Erneuter Hangabrutsch an Göhrens Nordstrand
Auf Hangstabilisierung spezialisierter Gutachter soll nun Konzept für Sofortmaßnahmen vorlegen
Von Steffi Besch
Ostseebad Göhren. Am vergangenen Freitag rutschte erneut Erde vom Hang auf die Straße „Am Nordstrand“. Diesmal ist das Ausmaß wesentlich größer. Auch die alte Bahnhofstraße ist seit einer Woche als Vorsichtsmaßnahme gesperrt. Die Gemeinde warnt davor, die Hangbereiche und die Waldpromenade unterhalb des Waldhotels zu betreten, da aufgrund von Rissen im Bereich oberhalb zu sehen ist, dass Bewegung im Hang ist.
Wie Bürgermeisterin Carola Koos mitteilt, hat die Gemeinde einen Gutachter um eine Schadens- und Risikoanalyse gebeten. Nach der ersten Hangrutschung vor zwei Jahren wurden zahlreiche Maßnahmen eingeleitet, um die gesamten Hangbereiche zu entlasten. Dazu gehörten Abschrägungen der unteren Hangbereiche, Wiederherstellung der Hangentwässerung und Entwässerung der gesamten Elisenstraße, des Gartenwegs und der Waldstraße, so dass der Wasserdruck auf den Hang vermindert werden konnte.
„Wie wir in den letzten Wochen gesehen haben, rutschen auch in anderen Bereichen Göhrens und an der gesamten Küste die Hänge. Das ist aber auch nichts Neues, sondern passiert seit Jahrhunderten. Panik und Hysterie sind da völlig fehl am Platz. Wir müssen jetzt das Konzept des Gutachters abwarten und dann schnell handeln und für das Problem nachhaltig eine Lösung finden“, berichtet Carola Koos. „Jeder einzelne Anlieger an Hängen sollte sich fragen, wo sein eigenes Regenwasser bleibt, um Druck zu verringern oder gar nicht erst aufzubauen. Es ist einfach, erst einmal nach der Gemeinde zu rufen anstatt vor der Haustür anzufangen und selbst etwas zu tun.“
Der Ostsee-Anzeiger „Der Rüganer“ fragte beim zuständigen Gutachter Dr. Johannes Feuerbach vom auf Hangstabilisierung spezialisierten Ingenieurbüro „Geo-international“ Mainz, am Freitag telefonisch nach, wie es um den Göhrener Nordhang bestellt ist. „Auf die Begutachtung folgt nun ein Konzept, wie die Hangbereiche stabilisiert werden können und dadurch vor allem das Bestehen der Waldpromenade und des Hangs gewährleistet werden. Die Waldpromenade weist riesige Risse und Spalten auf. Das betrifft das ganze Plateau“, weiß der Spezialist aus Rheinland-Pfalz zu berichten. Wenn nichts unternommen, nicht eingegriffen werde, sagt er, würden ganze Schollen abrutschen. Er empfiehlt als Sofortmaßnahme die offenen Stellen mit Planen abzudecken, damit keine weitere Feuchtigkeit eindringt. „Allerdings erreichen wir damit nur eine Verzögerung des Abrutschereignisses.“ So sollen Messgeräte in einer Spalte angebracht werden und damit eine Kontrolle der Aktivität im Hang gesichert, und gemessen werden inwiefern sich der Prozess beschleunigt. Was Gebäude oberhalb des Plateaus, also Waldhotel, Villa Hanni und Einfamilienhäuser anbelangt, so gehe für diese keine Gefährdung aus.
Als ursächlich für den Zustand benennt Dr. Feuerbach mehrere Faktoren: „Die Böschung ist zu steil. Die Zusammensetzung des Bodens mit einem hohen Anteil an Sand verträgt nur eine bestimmte Neigung. In der Regel sind das 30 Grad, hier haben wir mehr. Hinzu kommen die extremen Niederschläge im vergangenen Jahr. Diese waren in 2010 im Vergleich zum langjährigen Mittel wesentlich höher und natürlich steigt dadurch, wenn auch kurzfristig, der Grundwasserspiegel.“ In den letzten Wochen waren auch einige Keller in der Ortslage überflutet. „Hier handelt es sich um ein Zusammenspiel vieler ungünstiger Faktoren und es muss schnell etwas getan werden. Gut ist, dass sich die Göhrener der Gefahr bewusst sind und an der Situation schnell etwas ändern wollen“, sagt der Experte. Eine langfristige Stabilisierung könne nur durch die Abflachung des gesamten Geländes, durch Bewaldung und Begrünung, denn Niederschlag verdunstet z. B. durch Laub besser und Wurzelwerk hält den Hang, und vernünftige Entwässerungsanlagen für alle Grundstücke oberhalb der Hänge erreicht werden.
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