Debatte über das richtige Verhalten in schwieriger Lage
Von Wolfgang Urban
Bergen auf Rügen. Den Sommer herausreißen, den Herbst noch besser machen, als er möglicherweise ist, und damit aufholen, was uns jetzt im Frühjahr unvermeidlich verloren gegangen ist bzw. verloren geht. Das alles mit Kopf hoch, auch wenn es nicht jeden Tag leicht fällt. Das verkündete Wirtschaftsminister Dr. Otto Ebnet (SPD) am 15. März im RAMADA (Treff) Hotel in Bergen auf der Veranstaltung Tourismus auf Rügen wie weiter nach Auftreten der Vogelgrippe.
Damit verdeutlichte er zugleich, dass an der gegenwärtigen Buchungssituation nach seiner Auffassung wenig zu ändern ist und der richtige Zeitpunkt des Geldausgebens für eine zusätzliche Tourismuskampagne noch kommen werde. Das Land habe sich diesbezüglich auch schon um Geld bemüht. Bei der Größenordnung wollte der Wirtschaftsminister offensichtlich nicht konkret werden und agierte statt dessen in flexibler Weise mit der Formulierung eine Million. Dabei betonte er, dass das Geld-Einsammeln weiter gehe. Wann es ausgegeben werden soll und wo es konkret zum Einsatz kommen wird, ließ der Minister offen. Bei dieser Herangehensweise blieb er auch angesichts von konkreten Nachfragen zur finanziellen Unterstützung von Rügener Aktivitäten und Unternehmen. Er machte deutlich, dass jede finanzielle Unterstützung, auch die für eine Rügen-Sympathiekampagne, geprüft werden müsse. Eventuell notwendige Überlebenshilfen für einzelne Unternehmen könne man zudem nicht auf einer öffentlichen Veranstaltung beraten. Ausdrücklich warnte der Wirtschaftsminister die Tourismusbranche davor, in der jetzt schwierigen Buchungssituation Schnäppchenangebote zu machen und sich damit die Preise zu verderben. Vielmehr verbreitete er die Zuversicht, dass die Zeit der Vogelgrippe-Bilder und Negativ-Schlagzeilen nach und nach vorüber geht und die Medienkonsumenten dann wieder aufgeschlossen(er) für schöne Urlaubsbilder werden. In einer solchen Situation müsse dann mit einer zielgerichteten Kampagne für das Urlaubsland Mecklenburg-Vorpommern geworben werden, um den Sommer noch heraus zu reißen. Welche konkrete Rolle dabei Rügen spielen wird, blieb bei der Veranstaltung in Bergen unklar. Vielmehr entstand der Eindruck, dass vor allem eine Landeskampagne in Vorbereitung ist. Darauf deutet auch der Fakt hin, dass die Agentur Pleon Kothes Klewes mit der Erarbeitung eines Konzeptes für die Bewältigung der Krise beauftragt wurde. Diese international agierende Agentur gewann am 23. Dezember 2003 unter dem Namen ECC Kothes Klewes die Ausschreibung für die Erarbeitung des Konzeptes für die Landesmarketingkampage MV tut gut. Angesichts dessen war es nicht verwunderlich, dass der Vertreter von Pleon Kothes Klewes in Bergen am 15. März 2006 Auffassungen zur richtigen Tourismusstrategie in der jetzigen Situation vor dem Hintergrund der Landesmarketingkampagne MV tut gut vortrug. Auch diese Ausfüh-rungen mündeten in die Aussage, dass nicht jetzt, sondern zu einem nicht konkret benannten Zeitpunkt in der Zukunft eine zielgerichtete Urlauber-Werbekampagne gestartet werden müsse. Eine Offensive mit schönen Urlaubsbildern gehe unter, solange die Negativbilder in den Medien präsent sind und Antworten auf besorgte Fragen verlangen. In dieser Phase seien verantwortungsvolles Handeln und sachlich-aufklärende Informationen notwendig. Doch wie lange bedarf es dessen? Wann kommt der richtige Zeitpunkt für den Beginn einer außergewöhnlichen Werbeoffensive?
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