Der lange Weg zur Rügen-Magistrale nähert sich dem Ziel
Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel vollzog den ersten Spatenstich zum Bau der B96n

Nicht nur für Rügen war der erste Spatenstich für die B96n auf der Insel ein besonderes und freudiges Ereignis. Foto: Pfaffe
Rügen (apf). Am Mittwoch vergangener Woche hat mit dem ersten Spatenstich eines der umstrittensten und dennoch wichtigsten Infrastrukturprojekte in Mecklenburg-Vorpommern seinen Baustart erfahren - die Bundesstraße B96n als Anschluss der Insel Rügen an die Rügenbrücke über den Strelasund und damit an die BAB 20 und das europäische Autobahnnetz. Im Beisein von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel (CDU), Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) sowie Ministerpräsident M-V Erwin Sellering (SPD) und des Ministers für Verkehr, Bau und Landesentwicklung Volker Schlotmann (SPD) wurde auf dem Areal der künftigen Anschlussstelle Altefähr der erste Spatenstich vollzogen. Und dies im Beisein zahlreicher Gäste aus Politik, Wirtschaft sowie Einwohnern und Gästen der Insel Rügen.
Auch etwa 20 Gegner des Straßenbaues der B96n waren am Rande der Veranstaltung zu erleben, die lautstark gegen dieses Projekt monierten. „Mit dem heutigen ersten Spatenstich wird der Weg frei für ein lange diskutiertes Projekt. Es ist eine konsequente, logische Fortsetzung der Strelasund-Brücke, die wir vor dreieinhalb Jahren eingeweiht haben. Das war damals ein Freudenfest für jeden, der die Staus vor den geschlossenen Schranken der alten Rügen-Brücke tüchtig satt hatte.
Und dennoch, bis heute heißt es an vielen Tagen: Problem verschoben, aber nicht behoben. Denn auch wenn die Ortsumgehung von Stralsund genutzt wurde und die Fahrzeuge die neue Brücke zügig passiert haben, bleiben sie nicht selten auf der verstopften alten B 96 im Verkehr stecken“, so die Kanzlerin in ihrer Rede. „Deshalb war schon immer, seit dem ersten Projektgedanken, klar: Strelasund-Querung und B 96 müssen zusammen gedacht werden; beides bildet eine Verkehrseinheit. Nun ist Licht am Ende des Tunnels. Das Warten hat bald ein Ende - nicht nur das Warten auf eine neue Straße, sondern auch das Warten im Stau.“
Neben dem Tourismus ziehe besonders auch die Wirtschaft der Insel erheblichen Nutzen aus der B96n, besonders der Fährhafen Sassnitz, für den diese Anbindung geradezu lebenswichtig ist. Die kürzesten Seeverbindungen von Deutschland nach Skandinavien, Russland und in die baltischen Staaten, zahlreiche Fährverbindungen und ein sich gut entwickelnder Güterumschlag - all diese Gegebenheiten lassen sich erst durch eine moderne Anbindung an das internationale Straßennetz richtig nutzen, mahnt die Kanzlerin.
Kanzlerin Angela Merkel stellte die Langfristigkeit und Komplexität der Planungen zur Erneuerung der Verkehrsinfrastruktur in Vorpommern heraus und ließ keinen Zweifel an dem Erfolg des Vorhabens: „Deshalb sind aller guten Dinge drei: A 20, Strelasund-Brücke, schließlich und endlich die neue B 96. Alle, die sich hier auskennen, wissen, dass wir uns mehr als 20 Jahre mit diesen Themen beschäftigt haben. Aber in diesem Fall wird alles realisiert. Das ist doch wirklich eine Erfolgsgeschichte. Damit wird für Rügen die Ampel auf Grün springen, künftig wird mehr wirtschaftliche Dynamik des Ostseeraums an dieser Insel anlanden.“
Die DEGES Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH plante und baut als Vorhabensträger im Auftrag der Bundesrepublik Deutschland sowie des Landes M-V den Neubau der Bundesstraße 96n als „Rügenzubringer” von der A 20 östlich von Grimmen bis zur Ortsumgehung Stralsund und von dort nach Bergen auf Rügen. Die B 96n ist zwischen der A 20 im Bereich Grimmen (AS Stralsund) bis zur Anschlussstelle (AS) Altefähr der Insel Rügen bereits unter Verkehr. Dirk Brandenburger, Technischer Geschäftsführer der DEGES erinnerte an ein mächtiges Stück Arbeit. „Die Planung der Straße hier auf der herrlichen Insel Rügen war nicht einfach. Die Planung und das Verfahren zur Erlangung des Baurechts haben mehrere Jahre gedauert. Viele Varianten wurden untersucht und insbesondere die Belange der Umwelt sehr gründlich berücksichtigt. Abstimmungen mit den Fachbehörden und Gemeinden sowie mit den Kammern und Verbänden fanden praktisch im Monatsrhythmus statt. Die Umweltverbände BUND und NABU haben dieses Projekt sehr intensiv begleitet. Sie haben die Planer immerzu animiert eine noch bessere Lösung zu finden. Für ihre kritischen Hinweise danke ich ihnen sehr.“
„Mit dem Spatenstich machen wir bei einem wichtigen Projekt für die Insel Rügen, für M-V insgesamt einen wichtigen Schritt nach vorn“, betonte Ministerpräsident Erwin Sellering. Rügen sei mit mehr als sechs Millionen Übernachtungen pro Jahr ein Schwergewicht in der Tourismuswirtschaft des Landes. „Die Insel ist eine starke Marke und hervorragende Werbung für das Urlaubsland M-V insgesamt“, sagte der Ministerpräsident. „Ein solches Urlaubsparadies braucht auch eine leistungsfähige Anbindung. Die neue B96n ist ein entscheidender Schritt, um die Situation nachhaltig zu entspannen.“ Ein solches Verkehrsprojekt lasse sich nicht ganz ohne Eingriffe in die Natur realisieren. „Deswegen muss ein vernünftiger Ausgleich zwischen Erreichbarkeit und Natur geschaffen, der dringend notwendige Straßenbau muss noch mehr als sonst auf naturschonende Weise verwirklicht werden. Ich appelliere an alle Beteiligten: Sorgen Sie in den nächsten Monaten gemeinsam dafür, dass dieser Ausgleich auch optimal gelingt.“
„Wir beseitigen jetzt das Nadelöhr für Wirtschaft und Tourismus auf Deutschlands größter Insel. Ab Ende 2013 wird dieser Neubau enorme Verbesserungen für den Tourismus bringen. Daher sind die vom Bund investierten 39 Millionen Euro gut angelegtes Geld“, sagte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer. „Die Menschen entlang der bisherigen Bundesstraße werden künftig vom Durchgangsverkehr auf Dauer entlastet. Das heißt: weniger Umweltbelastung und mehr Verkehrssicherheit sowohl für Autofahrer, aber insbesondere auch für Fußgänger und Radfahrer.“
Am Rande des ersten Spatenstiches für die B96n demonstrierten etwa 25 Gegner des Neubaues - Mitglieder und Anhänger des NABU und der Bürgerinitiative RIO 96 - gegen diesen Straßenbau. Der Planfeststellungsbeschluss für die B 96n liegt seit 26. Juli 2010 nach drei Nachanhörungen zwischen 2005 und 2009 vor. Im Oktober haben. Die Umweltverbände NABU und BUND haben im Oktober Klage vor dem Bundesverwaltungsgericht Leipzig eingelegt, um die Pläne für die neue B96n auf Rügen zu ändern.
Bis zum heutigen Zeitpunkt hat das Gericht noch nicht entschieden. Vergleichbare Entscheidungen zu anderen bundesdeutschen Projekten lassen aber schließen, dass diese Klage keinen Erfolg haben wird.
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