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Dieser Artikel wurde am 09. März 2006 um 00:52 Uhr in der Rubrik Vogelgrippe (Aktuell) veröffentlicht. Sie können diesen Artikel auch ausdrucken.

Erneuter Amoklauf von Minister Backhaus

Verschärfte Maßnahmen auf Rügen angekündigt / Rückkehr zur Vernunft angesagt

Bonn/Rügen (RA). Der Landwirtschaftsminister Till Backhaus hat gestern Abend angekündigt, die Maßnahmen auf Rügen zu verschärfen: Frei lebende Katzen sollen eingefangen werden. Der Deutsche Tierschutzbund warnt vor der „ministerial angeordneten Tierqual“.

Auch nach Fund zweier weiterer an H5N1 infizierter Katzen ändert sich die grundsätzliche Einschätzung der Seuchensituation nicht. Diese Bewertung teilt auch das Friedrich-Löffler-Institut. Trotzdem will Landesminister Backhaus die Maßnahmen verschärfen und nach seinen Worten „herumlaufende Tiere“, gemeint sind wohl frei lebende Katzen, einfangen. Der Minister lässt offen, wie das durchgeführt und wo die Tiere dann untergebracht werden sollen. Offen bleibt auch, was geschehen soll, wenn die Katzen nicht zu fangen sind. Der Deutsche Tierschutzbund befürchtet nun, dass die Jäger auf Befehl des Ministers Backhaus bereits die Gewehre geschultert haben und mit den Knarren scharren.

„Für frei lebende Katzen ist das Einfangen und Einsperren Tierqual. Es gibt keine Unterbringungsmöglichkeiten. Herr Backhaus mag davon Ahnung haben, wie man die Interessen der Agrarindustrie in Sachen Käfighaltung von Legehennen vertritt. Von praktischem Tierschutz versteht er augenscheinlich aber nichts. „Es besteht keine neue Gefährdung“, stellt Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, klar. Apel fordert Backhaus auf, diesen Plan unverzüglich zurückzunehmen. Von Bundesminister Seehofer erwartet Europas größte Tier- und Naturschutzorganisation, dass er als „oberster Krisenmanager“ den Landesminister endlich unter Kontrolle hält und selber die Stimmung nicht mit Spekulationen über die Gefährdung „Katze“ anheizt. Im Übrigen ist festzustellen, dass Minister Backhaus mit seinen Horrorszenarien weder das Vertrauen der Bevölkerung in die Landwirtschaft noch das der verantwortungsvollen Tierschützer erwarten kann.

Um sich an der Geflügelpest zu infizieren, müssen Katzen hohen Virusmengen ausgesetzt sein, wie es derzeit nur auf Rügen der Fall ist. Darüber hinaus ist noch kein einziger Fall weltweit bekannt, bei dem eine infizierte Katze das Virus auf einen Menschen übertragen hat. Der Eindruck, dass alle Katzen im Land besonders gefährdet sind und – wie immer wieder suggeriert wird – eine Gefährdung für den Menschen darstellen, ist schlichtweg Panikmache.

Deutscher Tierschutzbund e.V. - (Verbandspresse, 09.03.2006 13:14)