Der undramatische neue Alltag mit der Vogelgrippe auf Rügen
Nur eine kleine Minderheit der in der Natur verendeten Tiere hat Vogelgrippe, dennoch KEIN totes Tier anfassen und 112 anrufen
Von Wolfgang Urban
Rügen. Ich dachte bei Euch gibt es gar keine mehr, sagte eine Stimme am Telefon als ich schwärmend von vielen Schwänen am Ufer der Schaabe erzählte. Herrlich sahen sie aus, wie sie ganz ruhig und offensichtlich bei bester Gesundheit schwammen und zwecks Nahrungssuche den Kopf in die Tiefe tauchten, manchmal streckte sich ein Schwan ganz kräftig in die Höhe oder erhob sich zum Kurzflug über den Bodden welch eine Freude, die Überlebenskraft des Naturparadieses Rügen zu erleben.
In ihm gehörte jedoch schon immer zum Leben auch der Tod. Er war allerdings bis vor kurzem weitestgehend aus dem von Medien beeinflussten öffentlichen Bewusstsein verdrängt. Gebe es nicht die Vogelgrippe, dann wären in diesem Jahr die vielen Schwäne und anderen Wildtiere nicht in den Medien wahrgenommen worden, die auch ohne Vogelgrippe den harten Winter nicht überlebten. Nach wie vor hat nicht jedes tote Wildtier Vogelgrippe. Um die Relation des Todes durch die Vogelgrippe und des Sterbens aus anderen Ursachen in der Gegenwart zu verdeutlichen, hier ein paar Zahlen. Bis zum 10. März um 10 Uhr wurden im LALLF (Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei) und FLI (Friedrich-Loeffler-Institut, Nationales Referenz Labor Aviäre Influenza) 5.125 Tiere aus M-V eingesandt. 4.221 dieser Tiere wurden auf Geflügelpest (HPAI H5N1) untersucht. Im Ergebnis dessen gab es 151 durch das FLI positiv bestätigte Fälle, davon 138 von der Insel Rügen. Von Rügen waren bis zu diesem Zeitpunkt 1.538 Tiere untersucht und 1.831 Tiere eingesandt worden. Wenngleich also sogar in jüngster Zeit nur eine kleine Minderheit der in der Natur von Rügen verendeten Tiere Vogelgrippe hatte, gilt doch zurecht als oberster Grundsatz des Verhaltens beim Auffinden von toten Tieren: NICHT anfassen und 112 anrufen. Das tat auch ich am späten Nachmittag des 8. März angesichts eines toten Fuchses auf meinem Wanderweg und erlebte eine schnelle Reaktionsweise der Behörden (siehe Fotos). Bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe des RÜGANER ANZEIGER wurde von der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern nicht vermeldet, dass bei einem untersuchten Fuchs die Vogelgrippe festgestellt wurde. Aber bei anderen Säugetieren war dies der Fall, und zwar bis Redaktionsschluss bei drei Katzen und einem Steinmarder.

Innerhalb einer halben Stunde nach 112-Anruf kam das Ordnungsamt und sammelte den toten Fuchs ein. Foto: Urban
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