, es ist auf jeden Fall die vielfältige Meinung jetziger und ehemaliger Pädagogen. Sie wird bestärkt durch die täglichen Prozesse, Entscheidungen und vieles andere mehr, die jeder zu bewältigen hat. Darauf vorzubereiten und zu befähigen ist u.a. Aufgabe der Schule. Hierzu entwickelte der Pädagoge Peter Petersen, seinerzeit tätig in Jena, eine Methode zur Bildung und Erziehung der Kinder und Jugendlichen, die ein hohes Maß an Selbständigkeit nutzt, um in und durch die Gemeinschaft das Kind zur Persönlichkeit zu vollenden und ihm die beste Bildung angedeihen zu lassen.
So sieht das dann in der Schulpraxis in Glowe aus.
Das Gespräch in kleineren Gruppen oder in Kreisen nimmt eine zentrale Funktion ein. Es lebt vom Hören, Zuhören und Lauschen, vom sich Einbringen in die Situation und Eingehen auf die Partner.
Aufgabe der Schule muss es dabei sein, Anlässe aufzugreifen und pädagogisch zu nutzen, so dass Einsichten, Erkenntnisse, Verständnis füreinander gewonnen werden können. Entwicklung von Gesprächskultur und der Fähigkeit verbaler Problemlösung in würdevoller Art stehen hier im Mittelpunkt.
Die Arbeit gliedert sich in Kursstunden, in denen neuer Stoff vermittelt und Kenntnisse überprüft werden. Den Hauptanteil bildet jedoch die Arbeit in jahrgangsübergreifenden Stammgruppen, in denen geübt, Wissen erweitert und vertieft wird. Hierfür erhält jeder Schüler einen individuell auf ihn abgestimmten Wochenplan, in der Regel über 14 Tage.
Die Schüler wählen selbst geeignete Lernmittel zur Erledigung der Aufgaben aus, von Nachschlagewerken über Modelle bis hin zur Nutzung des Internets. So ist gewährleistet, dass je nach Leistungswille und Leistungsvermögen gefördert und gefordert werden kann. Also, man lernt im Team und arbeitet nach individuellen Lernplänen. Die Hilfe des Lehrers kann so effektiver eingesetzt werden.
Warum also ist uns nun unsere Schule so wichtig und unterstützen wir ihre Erhaltung?
Weil uns unsere Kinder und damit unsere Zukunft so wichtig sind, denn in den vergangenen Jahren wurden mehr und mehr kognitive (die Erkenntnis betreffend) Elemente in der Schule betont. Dabei wurde versäumt, das Wissen in Haltungen, Einstellungen und Leidenschaft umzusetzen, z.B. „vom Kopf ins Herz“, wie es Pestalozzi einmal ausdrückte.
Der Jena-Plan stellt bei den akuten Problemen der Schule von heute, wie mangelnder Toleranz und Empathie (Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen), geringer Motivation und Leistungsbereitschaft, vernachlässigten sozialen Tugenden, der Fixierung auf schnell reproduzierbares „Papageienwissen“ und einem hohen Aggressionspotential, einen Lösungsvorschlag dar, der theoretisch und praktisch erprobt ist. Dafür lohnt es sich doch wohl im Interesse unserer Kinder zu kämpfen und Hindernisse, wie z.B. die nicht erfolgte Festlegung der gesamten Insel zum Einzugsgebiet unserer Schule und mangelnde Toleranz anderer Schulen zu beseitigen.
Es geht schlicht und ergreifen um unsere künftige Generationenzukunft, für die wir heute alle und das ohne Ausnahme, Verantwortung tragen.
Nach uns aufstrebenden Generationen sind künftig jene, die sich den hohen Anforderungen in einer globalisierten Gesellschaft / Wirtschaft /Welt zu stellen haben und darin auch behaupten müssen.
Erreichtes und bewährtes ist fortzuführen, zu qualifizieren, zu fundamentieren, um somit das Überleben der Gesellschaft zu garantieren.
Hierfür zu investieren muss unserer modernen demokratischen Gesellschaft jeder verfügbare Euro wert sein.
Stimmig ist, dass sich Investitionen in die Bildung nicht sofort in Geld ausgedrückter Wirtschaftlichkeit messen lassen - das ist ein langer Reife- und Entwicklungsprozess. Junge Menschen, mit hohem Bildungsstand und mit ausgeprägten Fähigkeiten und Fertigkeiten sind die künftigen Leistungsträger der Gesellschaft.
Von diesem Potential profitieren wir mehr oder weniger alle - das muss in den Köpfen der gesellschaftlichen und politischen Verantwortungsträger, aber auch so begriffen und gesehen werden.
In einer gut funktionierenden pädagogischen Einrichtung und bei einer bestens motivierten Lehrerschaft - so wie für die Jena-Plan-Schule Glowe zutreffend - wird der Grundstock für das Bildungsniveau des Lebens gelegt.
Das soll aufs Spiel gesetzt werden?
Pestalozzis Ausspruch bestätigt auch 180 Jahre nach seinem Tod folgerichtig, dass nur eine beispielhafte und zugleich fundamentierte Bildung und Erziehungsarbeit den Menschen formt und zu höherem streben läßt... Die Vermittelbarkeit von Wissen setzt daher pädagogische Liebe und Einfühlsamkeit sowie Ausdauer und Berechenbarkeit voraus, um den gewünschten Erfolg zu garantieren.
Deshalb unterstützen wir voll inhaltlich das Bestreben der Eltern, des Elternrates, der Pädagogen der Schule und der Gemeindevertretung, den Schulstandort in Glowe für die Zukunft zu erhalten.
Tourismusverein Gemeinde Glowe e.V. - Der Vorstand
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