Ehrgeizige Zielstellung & Hochdruck-Arbeit
Buchenwaldgebiet demnächst Weltnaturerbe? / EU-Vogelschutzrichtlinie
Von Wolfgang Urban
Rügen/Schwerin. Auf dem Foto sehen Sie Dr. Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommerns als er im Nationalpark-Zentrum KÖNIGSSTUHL am 15. März verkündete, dass ein wesentlicher Teil des Buchenwaldes auf der Halbinsel Jasmund zusammen mit vier anderen Buchenwaldgebieten Deutschlands zur Anerkennung als Weltnaturerbe bei der UNESCO in Paris angemeldet wurde. Bei den anderen Wäldern handelt es sich um einen Buchenwaldkomplex im Serrahner Teil des Müritz-Nationalparks (Mecklenburg-Vorpommern), Teile des Nationalparks Kellerwald-Edersee (Hessen) und des Nationalparks Hainisch (Thüringen) sowie das Totalreservat Grumsiner Forst im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin (Brandenburg). Wenn es zur Anerkennung als Weltnaturerbe kommt, dann würden diese Buchenwälder in ihrer internationalen Würdigung auf die gleiche Ebene gehoben werden wie beispielsweise der Grand Canyon (USA) und die Galapagos-Inseln (Ecuador). Das wäre ein enormer internationaler Imagegewinn für Rügen. Doch es geht bei der Anerkennung als Welterbe der UNESCO, das in Weltnatur- und Weltkulturerbe unterschieden wird, um mehr als nur internationales Prestiges.
So wirbt das Umweltministerium Niedersachsens bei der Bevölkerung in folgender Weise für einen Antrag der Wattenmeerregion auf Anerkennung als Weltnaturerbe: Das Prädikat Welterbe ist auch ein international wirksames Marketinginstrument und kann der Wattenmeerregion eine herausragende Marktposition im naturnahen Tourismus verschaffen. Zusätzlich zu den traditionellen Gästen wird dieses Prädikat auch Besucherinnen und Besucher aus entfernteren Regionen der Welt anziehen. Auch können sich zusätzliche wirtschaftliche Aktivitäten entfalten, weil es zunehmend attraktiv wird, in der Nähe solcher Gebiete zu leben und zu arbeiten. Das würde zusätzliches Einkommen für die gesamte Wattenmeerregion bedeuten. Damit wird deutlich, dass auch das Thema Weltnaturerbe kein reines Naturthema ist und eine entsprechende Anerkennung von Buchenwaldgebieten an der Kreideküste nicht losgelöst vom Ringen verschiedenster Regionen um Tourismusströme zu sehen ist. Minister Dr. Till Backhaus ist indes in der Landesregierung von M-V nicht für den Tourismus zuständig, denn dieses Ressort gehört zum Wirtschaftsministerium. Aber die dargestellten Fakten zeigen, dass er sich dort befindet, wo Weichenstellungen mit Auswirkungen auf den Tourismus und die allgemeine Wirtschaftsentwicklung vollzogen werden. Davon kündet auch die von seinem Ministerium verbreitete Erklärung zur Ausweisung Europäischer Vogelschutzgebiete (SPA) nach den Vorgaben der EU-Vogelschutz-Richtlinie. Diese sei auch Voraussetzung, um Rechtssicherheit für wichtige Infrastrukturvorhaben im Land, wie unter anderem die Rügenanbindung, zu schaffen. In Mecklenburg-Vorpommern werde daher zur Zeit mit Hochdruck an der Vorbereitung einer entspre-chenden Meldung an die Europäische Union gearbeitet. Minister Backhaus verdeutlichte bei der Antwort auf RÜGANER ANZEIGER - Fragen auch, dass er auf weiteren Gebieten mit Nachdruck handeln und Entscheidungen bewirken will. Dabei wolle er die durch die Zusammenlegung von Landwirtschafts- und Umweltministerium entstandenen neuen Möglichkeiten nutzen. Wird sich jetzt also manches in Mecklenburg-Vorpommern schneller voran bewegen, als in der Zeit als es noch einen Landwirtschafts- und einen Umweltminister gab? Es bedarf jedenfalls der Lösungen und Entscheidungen, wenn Entwicklungen nicht blockiert und Chancen nicht vertan werden sollen. Es müssen aber auch ehrgeizige Ziele gesetzt werden. Dazu gehört der Antrag bei der UNESCO auf Anerkennung von Buchenwäldern als Weltnaturerbe.
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