Springe zu: Navigation | Inhalt | Aktuelle Themen
Dieser Artikel wurde am 02. Juni 2010 um 04:42 Uhr in der Rubrik Wirtschaftsnachrichten veröffentlicht. Sie können diesen Artikel auch ausdrucken.

Eine Insel, ein Kurbereich, eine Kurkarte!

TVR-Vorstands-Chef Thomas Wuitschik stellte sich dem Wirtstammtisch zur "Bettensteuer"

Bergen auf Rügen (gü). Zahlen alle, zahlen auch die Hoteliers! Trotz heftiger Gegenwehr gegen die vom Tourismusverband Rügen (TVR) geplante Tourismusförderabgabe für Hotels beim DeHoGa-Wirtestammtisch kamen nach dieser Zusammenfassung seitens des TVR-Vorstands Thomas Wuitschik keine Gegenreden mehr auf. Wuitschik stellte sich am Montag dieser Woche einer Anzahl von Hoteliers und Gastronomen, die das Reizthema „Bettensteuer“ geklärt wissen wollten.

Die öffentliche Debatte brach vor gut zehn Tagen auf Rügen aus, als die Pläne des TVR bekannt geworden waren. Mittlerweile gipfelt der Streit sogar in einer Rücktrittsforderung seitens des Fremdenverkehrsvereins Binz gegen Wuitschik, wie die regionale Tageszeitung am Montag dieser Woche berichtete. Der TVR-Vorstandsvorsitzende nutzte während des Wirtestammtischs des Regionalverbandes des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Rügen die Gelegenheit, um die Chronologie des Zustandekommens der vom TVR angedachten Tourismusförderabgabe zu erläutern. Wuitschik selbst unterstrich in diesem Zusammenhang deutlich, dass das Wort „Bettensteuer“ nicht vom TVR ins Spiel gebracht wurde. Soviel Sachlichkeit muss sein.

Die heftigen Diskussionen auf Rügen entbehren nicht einer gewissen Ironie, wenn man sich das Leitbild des TVR anschaut, das im März 2005 von der Mitgliederversammlung einstimmig beschlossen wurde. Hier heißt es nämlich unter Tourismus und Verkehr: „Entwicklung von Modellen zur touristischen Finanzierung öffentlicher Verkehrsangebote (Mobilitäts- oder RügenEURO pro Ankunft oder Übernachtung, evtl. im Zusammenhang mit RügenCARD)“.

Die Touristiker dieser Insel haben also im März 2005 selbst beschlossen, dass es mit dem Verkehr so nicht weiter gehen kann und alternative Lösungen her müssen. „Unsere Mitglieder haben uns beauftragt, Modelle zu entwickeln und nach Machbarkeit abzuklopfen“, betonte Wuitschik gegenüber den Anwesenden. Und weiter in der Chronologie: Im November des Jahres 2007 wurde auf dem Tourismustag das Thema „Interkommunale Kooperation - Schlüssel für die Tourismusentwicklung“ debattiert. Damaliger Knackpunkt waren die Finanzen. Bereits hier wurde die Frage gestellt: „Zwangsabgabe oder Freiwilligkeit?“

Das vom TVR ins Spiel gebrachte Finanzierungsmodell sieht eine Abgabe auf die Übernachtungen bei Hotels, Pensionen und Vermietern vor. Damit könnten – nach bisherigen Erfahrungen – rund sieben bis acht Millionen Euro pro Jahr eingenommen werden. Damit soll besonders ein kostenloser Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) für den Gast in die Tat umgesetzt werden. Zudem könnten Gelder bereit gestellt werden, um Infrastrukturmaßnahmen zu verwirklichen. Der Vorstand des TVR setzt in seinen Überlegungen dabei auf das Solidarprinzip. Alle sollen ins Boot geholt werden. Ja, aber, intervenierten die anwesenden DeHoGa-Mitglieder, die die Vorgehensweise in der Umsetzung für schlecht halten. Die Wortmeldungen an diesem Nachmittag zeigten, dass eine frühere Beteiligung durchaus eine vertrauensbildende Maßnahme zwischen TVR und Mitgliedern bzw. DeHoGa gewesen wäre.

Nun ist gut zu wissen, dass der Vorstand des TVR im Januar dieses Jahres während seiner Klausurtagung einen einstimmigen Beschluss zur weiteren Umsetzung des Konzeptes und Vorgehensweise gefasst hat. Mitglied im Vorstand des TVR: Der Baaber Hotelier Ralf Schlüter, der ebenfalls Vorstandsmitglied im DeHoGa-Regionalverband Rügen ist und während der Sitzung die Pläne des TVR scharf kritisierte. Auch die Fraktionsvorsitzenden der im Kreistag vertretenen Parteien sind bereits im Oktober des letzten Jahres durch den Vorstand über die Pläne informiert worden, mit der Bitte, dieses Thema in den Fraktionen politisch zu besprechen.

Nach Aussagen von Kreistagsmitglied Gino Leonhard war dieses Thema in der Fraktion der FDP nicht bekannt – erst, als es die Schlagzeilen des hiesigen Blätterwaldes bestimmte. Fraktionsvorsitzender der FDP: Reinhard Liedtke, der auch Mitglied im Vorstand des TVR ist.

Denn die Verantwortung für einen entsprechenden Beschluss sucht der TVR beim Kreistag, wie Wuitschik betont. „Wenn wir einen Beschluss des Kreistages haben, können wir genau festlegen, wie das Geld eingenommen und dann auch entsprechend ausgegeben wird. Der TVR hat dabei immer im Sinn, dass dieses Geld für den Tourismus auf Rügen verwendet wird und nicht in einem Haushalt zum Stopfen von berühmten Löchern verwendet wird. Auch in einem möglichen neuen Großkreis.

Ronald Rambow, Vorsitzender des Fremdenverkehrsvereins Binz, unterstrich in einem Gespräch mit unserer Zeitung, dass schnell alle am Tourismus partizipierenden Unternehmen und Institutionen an einen Tisch müssen, um Details zu besprechen. „Wenn alle zahlen, die vom Tourismus profitieren, dann sieht die Welt ganz anders aus.“ So blieb es am Montag auch beim DeHoGa stehen.