Drama am Kap: Zehnjährige verschüttet
Kein Hoffnung mehr für Urlauberkind
Kap Arkona (gü). Ein tödliches Drama hat sich am zweiten Weihnachtstag am Steilufer des Kap Arkona abgespielt! Beim Spaziergang einer Mutter mit ihren beiden Töchtern lösten sich zwischen 2.000 und 5.000 Kubikmeter Geröll und Kreide auf Höhe der Nebelstation und stürzten in die Tiefe. Dabei wurde die zehnjährige Tochter verschüttet. Die Mutter und ihre 14-jährige Tochter kamen verletzt ins SANA-Krankenhaus nach Bergen auf Rügen. Nach dem Drama begannen umfangreiche Suchaktionen von Polizei, THW und Feuerwehr. Dabei sind auch spezielle Suchhunde eingesetzt worden, die das Mädchen aufspüren sollen. Die Rettungsarbeiten fanden unter schweren Bedingungen statt, wie Einsatzleiter Daniel Hartlieb sagte. Die Retter selbst haben sich gegen einen matschigen Brei aus Geröll und Kreide zu stemmen. Dabei standen sie auf der Suche nach dem Mädchen teilweise zur Hälfte im kalten Ostseewasser. Im Laufe des Dienstagmittag wurden die Sucharbeiten unterbrochen.
Daniel Hartlieb: „Wir haben aktuell keinen Bezugspunkt, um gezielt nach dem Mädchen zu suchen.“ Die Witterungsbedingungen haben sich im Laufe des Tages verschlechtert. Zudem müsse auch die Sicherheit der Suchmannschaften gewährleistet bleiben, unterstrich Hartlieb in diesem Zusammenhang. An der Küste sind mittlerweile zwei riesige Risse zu sehen, die dauerhaft beobachtet werden, um einen möglichen zweiten Abrutsch vorher zu erkennen.
Unterdessen hat Putgartens Bürgermeister Ernst Heinemann (BfR) den betroffenen Abschnitt für die Öffentlichkeit sperren lassen. Ob weitere Abschnitte der Küste unterhalb Kap Arkona dauerhaft gesperrt werden müssen, soll gemeinsam in der Gemeindevertretung beraten werden, so Heinemann gegenüber unserer Zeitung. Zudem wurde auch das traditionelle und beliebte Höhenfeuerwerk über dem Kap für den Silvestertag abgesagt. Heinemann kann sich an dieser Stelle der Steilküste nicht erinnern, dass es eine solch große Abrutschung bisher gegeben habe. Vor einigen Jahren rutschten mehrere tausend Kubikmeter unterhalb der slawischen Tempelburg in die Ostsee.
Die Einsatzleitung beschloss dann im Laufe des frühen Nachmittag nach 20 Stunden die Suche nach dem Mädchen vorerst zu beenden. Immerhin 160 Kräfte waren an der Suche beteiligt. Aber, die Witterungsbedingungen haben sich weiter verschlechtert. Nun müssen die Rettungsmannschaften darauf warten, dass sich in den kommenden Tagen das Wetter wieder verbessert, um mit der Suche fortzufahren. „Eine Entscheidung, die uns nicht leicht fiel“, so Beigeordneter Lothar Großklaus (CDU) an der Unglücksstelle.
An den Sucharbeiten hatten sich auch Boote der DGzRS beteiligt. Zur Suche nach dem Mädchen setzte die Seenotleitung Bremen der DGzRS das Seenotrettungsboot KURT HOFFMANN von der Station Glowe und den Seenotkreuzer WILHELM KAISEN von der Station Sassnitz ein. Sie führte außerdem Schiffe der Bundespolizei und Wasserschutzpolizei an den Unglücksort heran. Der Einsatz eines von der Seenotleitung Bremen zunächst angeforderten SAR-Hubschraubers der Deutschen Marine schied aufgrund der großen Nähe des Unglücksortes zu der bis zu 45 Meter hoch aufragenden Steilküste schnell aus.
Im Küstenvorfeld konnten nur sehr flachgehende Boote operieren. Das Tochterboot HELENE der WILHELM KAISEN, die ebenfalls mit geringem Tiefgang ausgestattete KURT HOFFMANN sowie zwei Schlauchboote von Bundespolizei und Feuerwehr suchten den Uferbereich ab. Zur Unfallzeit herrschten im Einsatzgebiet Winde bis zu sieben Beaufort (bis 60 km/h Windgeschwindigkeit). Bei Abbruch der Sucharbeiten herrschte Windgeschwindigkeit 9.
Unterdessen hat Landwirtschafts- und Umweltminister Dr. Till Backhaus (SPD) den tragischen Unfall bedauert. „Meine Gedanken sind bei der Familie. Leider wird die Gefahr an diesen Strandabschnitten oft unterschätzt. Die Rügenschen Steilküsten besitzen ausgeprägte natürliche geologische Gefahrenpotenziale im Hinblick auf Hangabbrüche und Hangabgleitungen. Das führt dann bei Witterungsverhältnissen mit überdurchschnittlichen Niederschlägen wie in diesem Jahr zu erhöhten Gefahren“, so der Minister. Den Strand zu sperren sei aus seiner Sicht nicht möglich, wie es in einer Mitteilung seines Ministeriums in diesem Zusammenhang heißt. „Ich denke da nicht in erster Linie an die Bedürfnisse des Tourismus. Schon rein technisch ist das unmöglich, weil bauliche Absperrungen den Naturgewalten kaum standhalten. Man müsste Tag und Nacht Personal vor Ort als Absperrung postieren. Aber auch dann gibt es keine Garantie“, so der Minister.
Er bittet Besucher der Insel, den Warnschildern Folge zu leisten und appelliert an die Rüganer, die Behörden bei der Aufklärung über diese Gefahren zu unterstützen.
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