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Dieser Artikel wurde am 13. Mai 2009 um 01:24 Uhr in der Rubrik Kommentare und Anmerkungen veröffentlicht. Sie können diesen Artikel auch ausdrucken.

Die Zukunft unseres Gymnasiums nicht verspielen!

Die Kolumne im OSTSEE ANZEIGER- Der Rüganer: Von Dr. Udo Knapp (SPD)

Vor zehn Jahren hat der Kreistag in enger Kooperation mit der Schulleitung unseres Inselgymnasiums erfolgreich die Weichen gestellt für eine hoch qualifizierte, gymnasiale Ausbildung unserer Inselkinder. Alle Außenstandorte wurden, wie damals beschlossen, Schritt für Schritt geschlossen. In Bergen auf Rügen wurde am Gymnasium im gleichen Zug Schritt für Schritt ein breit gefächertes Lehrangebot auf hohem Niveau aufgebaut.

Die überdurchschnittlich guten Abschlüsse belegen den Erfolg. Trotz Rückgang der Schülerzahlen wurde ein gymnasialer Standort auf der Insel gesichert. Der Mut und die Konsequenz der Rügener Schulpolitik auf das Gymnasium bezogen, finden bis heute Anerkennung und Respekt im ganzen Land. Sicher ist das Zusammenwachsen der Kollegien aus Bergen auf Rügen und Sassnitz noch nicht abgeschlossen. Aber mit der Neubesetzung des Postens des Schulleiters in diesem Jahr wird auch diese letzte Lücke im Gesamtprozess der langfristigen Sicherung des Gymnasialstandortes Rügen in Bergen abgeschlossen sein.

CDU und die LINKE bringen jetzt mit ihren jüngsten Beschlüssen im Bildungsausschuss und in ihren Parteien ohne Not das Inselgymnasium unter Existenzdruck. Das Gymnasium in Bergen unterrichtet seine Schüler an zwei Standorten in der Stadt. Im Hauptgebäude werden rund 600 und im Nebengebäude rund 300 Schüler unterrichtet. Beide Gebäude werden für den Unterricht voll in Anspruch genommen. Die beiden Gebäude bieten für den Unterricht eine Vielzahl an Möglichkeiten, differenzierte Angebote zu formulieren und zu nutzen. Alle Schüler sollen auf optimale Weise gefördert werden, sie sollen genügend Freiraum für Pausen, für freie Bewegung und die Entfaltung ihrer individuellen Bedürfnisse in ihrer Schule finden.

Der Landkreis Rügen, der schon seit Jahren nicht mehr existenzfähig ist, muss um seine Überlebensfähigkeit der Kommunalaufsicht in Schwerin zu beweisen, immer mehr und gefährlichere Einsparmanöver fahren. Irgendwann kann das Personal in der Verwaltung nicht mehr gekürzt werden. Jetzt kann nur noch direkt in der Daseinsfürsorge für die Bürger selbst gespart werden. Das ist die neue Qualität der jüngsten Beschlüsse. CDU und LINKE sparen jetzt an der Qualität des Gymnasiums. Sie haben vorgeschlagen, den zweiten Standort in Bergen aufzugeben und alle Schüler am Hauptstandort zusammen zu unterrichten. Der zweite Standort soll an die Stadt Bergen verkauft werden, die ihn für die Verbesserung der Versorgung ihrer Schüler gut gebrauchen kann.

In den öffentlichen Ausschusssitzungen wurde den zu recht besorgten Eltern und auch dem Schulleiter des Gymnasiums ein Rederecht verweigert. Der Ausschussvorsitzende der CDU, der ehemalige Schulleiter des Gymnasiums Sassnitz, trug durch viele, nicht nachvollziehbare, polemische Argumente zur Zuspitzung der Auseinandersetzung wesentlich bei. Eine notwendige Abwägung der Argumente ist ausgeblieben. CDU und LINKE scheinen wild entschlossen, den Gymnasialstandort Bergen aus nicht notwendigem Sparwillen in eine Überlebenskrise zu treiben. Um sie zum Einlenken zu bewegen, hier nochmals die beiden wichtigsten Argumente dafür, warum die zwei Schulstandorte des Gymnasiums erhalten werden müssen.

  1. Unsere Schüler müssen aus vielen Gründen schon ab ihrem zehnten Lebensjahr mehr arbeiten als viele Erwachsene. Mit Fahrzeiten gerechnet haben sie oft einen elf-Stunden-Tag und müssen dann noch Hausaufgaben erledigen. Sollen unsere Schüler nicht nur angepasste Lernautomaten werden, sondern sich zu allseitig entwickelten, gebildeten und freien Menschen entwickeln, dann brauchen sie in der Schule neben gutem Unterricht viel Raum und Zeit zum Leben. Dazu brauchen sie gute Lehrer, aber vor allem Raum und Platz und vielfältige auf den ganzen Schultag gut verteilte Angebote in kleinen Gruppen, z.B. an einem solchen langen Tag spielen das Essen und die Pausen eine ganz besondere Rolle. Auch hier schafft Drängelei und Krach nur zusätzlichen Stress für die Schüler. Es wird deutlich, wer den zweiten Standort schließt, der verschlechtert die Lernbedingungen unserer Schüler ohne Not erheblich, kann Schulversager produzieren mit allen mittlerweile bekannten dramatischen Folgen.

  2. Die Landesregierung hat in guter Absicht in der jüngsten Schulgesetznovelle grundsätzlich die freie Schulwahl für die Eltern beschlossen. Sie will damit erreichen, dass die Schulen selbst sich so profilieren und qualitätsmäßig verbessern, damit die Eltern, wo immer im Land sie leben, sich selbst das Beste für ihre Kinder aussuchen können. Ein solcher Ansatz kann in einem dünn besiedelten Flächenland, wie unserem M-V, sehr schnell unangenehme Folgen für alle Schulstandorte haben. Mit anderen Worten, in Zukunft stimmen ohne Wenn und Aber die Eltern mit den Füßen darüber ab, in welches Gymnasium sie ihre Kinder schicken. Diejenigen, die deshalb nicht mehr genügend Schüler haben, werden es schwer haben zu überleben. Wenn jetzt die CDU und LINKE die Lern- und Lebensbedingungen unserer Kinder am Gymnasium in Bergen verschlechtern, dann haben alle Eltern südlich Bergens z.b. eine Alternative. Sie können ihre Kinder über den Rügendamm nach Stralsund ins Gymnasium(vom Schulweg her kein Unterschied) oder sogar nach Greifswald ( zur überaus erfolgreichen Walddorfschule) schicken und unser Landkreis muss den Eltern das Fahrgeld dorthin auch noch erstatten. Das Inselgymnasium in Bergen ist daher gezwungen sein Reformkraft zu intensivieren, neue Wege zu gehen, Eltern an sich zu binden und Schüler zum Lernen zu begeistern. Massenhaltung von Schülern ist das genaue Gegenteil davon.

Die endgültige Entscheidung in dieser Frage muss der Kreistag erst noch fällen. Hierbei geht es im übrigen auch um die wirtschaftliche Zukunft der Insel. Wer schlechte Schule anbietet, vertreibt qualifizierte Arbeitskräfte von der Insel oder hält sie davon ab, überhaupt zu uns zu kommen. An den Fachkräften, die nur von außen kommen können, aber hängt die Zukunft der Inselwirtschaft. Der LINKE sei erklärt, mit ihrer Haltung in dieser Frage kommen sie ihrem Ziel von mehr Gesamtschulen und längerem gemeinsamen Unterricht, die die richtige Perspektive für unser Schulsystem insgesamt weisen, keinen Schritt näher. Im Gegenteil, gemeinsam mit der CDU demontieren sie unwiederbringlich und ohne Not den heute sicheren und nicht schlecht aufgestellten Schulstandort des Inselgymnasium in Bergen. Nachdenken lohnt immer und rechtzeitige Umkehr wird hoch anerkannt.

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